Israelis eröffnen "indirekte Gespräche"

5. Mai 2010, 17:09

ERfolg für US-Emissär George Mitchell - Zu Prozedere und Thematik gibt es noch viele offene Fragen

Nach monatelangen Bemühungen der USA sollten Mittwochnachmittag endlich die indirekten Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern beginnen. Das war zumindest die Auslegung der Israelis, die ein geplantes Treffen zwischen US-Vermittler George Mitchell und Benjamin Netanjahu in der Kanzlei des israelischen Premiers in Jerusalem als eine Art offizielle Eröffnungsveranstaltung für die "proximity talks" ankündigten.

Die Palästinenser ihrerseits hatten indessen nach außen hin noch gar nicht bestätigt, dass sie bei den Verhandlungen auch mitspielen. In der Praxis blieb für diese Bestätigung auch noch etwas Zeit, weil es sich eben bloß um indirekte Verhandlungen handelt, bei denen Mitchell die Parteien jeweils separat konsultiert. Der 76-jährige Exsenator soll zunächst am Donnerstag noch einmal die israelische Seite hören und erst am Freitag in Ramallah mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen.

PLO-Exekutivrat am Samstag

Abbas sollte überhaupt erst am Samstag den PLO-Exekutivrat versammeln, um sich formal grünes Licht für den Eintritt in die Gespräche geben zu lassen. Nach Ansicht fast aller Beobachter ist der schleppende, lustlose Beginn ein Vorzeichen für das, was von dem auf vier Monate anberaumten Prozess zu erwarten ist. Während anscheinend auch Prozedur-Fragen noch offen sind, wird man zu Beginn einmal darüber streiten, in welcher Reihenfolge man sich die Substanz vornehmen soll.

Netanjahu will zunächst über "Sicherheitsfragen" sprechen, wozu aus seiner Sicht eine permanente israelische Präsenz im Jordantal auch nach der Errichtung eines Palästinenserstaats gehört. Über die Grenzen will der israelische Regierungschef erst später und über Jerusalem, wenn überhaupt, erst im Rahmen von direkten Gesprächen verhandeln.

Die Palästinenser wollen hingegen der Grenzziehung Priorität geben, und die Amerikaner wollen die Israelis angeblich zu diesem Zugang überreden - mit dem Argument, dass Israel in dem ihm zugesprochenen Territorium nach Belieben bauen könnte, sobald die Grenzen definiert sind.

Schuldzuweisungen

Zugleich schien man schon das jeweils andere Lager für das erwartete Scheitern verantwortlich zu machen. "Wir sind bereit, über alles zu reden, alles ist auf dem Tisch" , sagte der israelische Minister Benjamin Ben-Elieser, "ich hoffe, Abbas versteht, dass die Zeit nicht nur gegen uns arbeitet, sondern auch gegen ihn." Die Palästinenser seien "immer bereit, sich zu seriösen Verhandlungen hinzusetzen" , so der Fatah-Funktionär Kadura Fares, "aber was bedeuten Verhandlungen, wenn man weiter auf besetztem Gebiet baut?"

Die USA hatten sich letztlich mit indirekten Verhandlungen begnügen müssen, weil die Palästinenser nicht mit den Israelis an einem Tisch sitzen wollen, solange Israel im Westjordanland und in Ostjerusalem weiterbaut. Netanjahu hat zwar einer auf zehn Monate befristeten Drosselung des Siedlungsausbaus im Westjordanland zugestimmt, einen Baustopp in Ostjerusalem trotz amerikanischen Drucks aber abgelehnt.

Gerüchten zufolge soll Israel jedoch de facto auch in Ostjerusalem neue Bautätigkeiten vorübergehend einfrieren, ohne dies aber öffentlich zuzugeben. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2010)

Kommentar posten
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masakhabibi el
38

siedlungen stoppen bitte

Timagoras
 
12

da kann ich mich nur voll und ganz anschließen.

und anerkennung des existenzrechtes Israels bitte (bzw. streichung der vernichtung Israels aus der hamas-charta bitte)

Hubert Ungeist
 
00
14.5.2010, 18:23
Bei gleichzeitiger Anerkennung des P-staates durch Israel

warum nicht?

Eine ANerkennung ist ja immer was gegenseitiges

troob
00
14.5.2010, 14:33
Und aus der PLO-Charta ebenfalls, wenn wir gerade dabei sind!

@Timagoras

ordy
30
10.5.2010, 07:52

Die Frage ist aber:
Wenn die Palästinenser ihr Land einem anderen Volk überschreiben müssen, warum gilt das nicht auch für andere Völker?
Dann könnten z.B. die Slowenen aus ihrem Land vertrieben werden, damit die Roma einen Platz haben.
Was unterscheidet die Palästinenser so von anderen Völkern das man ihnen etwas zumutet, dass man sonst von keinem Volk verlangt?

Andreas S.
02
10.5.2010, 11:11

wieso 'ihr land'? es hat ja den tuerken gehoert.
wiso sonst 'sonst von keinem Volk'? um nicht immer das sudetenland oder 'west verschiebung' von polen als beispiel zu verwenden, wie war das mit der untersteiermark, oder die besetzung von westsahara durch algerien?

Fritz Wunderlich
02
10.5.2010, 10:32

das osmanische land war nie palästinensisches, nicht wahr
wenn man als pächter in feudalen abhängigkeiten steht, oder auf staatsland weiden lässt, ist das halt noch kein eigentumsanspruch

ziemlich wichtig
75
sicher nicht

die sind das beste druckmittel. je laenger die araber warten, desto weniger werden sie bekommen. sie sollten einfach mal "ja" sagen. so wie die Israelis 1948. die haben nur 23% des eigentlich zugesprochenen gebiets bekommen und trotzdem "ja" gesagt.

Da die araber das aber nicht tun werden, wird es einfach keinen staat geben.

simple, isn't it?

Tower Hill
13
Völkerrechtsbruch als Druckmittel???

Naja, dann werden Sie ja auch nichts gegen Hamasraketen und Selbstmordattentate als Druckmittel haben.

Pefo
00
13.5.2010, 08:56

Jedes Problem, T. Hill,

sollte man zur Zufriedenheit aller Beteiligten, zumindest aber der eigenen Bevölkerung zu lösen versuchen.
Seit 1948 führen die Araber einen Krieg nach dem anderen, einen Anschlag nach dem anderen aus- und ihre Situation verschlechtert sich ständig.
Nur Profiteure handeln so, denen das Los des eigenen Volkes gleichgültig ist.
Die Hamasraketen und die Selbstmordattentate helfen den Palästinensern genauso wenig wie die verbrecherischen Anschläge der Schiiten gegen Sunniten und vice versa in vielen muslimischen Ländern.
Was Sie als "Druckmittel" bezeichnen ist ein Mittel, die Palästinenser arm zu halten.

Tower Hill
00
13.5.2010, 10:31

Die Pal. sind für die arabischen Regierungen Druckmittel. Druckmittel gegen Israel. Das Problem ist, daß diese Regierungen allesamt keine wirklichen Demokratien sind. Was allerdings vom Westen auch nicht gewünscht wird. Denn freie Wahlen würden keineswegs westfreundliche Regierungen bringen.

Stillhalten hilft den Pal. auch nichts. Seit wievielen Jahren gibt es keine Selbstmordbomber mehr aus WJL? Die Konsequenz: weitere Siedlungen werden gebaut, Outposts "legalisiert", Strassen bleiben für die Pal. gesperrt, fast täglich Übergriffe von Siedlern, ....

Pefo
00
13.5.2010, 14:05

Ihre Analyse ist richtig, T. Hill,

demnach müßte als Folge die Distanzierung von den arabischen Regierungen sein und eine eigene bilden, die dementsprechend handelt, denn die hätte die Legitimation, Verträge zu schließen, von denen man wüßte, daß sie nicht von irgendeiner arabischen unterlaufen werden würde.
Terror aber, also Gewalt, hat sich seit zig Jahren als kontraproduktiv erwiesen und ist ein Zeichen der Unzuverläßlichkeit.

Tower Hill
00
14.5.2010, 07:21

Nun, egal wie eine Regierung der Pal. aussieht und sich ausrichtet, es gibt ein Problem. Sie hätte keinen Partner auf isr. Seite, der an einer wirklichen Änderung des status quo gelegen ist. Die derzeitige Regierung führt die Gespräche wohl ausschliesslich auf Druck der USA, gleichzeitig wird aber mit kleinen Nadelstichen torpediert wo es nur geht.

Daß der Terror nichts bringt ist schon klar. Nur sollte den Pal. einmal gezeigt werden, daß es so ist. Wenn als Belohnung für jahrelanges Stillhalten nur das Weiterführen der Repressalien drin ist, wird es den Extremisten ein Leichtes sein, Anhänger für ihre "Politik" zu finden.

troob
00
14.5.2010, 15:56
Das ist aber spassig!

@TH

Sonst ist doch hier immer der Tenor aller israelbashende poster, daß es genau eben die Israelis sind, die sich ihre Gesprächspartner nicht aussuchen können...
Und dann folgt das gebetsmühlenartige Mantra, man müsse doch mit allen Feinden, und da insbesondere mit der Hamas reden, weil es sonst nie Frieden gebe würde, und außerdem schließe man naturgemäß Frieden nicht mit Freunden, sondern mit Feinden.

Wieso jetzt dieser Meinungswechsel bei ihnen? Woran liegt das nur?

Vor allem, weil sie ja gleichzeitig peinlichst vermeiden, zu hinterfragen, mit wem eigentlich die Israelis und so...

Da texten sie larmoyant, als ob das völlig irrelevant wäre: "Nun, egal wie eine Regierung der Pal. aussieht und sich ausrichtet..."

Also, vielleicht werden sie dafür wenig Verständnis haben, aber den Israelis ist das möglicherweise nicht so gleichgültig wie ihnen!

Und, notabene, den arabischen Terrorfraktionen auch nicht, aber das nur als apropos.

Immerhin unterscheidet sich die israelische Regierung abgesehen von allen anderen Eigenschaften durch eine demokratische Legitimation von den arabischen Proponenten eines protrahierten Kriegs gegen Israel - von Frieden redet doch dort sowieso niemand ernsthaft, und die Hamas schon gar nicht.

Hingegen gibt es einen Abbbas, dessen Amtszeit längst abgelaufen ist, eine Hamas, die keine Regierung ist, und eine Regierung, welche die Genehmigung der arabischen Liga benötigt, um sich mit den Amerikanern (!) hinzusetzen, geschweige denn

Tower Hill
00
15.5.2010, 07:30
Welcher Meinungswechsel?

Sie werden von mir kein Post finden, in dem ich argumentiere, daß Isr. verhandeln MUSS. Es bleibt jeder Seite überlassen, ob sie redet oder nicht, siehe am Beispiel Hamas.

Ich bin aber auch der Meinung, daß die derzeitige Regierung gar nicht verhandeln will. Die jetzigen Gespräche finden auf Druck der USA statt, Obama braucht einen wie immer gearteten Erfolg in der muslimischen Welt.

Zur Demokratie: ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß Isr. so gut wie keinen Druck ausübt, seine Feinde sollten sich demokratisieren, obwohl das gut wäre als moralische Legitimation. Freie Wahlen in WJL usw. sind das Letzte, was Isr. gebrauchen kann. Und ich glaube, daß die schlechte Gesundheit Mubaraks den isr. Strategen schlaflose Nächte bereitet.

troob
00
15.5.2010, 15:51
Da war doch noch was...

@TH

Sie haben vielleicht etwas überlesen, ich darf es ihnen noch einmal in Erinnerung bringen....

Da texten sie larmoyant, als ob das völlig irrelevant wäre: "Nun, egal wie eine Regierung der Pal. aussieht und sich ausrichtet..."

Also, vielleicht werden sie dafür wenig Verständnis haben, aber den Israelis ist das möglicherweise nicht so gleichgültig wie ihnen!

...

Hingegen gibt es einen Abbbas, dessen Amtszeit längst abgelaufen ist, eine Hamas, die keine Regierung ist, und eine Regierung, welche die Genehmigung der arabischen Liga benötigt, um sich mit den Amerikanern (!) hinzusetzen, geschweige denn mit Israel.

Spannend, daß sie dazu nicht kommentieren.

Es wird seinen Grund haben.

Sie theoretisieren über die Intentionen der israelischen Regierung.

Zumindestens formal und verbal steht diese jedenfalls zu Verhandlungen und hat für diese - im Gegensatz zu den Arabern ! - auch keine Vorbedingungen gestellt...

Wie sieht es andererseits formal und verbal bei den Arabern aus, insbesondere, sie ahnen es, bei der Hamas?

btw, Israel übt auch keinen Druck auf Saudi Arabien, Dubai und Qatar aus, sich zu demokratisieren. Das ist sicher sehr verwerflich. Welchen Druck üben EU und Konsorten in diese Richtung aus? Bitte erleuchten sie die Leser hier im thread diesbezüglich. Damit sich Israel im Vergleich diesbezüglich so richtig schlecht ausnimmt...

Tower Hill
00
16.5.2010, 09:01
Tja, nachdem für uns "normale" Poster nur begrenzter Platz zur Verfügung steht,

muss ich mich auf das für mich Wesentliche beschränken. Und Postingbombardements sind wohl nicht gerade sinnvoll.

Zu Abbas: meiner Meinung nach hat er überhaupt kein Mandat. Abgesehen davon, daß er nicht gewählt ist, fehlt ihm jeglicher Rückhalt in der Bevölkerung. Den arabischen Staaten ist so ein "Führer" natürlich äußerst genehm, so können sie weiter ihre Spielchen mit den Pal. treiben.

Zur isr. Regierung: Daß diese keine Freude an wie auch immer gearteten Verhandlungen hat ist offensichtlich. Lesen Sie ein wenig in den isr. Medien nach, welche Äußerungen die regierenden Politiker täglich von sich geben, eine kleine Provokation nach der anderen.

Zur EU: wie Isr. hat auch diese keinerlei Interesse an freien Wahlen in der Region.

ziemlich wichtig
32
hab ich auch nicht

abgesehen davon, dass es keinen "voelkerrechtsbruch" gibt. durch staendiges wiederholen wird das auch nicht wahrer.

aber abgesehen davon: ich bin ein grosser fan der raketen. sie zeigen, dass sich die araber mit vielem beschaeftigen - nur nicht mit dem aufbau eines staates. daher wird es auch keinen geben. Denn zuallererst muesste das ganz oben auf der agenda stehen - und das tut's eben nicht....

Tower Hill
03
Gibt keinen Völkerrechtsbruch?

Interessante Auslegung der Genfer Konventionen.

Wenn Sie ein solcher Fan der Raketen sind würde ich Ihnen raten, nach Ashkelon zu ziehen. Dort werden Sie jede Menge neue Freunde finden. Und beim nächsten Versuch der Hamas Israel zu vernichten können´s dann bestimmt auch Fanartikel sammeln.

ziemlich wichtig
11
and by the way

ich habe in sderot gelebt und habe die "fanartikel" jetzt schon. wollen sie auch welche?

Tower Hill
00
Dann allerdings müssen´s einen ziemlichen Hieb haben,

Fan dieser Dinger zu sein, bei allem Respekt. Oder die Raketen sind wirklich nur Feuerwerk.

ziemlich wichtig
00
uebrigens

wenn sie etwas nicht verstehen - haben andere einen hieb? bestechende logik. bin begeistert.
haben sie sich schon mal gewundert, warum so viele menschen um sie herum "einen hieb" haben?

Tower Hill
00
Wenn ich Fan von etwas wäre was mich umbringt,

würde ich mir selbst einen Hieb bescheinigen.

Genausowenig kann ich begreifen, daß Sie es begrüßen daß Leute sterben, weil Ihnen die Raketen für politische Argumentation in den Kram passen.

ziemlich wichtig
00
das macht nichts

ihr begreifen ist keine vorausetzung fuer den lauf der dinge. und welche politische argumentation? ich habe die raketen als einen indikator fuer die taegliche beschaeftigung bemueht und als solcher scheienen sie ja recht akkurat zu sein. denn jedes andere halbwegs rationale volk auf dieser erde haette schon mind. 5 mal einen staat dort aufgebaut. so schwer ist das ja auch wieder nicht. alle anderen haben es ja auch geschafft.

ziemlich wichtig
00

warum duerfen nur hamasliebhaber die raketen toll finden? die gefaehrlichkeit dieser dinger kann ich aus erster hand bestaetigen.
aber auf einer politischen metaebene bin ich trotz allem ein fan. sie tun mir einen gefallen.

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