Wien ist Drehscheibe für EU-Abschiebeflüge

04. Mai 2010 18:38
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    Foto: apa/herbert neubauer

    Der Obmann des Fußballvereins "FC Sans Papiers" Di-Tutu Bukasa während einer Kundgebung gegen die österreichische Abschiebe- und Asylpraxis am Dienstag in Wien

Mehr als ein Drittel der Abschiebe- flüge, die in Zusammenarbeit aller EU-Staaten durchgeführt werden, gehen vom Flughafen Wien aus

Wien - Die Charterabschiebung von über 20 Afrikanern - großteils nigerianischen Staatsbürgern, unter ihnen auch zwei Fußballer der Wiener "Sans papiers"-Mannschaft - am Dienstagabend ist nur einer von einer ganzen Reihe Rückkehrflügen, die die österreichischen Behörden in Zusammenarbeit mit der Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen, Frontex, durchführt. "Wien hat sich in den vergangenen Jahren zur EU-weiten Drehscheibe für solche Abschiebeflüge entwickelt", erläutert Karl Kopp; Europareferent der deutschen Flüchtlingshilfsorganisation pro asyl.

Neue Zahlen aus dem Innenministerium in Wien, die dem Standard vorliegen, belegen diese Aussage. Ihnen zufolge gingen von den 2009 schengenweit insgesamt 30 durchgeführten sogenannten Frontex-Kooperationsflügen elf von Wien aus. Die Ziele waren Nigeria, Gambia, Georgien, Armenien und der Kosovo. Zehn weitere Abschiebeflieger mit Destinationen in Afrika und den Balkanstaaten starteten 2009 in österreichischer Alleinverantwortung ab Wien.

Für die in österreichischer Verantwortung stehenden kollektiven Frontex-Kooperationsflüge, die Teil des konzertierten EU-Fremdenwesens sind, werden Abzuschiebende aus der gesamten EU zuerst nach Wien gebracht - am Dienstag zum Beispiel aus dem deutschen Düsseldorf. Am Flughafen Wien-Schwechat steigen sie in den Abschiebeflieger um - zusammen mit den Polizeibeamten aus dem jeweiligen Herkunftsstaat.

Laut dem deutschen Flüchtlingsexperten Kopp führt das "nicht zuletzt zu Problemen der rechtlichen Kooperation". Die Vorschriften im Umgang mit Abzuschiebenden seien "in den verschiedenen Mitgliedsstaaten immer noch recht unterschiedlich". Die EU-Rückführungsrichtlinie, die am 24. Dezember 2010 in Kraft treten wird, werde das ändern. Menschenrechtliche Verbesserungen wiederum erhofft Kopp von einer in Vorbereitung befindlichen "Frontex-Verordnung über Flugabschiebungen".

Protest am Flughafen

In Wien fand am Dienstag eine Demonstration gegen die Flugzeugabschiebung statt. Für den Abend kündigte die Gruppe "Sans papiers" eine Protestkundgebung am Flughafen an. Tagsüber übten Rechtsvertreter der Schubhäftlinge Kritik am harten Kurs der Fremdenpolizei. Kontakte zu den Mandanten würden verunmöglicht. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 5. Mai 2010)

Kommentar posten
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Briefmarkenkleber
30.06.2010 11:58
bschieben

Na solange die Leute ordentlich abgeschoben und nicht abgerempelt, abgestoßen oder abgeprügelt werden ist man als Dienstleister gut aufgestellt. Wieviel zahlt eine Scheinasylant eigentlich für dieses Service?

Rodion Romano_Owitsch
30.06.2010 14:40
eine andere währung

sie bezahlen mit ihren träumen von einem besseren leben - nach einer oft monatelangen odyssee von ihren herkunftsländern nach österreich, die niemand antreten würde, der in seinem land auch nur die geringste chance auf eben dieses hatt.

masterpiece
 
01.07.2010 16:09
ich liebe ja diese humangeschwängerte rhetorik... ;-)

liebes oesterreich
29.06.2010 18:51

Die Leute gehören nicht abgeschoben, sondern soll man studieren oder eine Lehre machen lassen. Wenn die Leute dann noch 10 Jahre hier arbeiten sollen sie gefälligst einen Daueraufenthalt bekommen - ich rede nicht gleich von der Staatsbürgerschaft. Die Arbeitsplätze kommen von alleine, das System funktioniert nicht so wie es die FPÖ BZÖ Halunken propagieren...In China sind die Mindestlöhne auch schon auf 300 Euro gestiegen - da ist es nicht mehr weit bis zum österreichischen Niveau von 700,- Euro für ungelernte...

liebes oesterreich
29.06.2010 18:46
Liebe Aboe

@ aboe

Österreich hat genug Grund und Boden um 8 einzelne Millionenstäde für zusätzliche Einwanderer in der grösse von Wien aus dem Boden zu stampfen. Und selbst Wien wäre immer noch ein schlechtes Beispiel, da hier sehr viele Freiräume, Parks und Wiesen vorhanden sind... Platz ist genug in Österreich vorhanden ... Und die Arbeitsplätze stellen sich von selber ein, da braucht man keine Politiker ! Die Leute brauchen nicht mal Deutsch sprechen, Englisch genügt, da entstehen auch Arbeitsplätze !

miraculix66
 
05.05.2010 16:25

solange mir niemand erklären kann, welche alternativen es zu abschiebungen gibt und ob wir alle hier lassen sollen, die kommen wollen, ist dieses ganze menschlichkeitsgedusel nur schrott und weit entfernt einer halbwegs realistischen sichtweise, so hart das auch klinegen mag..

Wildcat
30.06.2010 23:05
"schrott" sind menschen wie SIE

miraculix66
 
01.07.2010 11:53

haben sie auch lösungen oder nur schrott-antworten???

Papiertiger
06.05.2010 17:39
es geht um die art und weise, die durchführung

österreichs abschiebemethoden sind sehr zu hinterfragen. seien das menschenunwürdige haftbedingungen in schubhaftzellen, übergriffe der polizei, rechtswidrige methoden (heimreisezertifikate erlangung, unbegründete festnahmen, verweigerung des asylwerbers mit seiner rechtsberatung zu sprechen etc)

kerihuelo
06.05.2010 13:59

ob etwas realisierbar ist oder nicht hängt meistens nur vom willen der beteiligten ab.

die alternative ist, alle die hierherkommen wollen auch aufzunehmen. von mir aus mit verpflichtenden sprachschulungen und ähnlichem. aber zwangsabschiebungen sind wirklich menschenrechtsverletzend.

miraculix66
 
06.05.2010 15:31

sehen sie das nicht etwas zu optimistisch? wie soll ein land mit 8 mio einwohnern zusätzliche millionen aufnehmen? und die kommen sicher, wenn es sich herumspricht, das wir alle aufnehmen. grund und boden ist nicht wie ein kaugummi dehnbar , auch können nicht unbegrenzt wohnungen und arbeitsplätze geschaffen werden. es tut mir leid, aber in ihrem post sehe ich noch keine wirklich realistische alternative oder lösung ....

eze eze
 
29.06.2010 22:11

Es ist immer wieder interessant, zu beobachten, zu welchem Zeitpunkt diese Diskussion jeweils ihren Höhepunkt erreicht oder sie wieder neu entflammt - dass das offenbar bloß das hetzerische, durch diverse ParteipolitikerInnen, geschaffene Klima ist, liegt nahe, wenn man sich die nackten Zahlen anschaut: Die Anzahl der gestellten Asylanträge ist in den letzten Jahren stetig GESUNKEN! (Und das nicht nur in Österreich.)

LCD
05.05.2010 19:37

Na ja, eine gute Alternative wäre alle Rechtsradikalen abzuschieben. Die braucht in diesem Land wirklich Niemand. 20% der Bevölkerung, damit könnten wir mehr als eine Million Asylanten auf einmal aufnehmen, und die Wohnungen und Jobs der Rechten geben.

miraculix66
 
30.06.2010 08:14

und wieviel davon werden aktive beitragszahler?- eine million inkl. familiennachzug oder ohne? aber interessant das alles einmal kostenmässig durchzuspielen...

Wildcat
30.06.2010 23:06
kann ihnen egal sein, sie sind dann draussen

miraculix66
 
01.07.2010 11:48

sie bieten echte lösungsansätze -echt toll, nulllösungen finden sich übrigens bei abschiebegegnern häufig - lol

deadsoil
06.05.2010 13:41

das ist natürlich die typische reaktion. sofort ist man rechtsradikal, wenn man realistisch genug ist, nicht mit im chor der no border, kein staat, kein mensch ist illegal schreier mitzusingen.

kerihuelo
05.05.2010 13:52

Das wirklich traurige ist, dass die Mehrzahl der Österreicher (und damit auch der Standard Poster) diese Abschiebungen in Ordnung finden.

Meiner Einschätzung nach, würden auch noch schärfere Gesetze ebenfalls zu keinem Aufschrei führen.

Unseren Kindern können wir ja mal erzählen, dass wir ja von nichts gewusst haben!

Wildcat
30.06.2010 23:07
wir waren das erste abschiebeopfer

altar boy
08.05.2010 13:01
als österreicher hat man sich daran gewohnt

halte ich mich in den usa illegal auf oder in den meisten anderen staaten, werde ich genauso abgeschoben.

wieso sollte man dies dann nicht in ordnung finden?

ich darf ja nichtmal ins eu-nachbarland ungarn fahren, weil ich meinen vor mehr als 5jahren abgelaufenen reisepass bisher noch nicht verlängert habe.

Minute Man
05.05.2010 14:24

Nach solchen Geschichten wird eher der Ruf nach einer "Anwesenheitspflicht" für Asylwerber lauter.
Solche Standard-Kampagnen gehen eigentlich immer in die Hose, siehe Familie Zogaj.

Blanc de Blancs
05.05.2010 12:58
Endlich einmal gute Nachrichten aus der EU.

Hoinz
 
05.05.2010 12:45
Liegt vielleicht auch an den angebotenen Destinationen,

glaube nicht dass Abschiebungen mit Charterflügen durchgeführt werden...

little django
 
05.05.2010 13:12

die frontex "mieten" ein flugzeug. heißt vtml. in der luftfahrt wie bei den schiffen dann charten.
ist ja kein linienflug

Lenz P.
05.05.2010 11:39
Ich frage mich,

was da heute wieder für Leute unterwegs sind, die diese roten Stricherl verteilen. Hat Sie ihre Frau verlassen? Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Job? Oder warum lassen sie sonst Ihren Frust mit roten Stricherln an Beiträgen aus, die noch einen Rest an Menschlichkeit und Verständnis für Leute die sich in der Situation befinden abgeschoben zu werden besitzen?

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