Betrugsaffäre drückt Swisscom-Gewinn

5. Mai 2010, 14:39
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Überschuss bricht wegen Fastweb-Rückstellung ein

Frankfurt - Die Betrugsaffäre bei der italienischen Tochter Fastweb drückt deutlich auf den Gewinn der Swisscom. Der größte Schweizer Telekom-Konzern gab am Mittwoch für das erste Quartal einen Rückgang des Überschusses um 22 Prozent auf 377 Mio. Franken (263 Mio. Euro) bekannt, während der Umsatz um ein Prozent auf rund 3 Mrd. Franken stieg. Das Ergebnis schmälerten Rückstellungen der ins Visier der Justiz geratenen Fastweb über rund 100 Mio. Franken.

Die zu über 50 Prozent dem Staat gehörende Swisscom hatte den Mailänder Internet-Dienstleiter vor drei Jahren für 4,2 Mrd. Euro inklusive Schulden übernommen, um den Umsatzrückgang auf dem weitgehend gesättigten Schweizer Markt wettzumachen. In den vergangenen Monaten hat die Tochter dem Schweizer Konzern viel Ärger gebracht. Die italienische Staatsanwaltschaft wirft Fastweb wie auch Telecom Italia vor, mittels fiktiver Telekomgeschäfte Geldwäsche betrieben und die Mehrwertsteuer hinterzogen zu haben.

Weitere Prüfung

"Wir können heute mit 100-prozentiger Gewissheit sagen, dass es nach der Übernahme von Fastweb keinerlei solche Geschäfte mehr gab", sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter. Sein Unternehmen betont, dass lediglich einzelne Fastweb-Mitarbeiter für die Vergehen verantwortlich gewesen seien. Diese seien bereits entlassen worden, sagte ein Sprecher.

Vor einem Monat hatte Swisscom-Chef Schloter auch die Führung von Fastweb übernommen, um eine staatliche Zwangsverwaltung abzuwenden. Der frühere Fastweb-Chef Stefano Parisi hat seinen Posten vorübergehend geräumt. Die Zukunft des Fastweb-Managements hänge nun von der Anklage der italienischen Staatsanwälte ab, die in den nächsten Monaten erhoben werden dürfte, sagte Schloter. "Falls belastende Elemente auftauchen, müsste das Management von Fastweb abtreten", fügte der deutsche Manager an. Die Geschäfte von Fastweb hätten bisher aber nicht unter den Vorwürfen gelitten.

Der Mutterkonzern Swisscom sieht bisher keine Notwendigkeit seine Geschäftsziele zu korrigieren. Für dieses Jahr erwartet er weiterhin 12 Mrd. Franken Umsatz und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 4,6 Mrd. Franken, allerdings ohne die Fastweb-Rückstellung. (APA/Reuters)

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