Enzyme, Wettbewerbe, Millionen

4. Mai 2010, 18:34
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Die österreichische Biotech-Szene hält sich laut einer aktuellen Studie trotz Wirtschaftskrise wacker. Vor allem dank öffentlicher Gelder für Gründer und einiger Deals mit internationalen Pharmariesen

Peroxidasen sind Enzyme mit interessanten Eigenschaften. Sie sind Wächter des angeborenen Immunsystems, helfen bei der Bekämpfung von Eindringlingen, also von Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren. Sie insgesamt zu hemmen wäre fatal. Selektiven Hemmungen dieser Enzyme wird aber in besonderen Fällen eine therapeutische Wirkung nachgesagt - bei chronischen Entzündungen wie Asthma.

Die Wiener Forscher Martina Zederbauer und Andreas Kubin glauben, durch Inhalation dieser Blocker Erfolge erzielen zu können. Später wollen sie die gleiche Methode bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multipler Sklerose einsetzen. Bei der Zwischenprämierung des internationalen Life-Science-Wettbewerbs Best of Biotech gab es dafür einen Geldpreis von 1500 Euro - den auch zwei weitere Antragsteller erhalten haben: Die Wissenschafterin Marion Noe will eine neuartige Therapie entwickeln, mit der sich gynäkologische Infektionskrankheiten behandeln lassen, die durch Hefepilze wie Candida albicans ausgelöst werden. Sie siedeln sich an Schleimhäuten im Menschen an. Das Seltsame: Sie verursachen nur dann Beschwerden, wenn die Immunabwehr aus dem Gleichgewicht geraten ist, was bei Grundkrankheiten wie Diabetes oder Aids oder durch Medikamente der Fall sein kann.

Schließlich wurde auch noch der Däne Frank Sams-Dodd beim Wettbewerb ausgezeichnet, bei dem 39 Unternehmensideen aus zehn Ländern und drei Kontinenten eingereicht wurden. Er will neue Therapien für raschere Wundheilung entwickeln. Für seine Wirkstoffe sieht er auch Anwendungsmöglichkeiten bei der Behandlung von Krebs und Nervenkrankheiten. Alle drei Preisträger und weitere potenzielle Unternehmensgründer haben die Chance, in der zweiten Phase des vom Wirtschaftsministerium finanzierten Wettbewerbs, die bis 6. August dauert, ihre vollständigen Businesspläne einzureichen.

Natürlich soll nicht allein das Preisgeld locken, das in der nächsten Phase des Wettbewerbs deutlich höher ist und von Firmen wie Baxter, Boehringer Ingelheim und Affiris kommt (15.000 Euro für den Sieger): Die Teilnehmer erhalten in Gründerzentren Feedback zu ihren Geschäftsideen. Am Ende sollte ein Konzept stehen, das umsetzbar und kein Luftschloss ist. Was bisher so schlecht nicht geklappt haben dürfte. Laut dem Veranstalter, der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) gab es nach den vier Biotech-Wettbewerben bisher 41 Gründungen.

Der Boden für Biotech-Gründungen wird durch Förderprogramme aufbereitet. Auch das Wiener Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT) führt seit 2002 Ausschreibungen mit Fokus auf die Wiener Life-Sciences-Unternehmen durch. 2009 wurden 3,6 Millionen Euro dafür ausgeschüttet. Seit 2002 gibt es auch eine Ansprechstelle für Gründer, die Arbeitsgemeinschaft Life Science Austria Vienna Region vom ZIT und der Förderbank AWS.

Die österreichische Biotech-Szene hält sich laut einer aktuellen Studie des Consultingunternehmens Ernst & Young aber auch nach der Gründungsphase recht wacker, trotz Krise und obwohl die Akquise von Geldern für Forschung und Entwicklung hier zuletzt schwieriger wurde. Etablierte heimische Unternehmen haben es jedenfalls leichter. Ihnen gelingt eine gute Performance vor allem durch Lizenzdeals, wie sie die Biotech-Unternehmen Affiris und Apeiron zuletzt mit dem Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) mit insgesamt 666 Millionen Euro abschließen konnten.

Nun hat GSKauch eine Vereinbarung mit der in Wien ansässigen Polymun Scientific Immunbiologischen Forschung unterschrieben. Als Konsequenz des Apeiron-Deals: Hier wird nämlich das Protein hergestellt, das in dem vom renommierten Molukularbiologen Josef Penninger gegründeten Unternehmen Apeiron entwickelt wurde und Lungenversagen verhindern soll. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 5. 5. 2010)

  • Was in den Labors der heimischen Biotech-Unternehmen entwickelt wird, 
stößt in der internationalen Pharmabranche auf Interesse. Lizenzverträge
 wurden zuletzt mit GlaxoSmithKline abgeschlossen.
    foto: photodisc

    Was in den Labors der heimischen Biotech-Unternehmen entwickelt wird, stößt in der internationalen Pharmabranche auf Interesse. Lizenzverträge wurden zuletzt mit GlaxoSmithKline abgeschlossen.

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