Kunsthändler haften nicht für Fälschungen

4. Mai 2010, 18:39
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Ein Kunsthändler muss Kunden nach Abschluss des Kaufvertrags nicht über jeden Fälschungsverdacht informieren, um den Vorwurf der Arglist zu vermeiden, sagt der OGH

Im Kunsthandel steht seit jeher das Vertrauensverhältnis zwischen Verkäufer und Käufer im Vordergrund. Nicht nur die Seriosität des Händlers, auch dessen Fachwissen sind für viele kaufentscheidend, zumal gerade Händler häufig über Informationen verfügen, die dem Kaufinteressenten gar nicht bekannt sein können. Aber muss der Verkäufer tatsächlich alle Informationen über ein Kaufobjekt an den Käufer weitergeben? Und wenn ja, wirkt diese Informationspflicht über den Abschluss des Kaufvertrags hinaus?

Mit dieser Frage beschäftigte sich vor kurzem der Oberste Gerichtshof (9 Ob 13/09s vom 16. 11. 2009): Ein Kunsthändler erwarb aus einer seriösen Quelle mehrere Werke des österreichischen Malers Oskar Laske, darunter auch jenes Bild, das er später an die Klägerin weiterverkaufte. Zweifel über die Echtheit der Bilder oder die Seriosität der Quelle bestanden zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Klägerin erwarb also im Vertrauen auf die Fachkenntnis des Händlers einen "echten Laske".

Als später der Verdacht auftauchte, dass möglicherweise nicht alle Werke aus dieser Quelle Originale seien, ließ sich der Händler die Echtheit der Ware vom ursprünglichen Eigentümer nochmals bestätigen. Jahre später erfuhr auch die Klägerin von dem Verdacht und holte selbst eine Expertise ein, die den Fälschungsverdacht bestätigte. Der beklagte Händler tat dies als "Privatmeinung" ab und bestätigte neuerlich die Echtheit des von ihm verkauften Laskes. Er bot der Klägerin aber auch die Rücknahme des Bildes gegen Ausstellung einer Gutschrift an, was diese ablehnte. In der Folge klagte die Klägerin auf Rückzahlung des Kaufpreises und machte Irrtum, Gewährleistung und Arglist geltend.

Die Klage blieb letztlich ohne Erfolg, und zwar ohne dass im Verfahren geklärt wurde, ob überhaupt eine Fälschung vorlag. Das Klagebegehren war nämlich - selbst wenn das Bild nicht echt gewesen wäre - schon aus folgenden Gründen nicht berechtigt:

Allfällige Irrtums- und Gewährleistungsansprüche waren bei Klagseinbringung bereits verjährt, und arglistiges Verhalten war dem Händler nicht vorzuwerfen. Nach Ansicht des OGH besteht aber auch keine allgemeine nachvertragliche Aufklärungspflicht des Händlers, deren Missachtung den Einwand der Verjährung als treuwidrig erscheinen lasse.

Mit der Entscheidung trifft der OGH einige auch rechtlich wichtige Punkte des Kunsthandels:

  • "Der Fetisch des großen Namens" : Kunstwerke werden häufig nicht ihrer selbst willen gekauft, sondern aufgrund ihres Namens. Das Werk selbst wird zur Nebensache.
  • Im Kunsthandel ist jeder Kauf ein Risiko: Nur wer tatsächlich vom Künstler kauft, erwirbt ein 100-prozentiges Original.
  • Expertisen vor Abschluss des Kaufvertrags sind selten und für den Laien oft nicht verständlich abgefasst. Kein redlicher Händler wird sich gegen die Einholung einer Expertise aussprechen. Die Kosten eines Gutachtens rechnen sich spätestens bei der Vermeidung von hohen Verfahrenskosten in einem Rechtsstreit.
  • Gerade im vertrauensintensiven Kunsthandel treffen den Händler umfassende vor- und nachvertragliche Aufklärungspflichten. Diese können aber nicht beliebig weit ausdehnt werden; es muss auch Raum für den Rechtsschutz des Kunsthändlers geben. (Gabriele Härth, DER STANDARD, Printausabe, 5.5.2010)

Zur Person

MMag. Gabriele Härth ist Rechtsanwaltsanwärterin bei Dorda Brugger Jordis Rechtsanwälte.

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