80 Prozent der Pleiten sind "hausgemacht"

5. Mai 2010, 12:08
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Selbst im Krisenjahr 2009 waren die meisten Insolvenzen "Marke Eigenbau", häufigste Ursache bleiben Managementfehler

Wien - Obwohl Österreich im vergangenen Jahr die schwerste Wirtschaftskrise seit Menschengedenken erlebt hat, waren auch 2009 rund 80 Prozent der Pleiten "Marke Eigenbau". Wie in den Vorjahren sind Managementfehler die bei weitem häufigste Insolvenzursache. In 226 Fällen oder sechs Prozent waren betrügerische Handlungen für die Insolvenz verantwortlich. Dies geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Insolvenzstatistik 2009 des Kreditschutzverband von 1870 (KSV) hervor.

Die Analyse bezieht sich auf Daten aus 3.741 Konkursen, die 2009 eröffnet wurden und die von den Kreditschützern den wichtigsten Ursachengruppen zugeordnet wurden. Fahrlässig handelten die Geschäftsführer in 15 Prozent der Fälle, etwa bei manchen falschen Investitionsentscheidungen. Persönliches Verschulden spielte bei 9 Prozent der Pleiten eine Rolle, wenn etwa die Pflichten in der Geschäftsführung vernachlässigt wurden oder eben auch durch betrügerisches Vorgehen.

Als das bei weitem größte Problem identifiziert der KSV allgemeine "Fehler im innerbetrieblichen Bereich", etwa Kalkulationsfehler oder mangelnden kaufmännischen Weitblick. Kapitalmangel spielte im vergangenen Jahr dagegen in 14 Prozent der Fälle eine Rolle.

Externe Auslöser

Signifikant gestiegen, sind 2009 aber die "externen Auslöser" - sogenannte Folgekonkurse blieben trotzdem eher selten: Nur zwei Prozent der Pleitefirmen "verstarben", weil ihre Kunden pleite gingen, einem Prozent wurde der Ausfall von Lieferanten zum Verhängnis. Unter den externen Ursachen spielen "Lohn- und Steuererhöhungen" und "Kreditrestriktionen" eine herausragende Rolle. Alle "externen Auslöser" zusammengenommen waren 2009 für 18 Prozent der Pleiten verantwortlich, nach 16 Prozent im Jahr davor, schreibt der KSV. Zwei Prozent der insolventen Unternehmen mussten wegen Krankheit der Unternehmer ("sonstige Ursachen") aufgeben,

Trotz mancher Finanzierungsprobleme hat es 2009 jedenfalls nicht besonders viele Pleiten wegen der sogenannten "Kreditklemme" gegeben, sagt Hans-Georg Kantner vom KSV von 1870. "Die Banken haben eher antizyklisch verhalten und Unternehmen, denen die Aufträge weggebrochen sind, meist mit Liquidität geholfen", erklärte Kantner auf Anfrage der APA. Natürlich hätten manche Projekte nicht mehr finanziert werden können - "aber wenn jeder Kredit, der nachgefragt worden ist, auch vergeben worden wäre, hätten die Banken ja wirklich nicht viel aus der Krise gelernt."

Trotz des Anstiegs der externen Pleiteursachen plädiert Kantner dafür, die Krise nicht überzubewerten: "Jährlich gehen nur knapp zwei Prozent der aktiven Unternehmen in Österreich pleite - mehr als 98 Prozent bewähren sich. Und dort hat das Management wohl auch zumindest 80 Prozent Anteil am Erfolg." (APA)

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    Pleite "Marke Eigenbau" ist laut KSV die häufigste Ursache für eine Insolvenz.

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