Protest gegen Einladung von honduranischem Präsidenten Lobo - Mehrheit der südamerikanischen Länder erkennen ihn nicht an
Campana/Tegucigalpa - Aus Protest gegen die Einladung
des honduranischen Präsidenten Porfirio Lobo zum
EU-Lateinamerika-Gipfel wollen zahlreiche südamerikanische Staaten
das Treffen boykottieren. Bei der Mehrheit der Länder der Union
Südamerikanischer Nationen (UNASUR) herrsche "ein Unbehagen, das es
ihnen unmöglich macht, an dem Gipfel teilzunehmen", erklärte der
ecuadorianische Präsident Rafael Correa am Dienstag. Demnach wollen
unter anderem Brasilien und Argentinien den für Mitte Mai in Madrid
angesetzten Gipfel boykottieren.
"Wir spüren, dass man uns ignoriert und dass so getan wird, als
sei nichts geschehen", erklärte Correa, der amtierende
UNASUR-Präsident, in Anspielung auf den Militärputsch in Honduras im
Juni 2009. Die Übergangsregierung hatte nach dem Sturz von Präsident
Manuel Zelaya Wahlen abgehalten, in denen Lobo Ende November zum
neuen Staatschef gewählt wurde. Die Mehrheit der UNASUR-Staaten
erkennt die Legitimität des honduranischen Staatschefs jedoch nicht
an, nur Kolumbien und Peru akzeptieren Lobo als legitim gewählten
Präsidenten.
Die EU hatte den Staatsstreich ebenfalls verurteilt, erkannte Lobo
im Februar jedoch als neuen Präsidenten an. Spanien, das derzeit den
Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft innehat, lud Lobo zu dem Gipfel in
Madrid ein.
Die honduranische Regierung erklärte unterdessen, sie habe die
geplante Wahrheitskommission, die den Staatsstreich gegen Zelaya und
die folgenden Ereignisse untersuchen soll, eingerichtet. Die
Einrichtung der Kommission, an der die Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) beteiligt ist, war eine der Bedingungen für die
Beilegung eines erbitterten Streits zwischen Zelaya und
Übergangspräsident Roberto Micheletti. Nach Aussage von Lobo will die
Kommission in "sechs bis acht Monaten" ihren Bericht vorstellen. (APA/AFP)