Bionik

Wie man Wasser an Schiffsrümpfe "tackert"

9. Mai 2010, 16:29
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    foto: nees-institut, universität bonn

    Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Wassertropfens auf einem Schwimmfarn-Blatt (koloriert). Die schneebesenartigen Härchen sind gut zu erkennen, ebenso wie der hydrophile Bereich an ihrer Spitze, mit dem sie den Tropfen festhalten.

Schwimmfarn als Vorbild: Verringerter Reibungswiderstand würde große Mengen an Treibstoff einsparen

Bonn - Bioniker suchen stets nach "Erfindungen" der Natur, die sich auf die Lösung technischer Probleme anwenden lassen. Die Placoidschuppen der Haifischhaut sind ein klassisches Beispiel dafür, wie sich der Reibungswiderstand eines schwimmenden Körpers reduzieren lässt. Aber auch Pflanzen sind dazu in der Lage: Forscher der Universitäten Bonn, Karlsruhe und Rostock haben untersucht, wie sich der Schwimmfarn Salvinia molesta in ein langlebiges Luftkleid hüllt und somit im Wasser einer geringeren Reibung ausgesetzt ist.

Superhydrophob

Schwimmfarne stammen ursprünglich aus den südamerikanischen Tropen und erlebten durch menschliche Mithilfe eine nahezu weltweite Verbreitung. Taucht man den normalerweise an der Oberfläche ruhiger Gewässer treibenden Schwimmfarn ins Wasser und zieht ihn danach wieder heraus, perlt die Flüssigkeit sofort von ihm ab. Danach ist er wieder komplett trocken. Oder richtiger: Er war nie wirklich nass. Denn unter Wasser hüllt sich der Farn in ein hauchdünnes Kleid aus Luft. Diese Schicht verhindert, dass die Pflanze mit Flüssigkeit in Kontakt kommt - selbst bei einem wochenlangen Tauchgang.

Der Trick gelingt dem Farn dadurch, dass auf der Oberfläche seiner Blätter winzigkleine schneebesenartige Härchen sitzen, die das Wasser auf Distanz halten. Das ist aber nur eine Seite der Medaille: "Wir haben zeigen können, dass die äußersten Spitzen dieser Schneebesen hydrophil sind, also wasserliebend", erklärt Wilhelm Barthlott von der Uni Bonn. "Sie tauchen in die umgebende Flüssigkeit ein und 'tackern' das Wasser gewissermaßen in regelmäßigen Abständen auf der Pflanze fest. Die darunter sitzende Luftschicht kann daher nicht so leicht entweichen."

Treibstoffsparen

Materialforscher nennen ein solches Verhalten "superhydrophob". Diese Eigenschaft ist für viele Anwendungen von Interesse - etwa für schnell trocknende Bademode oder auch für Sprit sparende Schiffe. Bei den riesigen Containerschiffen etwa geht mehr als die Hälfte der Antriebsenergie durch Reibung des Wassers am Rumpf verloren. "Oberflächen nach dem Vorbild des Schwimmfarns könnten den Schiffbau revolutionieren", sagte Alfred Leder von der Universität Rostock. Weil Schiffe riesige Spritschlucker seien, könnte durch neuartige, reibungsärmere Schiffrümpfe "wahrscheinlich ein Prozent des weltweiten Gesamtverbrauchs an Treibstoff" eingespart werden, prognostiziert Barthlott.

Es ist inzwischen möglich, superhydrophobe Oberflächen nach dem Vorbild der Natur zu konstruieren. Diese "Nachbauten" haben aber einen Nachteil: Die Luftschicht, die sich auf ihnen bildet, ist zu instabil. In bewegtem Wasser verschwindet sie spätestens nach einigen Stunden. Durch die neuen Erkenntnisse über den "Salvinia-Effekt" soll es nun jedoch gelingen, langlebige Luftkleider zu erzeugen. (red/APA)

Kommentar posten
20 Postings
Franz Josef Lolinger
01
Schnell trocknende Farne

Das ist das aus für alle Wet T-Shirt Contests

eleon
00
12.5.2010, 09:21

das will ich für meinen neo. dann schwimm ich beim eiermann endlich unter 40min...

theBORG
00
10.5.2010, 15:41
... schnell trocknende Bademode

Schatzi, ich hab da ein paar Schwimmfarne für dich!

gez69
 
00
10.5.2010, 13:26

Im Prinzip eine Luftschmierung wie beim Futura Carrier aber da in die Hülle integriert auf der ganzen Hülle wirksam. Nachteil ist zB der verlängerte Bremsweg, der bei großen Tankern schnell einmal ein paar Kilometer beträgt.

ravenna
00
10.5.2010, 12:06
REM-Bild von Wassertropfen

Wie kann man ein REM-Bild von einem Wassertropfen machen?

Oder ist das Foto nicht nur koloriert, sondern wurde auch der Tropfen nachträglich reingephotoshopt?

johnnycash
 
00
10.5.2010, 16:33
Keine Ahnung,

aber im Paper steht "Low-temperature SEM of a frozen leaf with applied droplet of a
water–glycerol solution".

karl chattanuga
00
10.5.2010, 16:30
Nein, der Tropfen ist echt...

http://de.wikipedia.org/wiki/ESEM

karl chattanuga
00
10.5.2010, 16:38
Hab das Paper nicht gelesen...

Das war für mich nur die naheliegenste Möglichkeit. Wenn da, wie johnnycash meint, nichts von environmental SEM steht, fällt mir auf die schnelle auch keine Erklärung ein.

ravenna
00
10.5.2010, 17:06

Meine REM-Zeiten sind zwar schon ein paar Jährchen her, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Wassertropfen einen REM-Strahl aushält. Auch wenn's ESEM sein mag.

johnnycash
 
00
10.5.2010, 16:54

Unter Experimental steht: "For examination of the contact zone fresh leaves with drops of a water-glycerol solution were frozen and observed using low-temperature SEM."

Roter Baron
00
10.5.2010, 11:55
wow 1% ersparnis

da können die öltanker dann
anstatt vom golf nach norwegen zu verarbeitung
und zurück
eine extra-runde um den globus drehen
(gilt im übrigen auch für die industrielle fischerei)

das nenn ich konzept !


roter baron

Voronwe
00
10.5.2010, 20:17
Es sind ja nicht nur Öltanker

sondern auch Containerschiffe, die so ziemlich alles transportieren, angefangen von Holz über Kaffee nach Autos. Dass die eingesparte Menge bei "nur" 1% liegt kommt daher, dass gerade die riesigen Containerschiffe im Vergleich mit zB Lkws in Relation zu ihrer Nutzlast schon ziemlich spritsparend unterwegs sind, und dass natürlich der Großteil der weltweit vertilgten Treibstoffe auf Kosten des Straßen- und Flugverkehrs sowie auf Antriebsaggregate und Stromerzeugung geht...

Wasmichstört
10
10.5.2010, 11:17
"Schwimmfarnschiffe"...

...habe mein Patent schon angemeldet! - Weitere Versuche zwecklos! - Die Krise kann mich mal...

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
00
11.5.2010, 16:36
hab soeben

ihren nick zum patent angemeldet. abmahnung (1500€) folgt...

Mr. FunkyFresh
01
10.5.2010, 10:41
Segelschiff und Windsurfer

Das währ sehr interessant wie sich das auf Segelschiffe und Windsurfer auswirkt.

Denn, wenn da wirklich eine "luftschicht" zwischen Rumpf und Wasser ist. Dann stell ich mir vor, das wenn ein hoher Lateraldruck entsteht das sich um das Ruder/ die Finne sofot eine große Luftblase bildet und damit hat man gleich ein Wave- Spinout.

Kann mir das jemand bestätigen, bzw. wiederlegen?
Währe nämlich sehr interessant!

tempa
00
10.5.2010, 14:31

Die österreichische Schiffsbautechnische Versuchsanstalt kann vielleicht ihre Frage beantworten.

Einige Namen werden hier genannt:
http://www.weltbildung.com/superkavitation.htm

gianni speranza
00
10.5.2010, 10:22

bitte nicht "tackern". -> Klammern, heften.

Ava Tar
12
10.5.2010, 01:31

Was spricht dagegen, den Schiffen einen Strickpullover aus Schwimmfarn anzuziehen und ab geht die Post wie ein Wasserschi ?

Stefan Weilhartner
 
00
10.5.2010, 00:07
Warum nicht gezielt Wirbel

die dann wie die Kugel bzw. Walze eines Kugellagers zwischen Außen und Innenring liegen. Bzw. wie Baumstämme unter einem riesigen Steinblock, um diesen ziehen zu können.

beinstein
00
10.5.2010, 14:56
WEIL..

ein wirbel eben ein kennzeichen für energieverschwendung durch erhöhte reibung mit dem umgebenden medium ist - siehe luftfahrt, wo man zb. durch winglets erfolgreich luftwirbel vermeidet.
Kugellager, baumstämme etc. setzen die reibung herab, da sie nicht (od. minimalst) mit dem umgebenden medium interagieren.

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