Satter Zuwachs bei Fair-Trade-Produkten

5. Mai 2010, 13:25
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Heimische Branche setzte 2009 geschätzt 72 Millionen Euro mit fair gehandelten Produkten um - ein Plus von rund elf Prozent

Wien - Fair gehandelte Produkte stehen bei den Österreichern hoch im Kurs. Im Vorjahr hat der österreichische Handel geschätzt 72 Mio. Euro mit Fairtrade-Produkten umgesetzt, um 10,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Umsatz mit Rosen hat sich mehr als verdoppelt, Kaffee legte um 19 Prozent zu, Bananen um 11,2 Prozent, Fruchtsäfte um 9,5 Prozent. Einzig Schokoladeprodukte blieben mit einem Umsatzzuwachs von 1,3 Prozent nahezu stabil. Für 2010 erwartet Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner erneut ein zweistelliges Wachstum, wie er am Mittwoch bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz in Wien sagte. Weltweit ist der Umsatz mit Fairtrade-Produkten zweistellig gestiegen - genaue Zahlen gibt es noch nicht.

Auch in der Gastronomie wird zunehmend auf Fairtrade gesetzt: Rund 1.000 Betriebe - von Hotels wie dem Imperial oder Bristol bis zur Bäckerei Ströck - haben sich fair gehandelten Produkten verschrieben. Das Potenzial sei groß, in den nächsten fünf Jahren könnte sich die Anzahl der Gastronomiebetriebe, die auf Fairtrade umsteigen, verdoppeln, sagte Kirner. Derzeit wird bereits jede vierte Tasse Kaffee, die in der heimischen Gastronomie ausgeschenkt wird, mit Fairtrade-Kaffee gemacht. Dem Handel hat der "faire" Kaffee im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von 19 Prozent auf 14,5 Mio. Euro beschert.

Bananen Nummer 1

Im Handel sind Bananen mit einem Anteil von 32,5 Prozent vom Gesamtumsatz nach wie vor das Fairtrade-Produkt Nummer 1. Geschätzte 23,4 Mio. Euro hat der österreichische Handel 2009 mit fair gehandelten Bananen umgesetzt, um 11,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Seit Österreichs Primus im Lebensmittelhandel, Rewe, nur noch Fairtrade-Rosen verkauft, hat sich der Umsatz in diesem Segment auf 5,1 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Im Bereich Fruchtsäfte wurde das Angebot erweitert, das brachte ein Plus von 9,5 Prozent auf 6,3 Mio. Euro. Fairtrade-Schokolade ist zur Zeit noch sehr teuer, mit ein Grund, warum diese Produktgruppe nicht so stark nachgefragt wird und im Vorjahr nur um 1,3 Prozent auf 15,4 Mio. Euro zulegte, erläuterte Kirner.

Das weltweite Umsatzwachstum führt Kirner auf eine Reihe von Änderungen in großen Konzernen zurück: Seit März bietet die US-Kaffeehauskette Starbucks in ganz Europa nur noch Fairtrade-Kaffee an. Der britische Süßwarenhersteller Cadbury greift bei einem seiner Hauptprodukte nur noch zu fair gehandeltem Kakao - und auch Nestle hat bei Kitkat auf Fairtrade umgestellt. Bei Ben & Jerry's wurde das komplette Eissortiment "fair".

Weltweit erzielten die Produzenten in den Entwicklungsländern aus den Verkäufen von Fairtrade-Produkten auf dem österreichischen Markt Einnahmen von 12 Mio. Euro, nach 9,2 Mio. Euro im Jahr 2008. Die Einnahmen setzen sich aus Mindestpreisen, Bioaufschlägen und einer Sozialprämie zur Realisierung von gemeinnützigen Projekten zusammen. (APA)

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