Junge Frühaufsteher

4. Mai 2010, 19:13
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Okidoki, das Kinderprogramm auf ORF 1, startet um Punkt sechs!

Es ist ein alter Hut: Mit beachtlicher Konsequenz verräumt der ORF Filme und Serien, deren Anspruch einen durchschnittlichen Stadl übertreffen könnte, auf die hintersten Programmplätze. Der Zuseher soll sich seine Belohnung schließlich erst durch gesunde Ausdauer verdienen. Wie viel besser geht es da dem jungen Publikum (gemeint sind die ganz Kleinen; jede Ambition, ein ansprechendes Jugendprogramm zu machen, wurde ja bereits vor Jahren aufgegeben): Okidoki, das Kinderprogramm auf ORF 1, startet um Punkt sechs!

Früh aufzustehen ist schließlich eine Tugend. Da kann man auch gleich, während Tom und Jerry die Auswirkungen einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung kindgerecht vermitteln, den Eltern das Frühstück richten. Die müssen ohnehin von ihrem letzten Fernsehabend noch einiges an Schlaf nachholen und starten nun mit nichts lieber in den Tag als mit verbranntem Toast und einem lauwarmen Kakao mit Haut. Da ist man irgendwie zusammener.

Wohl oder übel landen die Kleinen dann vermutlich mit einer Mischung aus Übermüdung und Überdrehtheit in der Schule. Wenn diese nur bis Mittag dauert, gibt's im TV Brezina satt, Kinder mit Nachmittagsunterricht schauen dafür nicht in, sondern durch die Röhre. Noch vor drei schließt das Okidokiland seine Pforten. Sollen sie sich halt an den Collegeproblemen der obergscheiten Rory Gilmore gütlich tun oder bei Barbara Karlich lernen, wie das mit dem Schlussmachen jetzt wirklich funktioniert.

Wobei: Der schlaue TV-Junkie-Nachwuchs geht nun ohnedies schon schlafen. Morgen muss er wieder früh raus. Schließlich ist das die einzige Chance auf ein kunterbuntes Kinderprogramm. (Dorian Waller/DER STANDARD; Printausgabe, 5.5.2010)

  • Okidoki im ORF.
    foto: orf

    Okidoki im ORF.

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