Masseverwalter schließt AvW Invest

5. Mai 2010, 15:33
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Die in Konkurs befindliche börsenotierte Kärntner AvW Invest AG wird geschlossen. Dies hat der Masseverwalter Gerhard Brandl beschlossen, teilte das Kärntner Unternehmen am Mittwochnachmittag  mit. Erst gestern haben die AvW Invest und ihre Mutter, die AvW Gruppe, einen Konkursantrag gestellt.

Die Überschuldung wurde mit über 50 Mio. Euro angegeben, über den genauen Vermögensstatus gibt es noch keine Angaben.

Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) hält diesen Betrag für "völlig unrealistisch", die Überschuldungen würden "weitaus höher" sein. Die Aktiva bestünden in Form von Liegenschaftsvermögen im Wert von rund 3,5 Mio. Euro - die Immobilien seien allerdings belastet, teilte der AKV am Mittwoch mit. Weiters bestünden diverse Firmenbeteiligungen, deren Wert aber erst ermittelt werden müsse.

"Jetzt schauen wir uns an, was da ist und welche Verflechtungen es gibt", sagte Brandl. Begonnen hat er schon mit der Organisation der zu erwartenden Gläubigeranfragen. Der Rechtsanwalt rechnet jedenfalls mit einer "Unsumme" an Forderungsmeldungen. Immerhin gibt es rund 12.500 Genussscheininhaber, die von dem Konkurs betroffen sind.

"AvW Invest ohne Genussscheinverkäufe tot"

Der AvW-Sachverständige Fritz Kleiner kommt in seinem Gutachten zur AvW zum Schluss, dass die Börse-Tochter AvW Invest ohne die Mittel aus den Genussscheinverkäufen jahrelang operativ im Minus gewesen wäre. Ohne diese Zuschüsse wäre AvW Invest "nie lebensfähig" gewesen. Den Geldfluss zwischen AvW Gruppe AG und AvW Invest - "Kursentwicklung = Genussscheinpreis" bezeichnet Kleiner in seiner über 850-seitigen Expertise als "Perpetuum mobile". Es liege hier etwas vor, "was umgangssprachlich als 'Abzocke' bezeichnet wird", so der Gutachter. Es gilt die Unschuldsvermutung. In der AvW-Affäre zittern wie bekannt mehr als 12.000 Anleger um über 200 Mio. Euro. Der Grazer Anwalt Harald Christandl versucht nun, Ersatzansprüche bei der Republik Österreich im Rahmen der Amtshaftung durchzusetzen, berichtete am Mittwoch das "Mittagsjournal" des ORF-Radio.

Ab 2001/02 sei "mit nicht transparenten Kapitaltransfers zwischen der Emittentin (AvW Gruppe) und der relativ substanzlosen AvW Invest AG als Handels- und Betriebsfirma" gearbeitet worden, stellt Gutachter Kleiner in seiner Expertise fest. Das System beruhte "vor allem darauf, dass den Anlegern (...) laufend zugesichert wurde, sie würden ihre jährlichen Wertsteigerungen bei Bedarf bar ausgezahlt bekommen", schreibt der Experte laut "WirtschaftsBlatt" (Mittwoch-Ausgabe).

"Die Wertentwicklung des Genussscheins entspricht nicht dem realiter durch die Beteiligungen der AvW Gruppe erzeugten wirtschaftlichen Wertzuwachs", heißt es weiter. "Der Genussschein war nie mehr als 52 Prozent durch den Substanzwert gedeckt" gewesen.

Bewertung zu hoch

Kleiner hält die AvW Invest für lange zu hoch bewertet: "Mit der Kommunikation des hohen Börsenwerts dieser Beteiligung" sollte nach seiner Ansicht "die Kursentwicklung des Genussscheines der AvW Gruppe AG gestützt werden". "Eine Täuschung darüber hat in allen Jahren seit 2001 durch diese Überfinanzierung aus Sicht des Sachverständigen stattgefunden", so Kleiner. Bis 2000 habe Wolfgang Auer-Welsbach die Genussschein-Kurse laut Zeitung überhaupt selbst errechnet. Die AvW hatte die Vorwürfe stets vehement bestritten.

Eines der Herzstücke des Gutachtens widmet sich dem Umtausch der alten Genussscheine mit Kapitalgarantie in solche ohne Kapitalgarantie. "Aus meiner Sicht wären die Genussscheininhaber anlässlich des Umtausches auf diesen Wegfall ausdrücklich hinzuweisen gewesen", meint Kleiner: "Die mangelnde Information über diesen wesentlichen Wegfall in den Genussscheinbedingungen 2001 im Vergleich zu 1999 ist eine klare Täuschung des Anlegers" - Vorwürfe, die Auer-Welsbach wie bekannt bestreitet.

Aus Sicht des von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt bestellten Gutachtens wäre die AvW Invest ohne Mittel aus den Genussscheinverkäufen jahrelang operativ im Minus gewesen: "Ohne die Mittel aus den Genussscheinverkäufen an weitere Kunden konnten weder die Rückkäufe noch das operative Geschäft der AvW Invest finanziert werden", so Kleiner. "Die AvW-Gruppe war mit ihrer 75-Prozent-Beteiligung an der AvW Invest wesentlich auf den steigenden Kurs angewiesen, um die Substanz der AvW-Gruppe für die Genussscheine unterlegen zu können." "Hätte AvW Invest mit den fremdvergleichsfähigen Erlösen, Börseeinführung und ohne die Aktivierung zukünftiger Erfolgsprämien bilanzieren müssen, hätte sie ein EGT (von 2001 bis 2007) statt in Höhe von 36,9 Millionen von minus 12,2 Millionen ausgewiesen", so Kleiner.

VKI rät Geschädigten zu Beteiligung am Strafverfahren

Den mehr als 12.000 AvW-Anlegern müssen weiter um ihr Geld - insgesamt mehr als 200 Mio. Euro - zittern. Im Konkursverfahren über die beiden Krumpendorfer Gesellschaften wird für die Genussscheininhaber wohl nichts oder zu holen sein. Die Anleger werden vermutlich als letzte ausbezahlt, denn sie haben der Gesellschaft Eigen- und nicht Fremdkapital zur Verfügung gestellt, erklärte Peter Kolba, Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), der APA am Mittwoch. Der Experte rät mutmaßlich Geschädigten daher, sich im Strafverfahren gegen Wolfgang Auer-Welsbach als Privatbeteiligte anzuschließen. Ab Mitte nächster Woche können dies Konsumenten über die Homepage des VKI tun. Indes wurde der Republik eine weitere Amtshaftungsklage angedroht.

"Im Konkurs geht es darum, ob ein bisschen was übrig bleibt oder gar nichts", gibt sich Kolba ernüchtert. Schon bei einer Quote von zehn Prozent müsste man sagen: "Glück gehabt." Im Konkursverfahren werden zuerst Massegläubiger befriedigt, dann Konkursgläubiger und zum Schluss erst die Genussscheininhaber. Allerdings müsse man sich erst ansehen, ob die AvW das Genussscheinkapital nicht als Fremdkapital ausweisen hätte müssen. Auch der Anlegeranwalt Andreas Pascher ist der Meinung, dass die Papiere "eher Eigenkapitalcharakter" hätten, angesichts der "dramatischen Entwicklung und der Ermittlung wegen Vorsatzdelikten" will er eine bevorzugte Befriedigung der Anlegeransprüche prüfen.

Wie hoch die Chance ist, via Anschluss an das Strafverfahren an sein Geld zu kommen, kann Kolba noch nicht einschätzen, da er das Gutachten von Fritz Kleiner noch nicht kennt. Die bisher kolportierten "offenbar durchaus brisanten Vorwürfe" gäben aber durchaus Hoffnung, dass es zu einer Anklage kommt. "Dann ist die Frage, wer verurteilt wird und was der hat", so Kolba, der außerdem auf "andere Haftungsadressaten" verwies. (APA)

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