"Cultural Flat Rate"

Grüne wollen Download-Gebühr für Internetnutzer

Zsolt Wilhelm, 5. Mai 2010, 10:46

Monatliche Abgabe soll Rechtssicherheit schaffen und für eine faire Einnahmenverteilung unter den UrheberInnen sorgen

Die Grünen haben in einem Entwurf zu ihren Überlegungen über die Zukunft des Urheberrechts veröffentlicht. Ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit ist die angedachte Einführung einer "Cultural Flat Rate" gerückt. Mit Hilfe "eines geringen monatlichen Aufschlags auf die Online-Gebühren" sei eine "geeignete Anpassung an die digitale Revolution" möglich. Diese Gebühr soll "ausschließlich nicht kommerzielle Vervielfältigungsvorgänge legalisieren".

Damit will die Partei der momentanen Rechtsunsicherheit von Tauschbörsennutzern entgegenwirken. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Massenabmahnungen seitens der Medienindustrie gegen Privatpersonen. 

"Gerechte Verteilung"

Gleichzeitig soll mit der Gebühr eine gerechte Einnahmenverteilung unter den Künstlern und Urheberrechtsinhabern erfolgen. Welche Branchen (Musik, Filme, Fernsehserien, Bücher, Computerspiele, Software etc.) von der Flat Rate eingeschlossen würden, müsse Gegenstand von Verhandlungen sein. Die Grünen plädieren in jedem Fall darauf, dass die Administration und Verteilung der Einnahmen aus der Flat Rate "über die nationalen Verwertungsgesellschaften" erfolgen soll. Da sie "keine wirtschaftlichen Eigeninteressen" haben und "daher Garanten für das Bemühen um eine gerechte Aufteilung der Gelder" sind. Der Verteilungsschlüssel müsse ebenfalls ausgehandelt werden.

Aus Sicht der Internet-Nutzer müsse garantiert werden, dass die Erhebung der Daten, die der Verteilung der Einnahmen zugrunde liegen, "anonym und datenschutzrechtlich einwandfrei" erfolge.

"10 Euro pro Monat"

Den Grünen nach sei die Einführung einer derartigen Gebühr "durchaus mit dem europäischen Rechtssystem vereinbar", wenngleich "Änderungen am nationalen Urheberrecht" sowie eine "Anpassung der sogenannten EU-Info-Richtlinie" erfolgen müssten.

Bei der Höhe der monatlichen Abgabe will man sich nicht dezidiert festlegen. Um die zu erwartenden "finanziellen Einbußen in der Musik- und Filmindustrie" auszugleichen, rechnet man beispielhaft mit einer "Flat Rate in Höhe von 10 Euro pro Breitbandanschluss pro Monat". Dies würde eine jährliche Verteilung von 180 Millionen Euro ermöglichen und damit entstandene Wettbewerbsnachteile - insbesondere für kommerzielle Downloadportale, aber auch beim Verkauf traditioneller Medien wie CDs und DVDs - "zumindest teilweise ausgleichen". 2008 setzte die Tonträger- und DVD-Industrie rund 400 Millionen Euro um.  

"Forcierung alternativer Lizenzierungsformen"

Die Grünen wollen es aber nicht bei einer "Kultur Flat Rate" belassen und fordern grundsätzliche Änderungen am Urheberrecht. So drängt man auf eine "Forcierung alternativer Lizenzierungsformen" wie der Creative Commons, um Werke für die nicht-kommerziellen Nutzung freigeben zu können. Einher gehe damit auch die "Forcierung der Digitalisierung von bibliothekarischen und archivalischen Beständen". Bestände sollen online zugänglich gemacht werden und nicht mehr produzierte Inhalte schneller digitalisiert und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Für Bildungszwecke sei die "Ausweitung des Katalogs der freien Werknutzung" erforderlich.

Um den Zugang zu künstlerischen Werken zu vereinfachen, sehen die Grünen auch eine "Verkürzung der Urheberrechts-Schutzfristen" vor. Bislang besteht das Urheberrecht auf Werke noch 70 Jahre nach dem Tod der UrheberInnen. Dies nütze zwar den RechtsnachfolgerInnen, behindere aber gleichzeitig den freien Zugang zu einem riesigen Korpus an (künstlerischen) Werken. Dies sei insbesondere dann nicht nachvollziehbar, wenn die Werke unter massivem finanziellen Einsatz der öffentlichen Hand geschaffen wurden.

Schutz der Künstler

Im Hinblick auf die gerechte Einnahmenverteilung zwischen Verlegern und Künstlern fordern die Grünen die "Einführung eines effektiven Urhebervertragsrechtes". Denn in den meisten Fällen "bleibe den Kreativen aufgrund ihrer schwächeren Position und ökonomischen Abhängigkeit nichts anderes übrig, als die Vertragsvorschläge von Verlagen, Galerien oder Rundfunkanstalten zu akzeptieren". Ein Urhebervertragsrecht, "etwa nach deutschem Vorbild", könne hier Abhilfe schaffen, indem es gesetzlich festschreibt, dass "UrheberInnen für jede Nutzung des Werkes eine je nach Art und Umfang der Nutzung angemessene Vergütung zusteht". Zugleich hätten die Interessenvertretungen in Verhandlungen gemeinsame Vergütungsregeln festzulegen. Dieses Vorgehen würde Dumping-Praktiken wirkungsvoll unterbinden. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 5.5.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1267
RebelAngel
 
00
ahja...

diese Wortspende gab es ja auch...zeigt wieder, dass man momentan keinen der Polit-Statisten wählen kann. Festplattenabgabe, Kulturflatrate, blah. Und wer sich seine Filme / Musik ohnehin kauft, zahlt doppelt.

*Mittelfinger hochkurbel*

kilroy2
00
13.5.2010, 18:44
Eine geringe monatliche Gebühr von 10 Euro?

Ja sind sie denn noch zu retten, unsere so genannten Grünen? Ich bezahle für meinen mobilen USB-Stick 9 Euro im Monat (3 GB Datentransfer, das reicht mir). Und dann sind 10 Euro eine "geringe Gebühr"?
Na vielen, herzlichen Dank, Glawischnig, Pilz u.Co.! Bei eurem Einkommen wären natürlich auch 100 Euro eine sogar sehr geringe Gebühr (die ihr dann natürlich auch noch von der Steuer absetzen könnt).

oh_rly
00
11.5.2010, 11:10
ich verstehe nicht,

warum sich manche hier so sehr darüber aufregen. Was ist denn beim Kauf beispielsweise einer Festplatte oder eines Rohlings enthalten im Preis? Richtig, eine Art 'Verbrauchsabgabe' für Dinge wie 'Umgehen des Kopierschutzes' etc.. Diese Abgabe beträgt bei einer externen Festplatte für sagen wir 100 EUR locker 6-8 EUR. Regt sich darüber niemand auf? Es besteht absolut kein Unterschied: Es muss für etwas gezahlt werden, unabhängig davon, WAS man nun auf seine Festplatte kopiert oder auf seine Rohlinge brennt (ob kopiergeschützt oder nicht)

Michael Wagner8
01
10.5.2010, 15:39
verstehe nicht warum sich die grünen für etwas einsetzten, was mehrheitlich die wähler/konsumenten und künstler gar nicht wollen.

abgesehen ist es sowieso eine unfaires und schwachsinniges idee:
kenne jede menge leute, die das nötlige kleingeld haben um monatlich hundert euro und mehr für cd's und dvd's oder online abos auszugeben, da sie einfach nichts illegales machen wollne. kommt die kulturflatrate, haben sie mit 10 euro bereits alles bezahlt. Das ist sozial unfair, da nun auch der, der bei weitem nicht soviel geld hat oder das angebot gar nicht nutzen will, jetzt praktisch den entgangenen gewinn durch die reicheren mitzahlen muss. Schwachsinn - Punkt!

iohui
00
10.5.2010, 02:38
ich würd ja verstehn z.b. eine flat rate für täglich brot für alle.

oder für gratis sehbehelfe für alle.
von mir aus auch für gratis online zeitungen.

aber fürs illegale kopieren von unterhaltungsindustrieprodukten?

sorry, das sind für mich keine dinge des täglichen bedarfs. brauch ich nicht, nutz ich nicht und sehe daher keinen grundlage für einen zwangskostenersatz.
wer günstig unterhalten werden will, wird eh von tv und radio bedient.

das urheberrechtsgesetz ist aber wirklich ein murks. der künstler muss den löwenanteil der erzielten gewinne erhalten. niemand sonst. erben sowieso nur solang sie minderjährig bzw. unterhaltspflichtig sind oder wenn sie bislang unveröffentlichte werke aufbereiten.


franz s.
01
warum soll ich

für monatelanges "Nichtdownloaden" Gebühren zahlen?
Ausserdem ist fast alles, was ich downloade sowieso Freeware oder Opensource-Software (Linux-distris).

Ich habe keine Lust mit einem monatlichen Beitrag irgendwelchen Schwachsinn, den ich nicht brauche, zu finanzieren.

Ach ja, was passiert dann mit den Urheberabgaben auf CDs DVDs und ähnlichem?

Andrian Susu
00
und urheberrechtsabgabe auf computer

wir zahlen mit allem zeugs schon urheberrechtsabgaben mit und die kohle verschwindet scheinbar einfach …

franz996
00
Schuster, bleib bei deinem Leisten!

Ich finde diesen Vorschlag einfach undurchdacht , unrealistisch und schlecht. Vor allem eine sinnvolle Zuzordnung wer etwas dem Steuertopf bekommt ich nicht machbar.

Vielleicht wird ja mal aus flattr.com was. Dann hätten auch die "Kleinen" was davon.

SCANdaLOUS
02

Liebes Standard Team,

bitte schenkt "Norbert Müller" einen Power-User...

sonic
00

bei den downloads dürfte doch klar erkenntlich sein, wessen songs/videos/filme/sonstwas ich herunterlade. und genau diese leute sollen dann mein geld bekommen (selbst wenn es im einzelfall nur ein paar cent pro download sind). wenn ich ja,panik downloade will ich nicht, dass fendrich das geld bekommt.

rapidfans.at
00
und wie?

wenn ich bei einem russischen uploader ein rar runterlade, das w_amb.rar heisst?

sonic
00
11.5.2010, 22:19

wer tut denn so was?
aber o.k., vielleicht ist die Idee von spatti besser:
"ich denk, "manuell übersteuerbarer schlüssel" wäre der königsweg. fürchte, 99% der nutzer wäre es nämlich blunzn, wer die kohle bekommt, da es ihnen auch egal ist, womit sie sich berieseln lassen.
aber die, die es ernst nehmen, können dann steuernd eingreifen."

Rob Anybody
07
Porn

wollen wir saugen!

Opern schauen wir uns eh in Mailand an.

»Pythagoras«
00
wozu einen "schlüssel" zur fairen aufteilung der kopfsteuer?

wer gefordert ist die kultur-flatrate zu bezahlen, könnte doch berechtigt werden frei selbst zu entscheiden, welche teile des betrags an welche kulturschaffenden gehen sollen. so bekommen -- in der gesamtheit betrachtet -- alle was ab und spart sich dabei alle datenschutzbedenklichen varianten.

spatti
03

ich denk, "manuell übersteuerbarer schlüssel" wäre der königsweg. fürchte, 99% der nutzer wäre es nämlich blunzn, wer die kohle bekommt, da es ihnen auch egal ist, womit sie sich berieseln lassen.
aber die, die es ernst nehmen, können dann steuernd eingreifen.

the troll without a name
03

gerechte verteilung durch die nationalen verwertungsgesellschaften ? selten so gelacht ...

Gerhard Müller
01
Vor allem, weil sie keine Eigeninteressen verfolgen!

selten so den Kopf geschüttelt.

Ach die Grünen. Wann werdet ihr erwachsen..?

Norbert Müller
 
00
aber herr zinggl und an alle flatrate befürwoter:

der hautp grund warum ich so gegen diese flatrate bin, ist, weil der kern des übels ja das urheberrecht ist! ich bin der meinung, kunst und kultur muss für alle frei und gratis zugänglich sein, über alle medien welche die jeweilige technologie jeweils ermöglicht! Ich bin der meinung dass ein jeder mensch ein künstler ist uns somit es absurd ist allen menschen etwas wegzunehmen damit einige etwas haben. die kommerzialisierung von kunst muss eben genauso funktionieren wie es in allen anderen bereichen auch der fall ist. Geld sollte meinermeinung nach nur dann gerechtfertig sein in irgend einer art und weise einzufordern, wenn a. ein entsprechender einzelaufwand entstehn, z.b. live konzert, oder durch das pressen von labels etc...

spatti
80

das kann nur einer sagen, der nicht kunstschaffend ist...

der ansatz "kunst muss gratis sein" ist kommunistischer (im negativen sinn) als jeder flatrate-ansatz

Norbert Müller
 
03
ich sag ihnen was...

...habe die ganze welt bereist, überall gibt es menschen die musik machen, tanzen, theaterstückeaufführen, etc... aus freude am leben und fern von jeden kommerziellen gedanken! dass sind die wirklichen kulturellen erlbenisse die es wert sind überhaupt auf diesen planeten zu leben. sobald geld ins spiel kommt, durch grosse verläge, plattenfirmen, oder gar durch eine staatliche gebühreneintreibung wie dieser flatrateschwachsinn, ist die seele draussen und es interessiert micht auch nicht mehr.

spatti
50

das ist ja super, eh, absolut, das leben in einer idealen welt halt.

aber was essen denn die ganzen künstler? werdens von der gesellschaft durchgefüttert? machens das nur in der freizeit? untertags hackelns trotzdem im reisfeld?

ich muss keinen kommerziellen gedanken haben, wenn ich künstlerisch tätig bin, aber ein leerer magen lenkt trotzdem ab...

Norbert Müller
 
01
ich unterstütze künstler gerne..

..nach meinen möglichkeiten... und vorallem dann wenn ich einen ganz persönlichen zugang zu ihnen habe.

das ist der einzige wirklich richtige weg kunst finanziell zu unterstützen. der gedanke, irgendwelche poltitischen organsiationen, beamte, etc.. verteilen dann das geld, wird mir schlecht.

Norbert Müller
 
02

ich frage mich wie das bei den grünen zusammenpasst? in brüssel ist ihre fraktion sein vielen jahren gegen softwarepatente etc... die problematik ist die selbe.

ich setzte mich enorm gegen eine welt ein, wo einmal im tonstudio ein liederl aufgenommen wird, und dann durch kopien die kasse klingelt. Und ich bin schon überhaupt dagen wenn das klingeln der kasse nicht mehr davon abhängig ist ob jemand freiwillig eine cd kauft, oder ob man zum zahlen gezwungen wid, selbst wenn einem das kulturangebot gar nicht interessiert.

Norbert Müller
 
15
und noch was,

die grösste lüge aller zeiten ist, dass durch "raubkopien" oder "illegale-downloads" irgend jemand um betrag xx geld umfällt! Es gibt inzwischen zahlreiche weltweite untersuchungen die beweisen, dass die meisten die "illegalen"downloads niemals käufer von diesen produkten sind.

Die einzige lösung des problems ist, die absolute legalisierung von der verbreitung sämtlicher digitalen und analogen information für die private nutzung!!!

künstler müssen eben kreativ sein wenn sie zu geld kommen wollen. So wie eben alle andere menschen in anderen berufen auch!

Robert Niessner
 
00

Aber trotzdem erschleichen sich die Downloader eine Leistung - sie laden sich einen Film runter um das Anschauen nicht bezahlen zu müssen. Oder wollen Sie mir allen Ernstes erzählen, es gäbe einen anderen Grund? Es ist ok, wenn man für eine Leistung nicht zahlen will, aber dann sollte man auch so fair sein, die Leistung nicht in Anspruch zu nehmen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1267

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.