STANDARD-Montagsgespräch

Rechte Politik als Frage des Marketings

4. Mai 2010, 17:59
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    foto: robert newald

    Montagsgespräch im Haus der Musik: Moderator Gerfried Sperl (links neben Trautl Brandstaller) sitzt Aug in Aug mit dem Publizisten Robert Misik. Rechts daneben die Vertreter des rechten Lagers, Dieter Böhmdorfer und, ganz rechts, Lothar Höbelt.

War das schlechte Abschneiden der freiheitlichen Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl ein Indikator für ein Schwächeln der FPÖ?

Wien - Man stelle sich einmal vor, die FPÖ hätte österreichweit mehr als 50 Prozent. Es gibt nicht viele, die beim Montagsgespräch des Standard im Haus der Musik diesem Gedankenexperiment von Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer gerne folgen würden. Und die, die es tun, beruhigt Böhmdorfer auf seine Weise: Selbst mit absoluter Mehrheit würde die FPÖ das Land nicht wirklich führen und tiefgreifend verändern können - zu stark wären die außerparlamentarischen Einflüsse roter und schwarzer Interessenvertretungen.

Es erscheint allerdings derzeit auch nicht sehr bedeutsam, dass man der Idee einer blauen Mehrheit nachgeht: Denn "Das rechte Lager nach der Wahl" - wie der Titel der Veranstaltung gelautet hatte - ist ein Lager mit Krisenerscheinungen: Bei der Bundespräsidentenwahl ist die freiheitliche Kandidatin Barbara Rosenkranz weit unter den gesteckten Zielen (und sogar zwei Prozentpunkte unter dem Nationalratswahlergebnis) geblieben. Bei anderen Wahlen der letzten Monate sind die Erfolge ebenfalls ausgeblieben. Man spricht schon von einem Richtungsstreit.

Diesen spricht zwar Moderator Gerfried Sperl an - die beiden geladenen Exponenten des rechten Lagers, Lothar Höbelt und eben Böhmdorfer, vermögen ihn aber nicht zu erkennen. Wobei Böhmdorfer von einer verpassten Chance spricht, bei der Präsidentschaftswahl "einen besonders attraktiven Kandidaten zu präsentieren, der sich zu den Themen der Weltpolitik äußern kann".

Worauf Sperl spöttisch lächelnd einwirft: "Sie beschreiben aber jetzt nicht den Herrn Strache?" Böhmdorfer kontert trocken: "Ich beschreibe den Kandidaten, den ich mir gewünscht hätte." Aber letztlich hätten alle Parteien die Chance verpasst, politische Inhalte aufs Tapet zu bringen."

War Rosenkranz also die falsche Kandidatin? Höbelt, der in ihrem Unterstützerkomitee war, relativiert: "Sie war eine gute Kandidatin für Niederösterreich und das Burgenland." Und die Ex-ORF-Journalistin Trautl Brandstaller, die in keinem Verdacht der Nähe zur FPÖ steht, hat beobachtet: "Diese Kandidatin war beim Disco-Volk, um das sich Strache bemüht, absolut jenseitig. Sie ist ein Modell aus einer untergegangenen Ära." Der für seine FPÖ-Kritik bekannte Publizist Robert Misik spottet gar: "Ich sehe mich nicht in der Lage, der FPÖ Tipps zu geben. Ich würde aber angesichts der Wahl sagen: Weiter so!"

Möglicherweise wäre die FPÖ ja schon auf der Verliererstraße - auch wenn die Präsidentschaftswahl ein wenig aussagekräftiges Zeichen sei. Aber Straches Agieren rund um die Präsidentschaftswahl und die wehleidige Reaktion auf die Kritik an Rosenkranz wären vielleicht ein Indiz: "Von einem Führer einer Radaupartei erwartet man nicht, dass er dann wie ein Sensibelchen im Fernsehstudio sitzt."

Höbelt räumt ein, dass Strache "die Marke für das junge Wiener Publikum" ist und dass die Person weit mehr Gewicht habe als die Inhalte: "Über ein kommunalpolitisches Programm erreicht man 20 Prozent der Wählerschaft. Aber bei der Wahl geht es um Macht."

"Daham oder Islam" sei aber schon auch eine inhaltliche Frage, wendet Brandstaller ein, doch Höbelt beharrt: "Das ist keine Frage der Inhalte, sondern eine des Marketings."

Die Wien-Wahl und die Burgenland-Wahl müssten für die FPÖ gut laufen, weil da die Latte durch die vorhergehenden Wahlen niedrig gelegt ist, meint Höbelt.

Aber das Jahr 2013 mit der nächsten Nationalratswahl könnte für den FPÖ-Chef Strache schwierig werden.

Böhmdorfer pflichtet bei: Jörg Haider könne man nicht ersetzen - außer ihm habe das rechte und bürgerliche Lager kaum charismatische Persönlichkeiten hervorgebracht.

Dennoch gebe es "eine Gruppe von Leuten in diesem Land, ich zähle mich dazu, die wollen nicht schwarz oder rot sein. Das ist die Frage: Darf man das noch in diesem Land?" Böhmdorfer ist tief pessimistisch, was den Proporz betrifft, seine Zeit als Minister habe ihn "ein bisschen verbittert" gemacht.

Misik hält diesen Ansatz dagegen für überholt: "Wir wissen doch heute: In Wien kann jeder Grüne Schuldirektor werden. Die Leute wählen längst nicht mehr Blau, weil sie gegen Rot und Schwarz sind, sondern weil sie sich als Verlierer fühlen und sich sagen: Auf mich hört ja keiner."

Diese Leute könnten durch die Sozialdemokratie erreicht werden, "wenn diese nicht so viele Fehler machen würde". Oder durch eine Linkspartei. Misik: "Natürlich hätte eine Linkspartei eine Chance, über zehn Prozent zu kommen. Ich kenne auch alle möglichen Akteure - aber keiner will sich das antun. Die Folge wären dann drei linke Parteien, die erst noch koalieren müssten. Und das ist auch nicht lustig, sondern mühsam."

Auch Brandstaller meint, dass derzeit viele Wähler nicht das richtige Angebot fänden - nicht nur bei der Präsidentschaftswahl. Für sie ist es "demokratiepolitisch sehr beruhigend, dass Frau Rosenkranz nur 15 Prozent erreicht hat". In ihrem Schlusswort geht sie noch einmal auf Höbelts These ein, dass politische Inhalte bei der FPÖ wenig zählten: Im Gegenteil schaffe diese ganz bewusst ein Klima des Rassismus - "und da kann man nicht einfach, wie Sie das tun, sagen: Das ist eh nur ein Marketing-Schmäh." (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 5.5.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
Kotzbrocken ganz in Blau!
00
Mehr als 50% dass wäre der Bürgerkrieg!

Ich weiß nicht warum man dauernd über Koffer hier schreiben muss?
Das ist doch gratis Werbung!
So interessant ist dieser HC Man ja gar nicht!

eggstef
 
01
Spannende Diskussion

War dabei, der Schlagabtausch zwischen Misik und Hoebelt war schon sehr interessant. Auch Boehmdorfers Rueckblick auf Schwarz-Blau war durchaus interessant.

Auf http://neuwal.com/index.php... ropaganda/ gibt's uebrigens einen ausfuehrlichen bericht zum Thema!

wappler
00
3 linke parteien?

ich seh eigentlich gar keine...

Armes Würschtl
00
Ich verstehe das so:

ALLE Parteien linken ihre Wähler, seinen sie noch so rechts.

BRG XII
37
Daham statt Islam als "Marketing"

Lieber Lothar, wir Lehrer des BRG XII, wo Du mit Auszeichnung maturiert hast, sind schwerst enttäuscht von Dir!

Menschenhatz a la Strache als Marketing zu verharmlosen... Wo hast Du das her?

Deine zutiefst betroffenen Professoren für Geschichtskunde Br@@@@@@@, Sz@@@ und Au@@

Christiane Amanpour
 
00
Liebe GeschichtslehrerInnen aus Wien XII.!

Vielen herzlichen Dank für Ihr mutiges Posting. Sie haben damit etwas ganz Wichtiges gemacht, denn Sie haben die wirklich stattgefundene Schulerziehung und -bildung eines Rechten problematisiert. LH ist ein maßgebender Rechter, ein Stratege & - ja, man muss das so sagen - ein rechter Intellektueller.

Wie können Sie sich erklären, dass der so geworden ist? Gab es damals schon Anzeichen für diese ultrarechte Gesinnung, vielleicht für eine menschenverachtende Einstellung? Wie war Euer Geschichtsunterricht, wurde die Machtergreifung der NSDAP, der 2. WK, der Holocaust behandelt?

Ich hoffe, dass Sie diesen mutigen Weg weitergehen & einen exemplarischen Artikel über diesen Fall schreiben. Trotz Schulerziehung so rechts: Das ist sehr ernst!

Kotzbrocken ganz in Blau!
00
Es gibt keien rechten Intellektuellen!

politisch verfolgt
23
"wir waren so betroffen

so gut ham wir uns scho lang nimmer gfühlt."
(c) sigi zimmerschied

Lord Lurch
21
Es kann in Österreich keine Linkspartei geben

und wenn, wäre sie nicht erfolgreich. Das hat nichts mit einer solchen Ideen an sich zu tun, sondern mit der Linken hierzulande. Die ist seit dem Krieg eine Mengelage aus sich einander die wahre reine Lehre absprechenden Sekten. Immer harmlos (was Gewalt betrifft), aber immer nervig. Und immer inkompetent. Außer in Wort und Schrift von der Revolution zu schwafeln oder andere Organisationen zu unterwandern, haben die nie was zustande gebracht.

1116er
01
blau wählen....weil sie sich als Verlierer fühlen und sich sagen: Auf mich hört ja keiner."

wenn das so sein sollte:
was kann man gegen gefühle machen?
besonders gegen gefühle, die -objektiv betrachtet- bei vielen gefühlten verlierern ein falsches bild des lebens wiedergeben?

Armes Würschtl
01
blau wählen... weil sie sich als Verlierer fühlen

Tjach... DAS ist das Klientel der FPÖ/BZÖ und Derivate.

Ob Strache auf DAS stolz ist? Sozusagen die Partei der Verlierer?

fräulein potmesil
00
12.5.2010, 12:20
Wir alle sind Verlierer

und trotzdem hat die fpö keine mehrheit

politisch verfolgt
00
ws soll an dieser wählerschicht schlimm sein?

genau aus diesem reservoir schöpfen seit fast 100 jahren auch sozalisten, sozialdemokraten und kommunisten.
für die elite, ob finanziell, intellektuell oder auch nur eingebildet gibts ja die grünen.

Quasselmodo
13
Der Wahlkrampf Rosenkranz

hat nicht wirklich funktioniert, was weiter nicht verwunderlich ist. Einen braunen Furz loszulassen und sich über den Gestank beschweren ist kein großer Wurf.
Der heisere Marktschreier wird sicher für den Wiener Wahlkampf auf die altbewährten Mittel (Neid schüren und auf die sozial Schwächsten hinhacken) zurückgreifen, da fürchte ich, dass das Ergebnis wieder ziemlich grausbirnenartig wird.

estragon001
57
Wenn dieses Faschistenpack wieder an die "Macht" kommen sollte, und sei es auch wieder durch einen Taschenspieler-Trick, wie ihn Adolph gebraucht hatte, dann gibt's hier Bürgerkrieg !

Und ich sag's schon mal vorab, da bin ich dann gut mit dabei !
Keine Nachsicht mit Nazis !
Nazis RAUS !

Die glattpolierte Fresse von dem Ober-Heini kann niemand täuschen, der nicht getäuscht werden will....

Leser der Zeitung für politische Randgruppen
01
Du bist aber ein besonderer Kriegsheld!

Ob man auf dich mal stolz sein kann, bezweifle ich jetzt schon

estragon001
00
Weil'st so ein schöner DEpp bist, hast dir auch ein GRÜNES stricherl verdient !!! :-))))))

Ich lach mich wech...

xEurocent
111

Den Böhmdorfer kann ich sowieso nicht mehr sehen. Wenn ich mir nur vorstelle wieviel Leid und Schaden er mit der Abschaffung des Jugendgerichtshofs über die österreichische Bevölkerung gebracht hat, wird mir schlecht.

korruptes österreich
10

ein jurist sagte einmal zu mir, dass der böhmdorfer, die gesetze unbrauchbar gemacht hat....


Section Control
31
Na geh

laut Grüne war er der zweitbeste Justizminister der Republick nach Broda..

weinrot
10

gibts zufällig irgendein video oder so?

Ein Troll
12
Sicher nicht,

man darf die mögliche Machtübernahme der FPÖ, mit anschließendem WW3 nicht bagatellisieren!

GM88
04
leider ist politik nur mehr MARKETING, ganz gleich welche Farbe od Gesinnung

wo sind die gestanden Persönlichkeiten hin verschwunden?
Wenn es nach dem Motto geht jedes Land hat die Politiker die es verdient,dann Gute nacht Österreich mit dem aktuellen Material.
Faymann,na servas...
Pröll ,die Kennedys vom Bauernhof...
Strache, die Witzfigur schlechthin...
Grün war nur VDB ok aber jetzt ??

xEurocent
011

Und was hab ich von Persönlichkeiten? Wenn ich eine Person wählen möchte, votiere ich bei Starmania mit.

Das entscheidende ist doch wohl das Programm der Parteien. Und wenn ich mir die Programme der österreichischen Parteien vergleiche, dann steht für mich fest, dass ich nur die Grünen wählen kann, auch wenn mir auch dort nicht alles gefällt. Aber da ist mir doch egal ob ein van der Bellen oder eine Glawischnig oder ein Teletubbie Vorsitzender ist.

Entscheidend ist, dass das Programm umgesetzt wird. Dafür wähle ich die Partei. Inhalte, nicht Personen.

120 Jahre Karl Schranz
01
ganz so einfach würde ich es mir nicht machen

die stärksten politiker sind immer die gewesen, bei denen man das gefühl hatte sie würden mit ihrer persönlichkeit für ihr programm einstehen. als würde dieses durch sie verkörpert. ein bruno kreisky, willy brandt, aber auch ein helmut kohl, bei dem man teilweise das gefühl hatte er hätte persönlich die grenzen europas niedergewalzt. natürlich geht es in erster linie um programme. abe in einer repräsentativen demokratie möchte ich auch gerne das gefühl haben, durch menschen repräsentiert zu werden denen ich zumindest ein gewisses grundvertrauen entgegen bringe.

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