Mit dem Internet gegen Japans Schuldenkrise

4. Mai 2010, 17:45
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Der Währungsfonds zeigt sich von Nippons Lage alarmiert und fordert seinerseits einen glaubwürdigen Sparplan

Die Schuldenkrise Griechenlands macht Japan Angst vor dem eigenen Staatsbankrott. Auf rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) belaufen sich inzwischen die Schulden des Landes, und das Staatsdefizit ist mit gut neun Prozent ebenso wenig aufrechtzuerhalten wie das griechische. In der Haushaltssanierung benötige Japan daher eine "sehr feste Haltung", kündet Finanzminister Naoto Kan seinen Bürgern Unannehmlichkeiten an.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) doppelte am Dienstag nach. Japan benötige einen glaubwürdigen Sparplan, andernfalls drohten dem Land Schwierigkeiten, frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen, sagte Naoyuki Shinohara, stellvertretender Direktor beim IWF, der Nachrichtenagentur Reuters.

In einem ersten Schritt hat die neue Regierung der Demokraten mit live im Internet übertragenen Tribunalen vorige Woche zum zweiten Mal versucht, das berüchtigte Dickicht der Schattenhaushalte auszudünnen, versteckten Filz aufdecken und amtliche Verschwendung einzudämmen. Ministerpräsident Yukio Hatoyama machte im Vorfeld seinen Inquisitoren Dampf: "Die Öffentlichkeit hat hohe Erwartungen für unsere Haushaltsüberprüfung."

Hatoyama will Ergebnisse sehen, um den rapiden Verfall seiner Popularität zu stoppen. Erschüttert durch Parteispendenskandale und seine unentschlossene Führung ist die Zustimmung zu seinem Kabinett seit dem Amtsantritt im September 2009 in Meinungsumfragen von über 60 auf unter 30 Prozent gefallen. Seine demokratische Partei befürchtet eine Schlappe bei den Oberhauswahlen im Juli und munkelt schon über Hatoyamas Sturz.

Sparen durch Hinterfragen

Gut ein Dutzend Kameras und über 100 Zuschauer waren bei so einer Aktion in der Vorwoche zur Stelle. Ungezählte Bürger waren darüber hinaus per Liveübertragung im Internet mit dabei.

Im Mittelpunkt steht die heimliche Heldin der Veranstaltung, Renho Murata, ehemalige TV-Ansagerin und seit 2004 Oberhausabgeordnete der Demokraten. "Renho macht ein genervtes Gesicht", "Renho sieht verärgert aus", kommentieren die Bürger die spitzen Fragen der 42-Jährigen. Dabei ist unklar, ob sie das als Kompliment für die Politikerin meinen, die sich voriges Jahr landesweit den Ruf des Bürokratenschrecks verdient hat.

Renho, wie sie sich selbst nennt, hatte bei der Überprüfung eines kostspieligen Supercomputerprojekts den Mut besessen, zu fragen, was denn daran so schlimm sei, wenn Japan in diesem Bereich nur die Nummer zwei sei. Der rechte ehemalige Wirtschaftsminister Takeo Hiranuma warf ihr daraufhin offen mit Blick auf ihre halbtaiwanische Abstammung vor, dass sie nicht richtig japanisch sei. Aber das Projekt wurde revidiert, Geld gespart und eine innovative Lösung gefunden, die im Endeffekt mehr Unternehmen Zugang zu Supercomputern ermöglicht.  (DER STANDARD, Printausgabe, 5.5.2010)

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    Kraftakt: Die Japaner müssen ihre Schulden loswerden.

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