„Nehmen S´ein Pflaster, falls was passiert"

4. Mai 2010, 15:21
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"Schwerpunktaktionen" gegen RadfahrerInnen auf Gehwegen gibt es heuer in Brigittenau

„Na, jetzt hamma ja doch einen erwischt." Der Polizist ist zufrieden. Viel Beute gibt es nicht, bei der „Schwerpunktaktion gegen Radfahrer am Gehtsteig" am Brigittaplatz. „Das liegt am Wetter", meint Initiatorin Silvia Peichl vom Bezirksbürgerdienst Brigittenau. „Die haben uns gesehen und sind umgedreht", weiß Abteilungsinspektor Leopold Strümpf.

"Unrechtsbewusstsein" wird überprüft

An vier Frühlings-Vormittagen stehen heuer je zwei Polizisten und zwei Angestellte des Bürgerdienstes auf der Straße, um Gehsteig-RadlerInnen abzumahnen. Ein streng strukturierter Ritus wurde eigens dafür entwickelt: Aufgegriffene RadlerInnen werden erst vom Polizisten ermahnt. Dann folgt die Frage nach der Reue. Wird sie bejaht, bleibt das Vergehen ungestraft. „Wenn das Unrechtsbewusstsein fehlt", dann setze es ein Strafmandat, erklärt der Polizist.

Nächster Schritt im Protokoll: JedeR Abgemahnte kriegt eine Gesetzes-Broschüre und einen Radwege-Stadtplan in die Hand gedrückt. Als Draufgabe gibt es „ein Pflaster, falls einmal was passiert". Am Ende wird noch ein Gelöbnis abgenommen: „Werden Sie das in Zukunft nicht mehr tun?" Wer auch diese Frage richtig beantwortet, darf endlich weiterfahren.

"Ältere fürchten sich"

Warum das Großaufgebot, wo auch ein Verkehrspolizist reichen würde? Man wolle die RadlerInnen „zur Einsicht bewegen", so Peichl. Beschwerden über RadlerInnen hätten sich gehäuft. Meistens handle es sich um „junge Menschen bis 40", die zwar die Rechtslage kennen, „aber trotzdem auf dem Gehsteig fahren." Darunter leiden würden „ältere Menschen, die sich fürchten, wenn die Radfahrer ganz leise von hinten kommen".

Sorgen einer Radlerin

„Kümmern Sie sich doch auch um die Fußgänger auf den Radwegen", bittet eine ältere Passantin. „Was glauben Sie, was ich mir anhören kann, wenn ich die beim Überholen anklingle? Da muss ich gleich meinen ganzen Wortschatz überdenken", sagt die Frau. 

Ein Einzelfall, meint Peichl: Über FußgängerInnen auf Radwegen habe es bislang „keine Beschwerden" gegeben, sagt die Bürgerdienerin. "Ich persönlich glaube auch nicht, dass das ein arges Problem ist." Gruppeninspektor Michael Chum hält die Idee, auch GeherInnen auf Radwegen abzumahnen, für "schon interessant. Aber dann hätten wir für Wohnungseinbrüche gar keine Zeit mehr."

"Das ist wie beim Gackerl-Sackerl"

Hotspot des Fußgänger-Ärgers sei übrigens der Treppelweg am Donaukanal. Ob es daran liege, dass sich gehende und fahrende VerkehrsteilnehmerInnen hier einen Weg teilen müssen? Nein, glaubt Peichl. Denn die Wege seien zweigeteilt und die Radstreifen zudem „sehr gut markiert".  Am verwirrenden Markierungen liege es also nicht. "Es ist den Radfahrern einfach wurscht." Dass die Schwerpunkt-Aktion dennoch wirkt, ist ihr Trost: „Das ist wie beim Gackerl-Sackerl. Irgendwann sickert es durch." (mas, derStandard.at, 4.5.2010)

 

 

Nächste Termine der "Schwerpunkt-Aktion"

6. Mai 2010, ab 10.00 Uhr, linksufriger Treppelweg entlang des
Donaukanals zwischen Gürtelbrücke und Bezirksgrenze zum
2. Bezirk

11. Mai 2010, ab 10.00 Uhr, Hellwagstraße im Bereich
Dresdner Straße

  • "Sie wissen aber schon, dass das verboten ist?" - Schwerpunktaktion auf dem Brigittaplatz
    foto: derstandard.at/mas

    "Sie wissen aber schon, dass das verboten ist?" - Schwerpunktaktion auf dem Brigittaplatz

  • Nebenan, am Treppelweg: Die Radstreifen seien "sehr gut markiert", heißt es in der Bezirksvorstehung
    foto: derstandard.at/mas

    Nebenan, am Treppelweg: Die Radstreifen seien "sehr gut markiert", heißt es in der Bezirksvorstehung

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