Goldman Sachs brennt wegen Leerverkäufen

4. Mai 2010, 19:23
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Bank spricht von Fehler in der Abwicklung, kein Fehlverhalten

New York - Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Leerverkäufe nicht korrekt ausgeführt und muss deshalb fast eine halbe Million Dollar Strafe zahlen. Die Regulierungsaufsicht des New Yorker Börsenbetreibers NYSE Euronext verhängte die Strafe von 450.000 Dollar (343.800 Euro), die zur Hälfte an das US-Finanzministerium geht, wie NYSE Regulations am Dienstag mitteilte.

Die Handelsabteilung von Goldman Sachs habe zwischen dem 9. Dezember 2008 und dem 22. Jänner 2009 rund 385 Aufträge für Leerverkäufe akzeptiert, ohne sich jedoch vorher die Aktien geliehen zu haben, erläuterte der Börsenbetreiber. Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. Sie leihen sich Aktien von anderen Anlegern, verkaufen diese und versuchen sich anschließend billiger damit einzudecken.

Goldman Sachs akzeptierte NYSE Regulations zufolge die Strafzahlung, räumte aber kein Fehlverhalten ein. Ein Sprecher von Goldman erklärte, ein Fehler in der Abwicklung sei Grund für die Verstöße. Die automatisierten Arbeitsvorgänge seien in der Zwischenzeit verbessert worden. Den Kunden sei kein finanzieller Schaden entstanden.

Gegen Goldman Sachs läuft derzeit ein Betrugsverfahren. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte Mitte April offiziell Klage eingereicht. Sie wirft den Beschuldigten vor, Investoren wichtige Informationen über ein kompliziertes, auf Hypothekenkrediten basierendes Anlageprodukt verschwiegen zu haben.

Die mit Betrugsvorwürfen konfrontierte US-Investmentbank will einem TV-Sender zufolge noch am Dienstag Gespräche mit der Börsenaufsicht SEC über einen Vergleich aufnehmen. Vertreter der Bank hielten die SEC-Klage zwar für unbegründet, wollten aber Auseinandersetzungen mit den Aufsichtsbehörden vermeiden, berichtete Charlie Gasparino vom Wirtschaftssender Fox Business am Dienstag. Die Börsenaufsicht sei möglicherweise nicht bereit, sich auf einen milden Vergleich zu einigen, hieß es in dem Bericht weiter unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. SEC-Sprecher John Heine lehnte einen Kommentar ab. Auch ein Goldman-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Die SEC hatte Mitte April offiziell eine Klage gegen Goldman Sachs als Bank sowie gegen den mittlerweile beurlaubten Bond-Händler Fabrice Tourre eingereicht. Sie wirft den Beschuldigten vor, Investoren wichtige Informationen über ein kompliziertes, auf Hypothekenkrediten basierendes Anlageprodukt verschwiegen zu haben. Der Schaden bei den Investoren beläuft sich auf rund eine Milliarde Dollar. Goldman Sachs und Tourre haben die Vorwürfe zurückgewiesen. (APA/Reuters)

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