0,001 Prozent wollen TV-Gebühr zurück

5. Mai 2010, 18:00
229 Postings

Gebührenfahnder aller Länder, 20 Milliarden Euro schwer, vereinigen sich zur Fachkonferenz in Bonn - Ihr Präsident, Gis-Chef Menedetter, kann Abgaben für alle Haushalte etwas abgewinnen

Wer die Gebühr sparen will, muss beweisen, dass er weder Fernseher noch Radio noch andere Empfangsgeräte betreibt:Deutschland steuert auf eine "Haushaltsabgabe" für öffentlich-rechtliches Fernsehen zu. Donnerstag erhalten die für Rundfunk zuständigen Ministerpräsidenten ein Rechtsgutachten, das dagegen keine Einwände sieht. Die Länderchefs sollen am 9. Juni entscheiden.

Donnerstag treffen einander in Bonn auch die Gebührenprofis aus 13 Ländern zum ersten internationalen Fachkongress. Wissenschafter und Zasterfahnder suchen unter Regie des Kölner Instituts für Rundfunkökonomie das optimale Gebührenmodell für die Medienkonvergenz.

Organisiert sind die Gebührenfahnder in der BFA. Ihr Präsident ist der Österreicher Jürgen Menedetter, Geschäftsführer der ORF-Gebührentochter Gis.

Mit 2,5 Prozent Schwarzseherquote ist Österreich Europameister - in Italien liegt sie bei 23 Prozent.

Hat Österreich also das ideale Modell? Menedetter wirkt mit dem Zugriff der Gis auf amtliche Meldedaten (im Gegensatz zu Deutschland bisher) recht zufrieden, mit dem "ausgeklügelten Direktmarketing" der Gis und dem "kontinuierlichen Außendienstsystem" der "Kundenberater" .

"Sehr gut funktionierende System"

Ein namhafter Jurist aus der Medienabteilung des Kanzleramts plädierte in einem Fachbeitrag für eine Abgabe für alle Haushalte. Was hält Menedetter davon? "In den Niederlanden gibt es ein solches Modell seit 2001. Rundfunkgebühr wird von den Gemeinden mit Kanal-, Müll- und ähnlichen Gebühren eingehoben, ans Finanzministerium weitergeleitet, von dort an den Rundfunk. Beim Jahresausgleich erklärt man eidesstattlich, dass man kein Empfangsgerät hat, und bekommt das Geld rückvergütet. Nur 0,001 Prozent der Haushalte nutzen die Möglichkeit" , hörte Menedetter beim Finanzministerium: "Das ist sicher ein sehr funktionierendes System."

Bei der gerade diskutierte ORF-Novelle (unten) sind neue Gebührenmodelle kein Thema. Obwohl das Verwaltungsgericht digitale Satseher aus der Gebührenpflicht entließ, die keine ORF-Decoderkarte besitzen. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 6. Mai, 2010)

  • "Kontinuierlicher Außendienst" : Wenn der Zasterfahnder zweimal 
klingelt.
    foto: gis

    "Kontinuierlicher Außendienst" : Wenn der Zasterfahnder zweimal klingelt.

  • Präsident der Gebührenfahnder: Gis-Chef Menedetter.
    foto: derstandard.at

    Präsident der Gebührenfahnder: Gis-Chef Menedetter.

Share if you care.