Mozart macht nicht klüger

4. Mai 2010, 16:11
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Klassischer Irrtum - Von Andrea Schurian

Schade irgendwie, das mit dem Mozart-Effekt, oder besser gesagt, mit dem Nicht-Mozart-Effekt. Wie intensiv haben wir in den Schwangerschaften doch die Nachwüchse in unseren Bäuchen mit klassischer Musik beschallt, hauptsächlich von Wolfgang Amadeus; also von Wunderkind zu Wunderkind.

Wir waren, ja, echt guter Hoffnung, weil US-Forscher uns darin bestärkt haben, dass das Hören klassischer Musik intelligenzfördernd sei. Wir brachten ausgesprochen kluge Kinder zur Welt. Die wir dann, natürlich mit der Kleinen Nachtmusik, in den Schlaf geschaukelt haben. Ach, wie klug sie schon waren, ehe sie auch nur das erste Wörtchen mitzureden hatten. Klassisch. Leider nahmen sich unsere Landeshäuptlinge kein Beispiel am Gouverneur von Georgia, der 1998 jeder Baby-Mama eine Klassik-CD schenkte. Ja, und jetzt das.

Drei Forscher vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung an der Universität Wien haben nun den Mozart-Effekt endgültig als Mythos entlarvt. Dazu haben sie mehr als 3000 Testpersonen klassische Musik vorgespielt. Und womit?

Mit null Auswirkungen auf deren Raumvorstellungsvermögen. Null Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Aus der Klassiktraum. Das schmerzt. Aber genial sind unsere Kinder trotzdem. Auf alle Fälle. Mit und ohne Klassik. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 05.05.2010)

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