Wie war das mit dem Muttertag?

9. Mai 2010, 07:00
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Vor 100 Jahren ist er in England entstanden, durchgesetzt hat er sich in Amerika

Frankfurt/Main - Eine uralte Tradition in England, am dritten Sonntag vor Oster (Laetere) die Mutter zu besuchen und zu beschenken ist 100 Jahre alt. Heinrich III. von England rief im 13. Jahrhundert diesen "Mothering Day" ursprünglich aus, um der "Mutter Kirche" zu danken. Das Volk deutete den Tag allerdings um und machte es zur Tradition, dass die erwachsenen Kinder an diesem Tag ihre Mutter besuchten und mit einem Simmel Cake (Semmelbrösel-Kuchen) ehrten.

Der Mittfastensonntag Laetare war auch in Thüringen allgemeiner Besuchstag mit großzügiger Bewirtung von Verwandten. Ähnliche Traditionen sind aus der Champagne und aus Wallonien bekannt.

Von den USA in das NS-Europa

Erst die Amerikanerin Ann Jarvis und ihre Tochter Anna schufen die Voraussetzungen, den Muttertag international durchzusetzen. 1907 wurde der zweite Sonntag im Mai in West Virginia und Philadelphia als allgemeiner Ehrentag für alle Mütter gefeiert. 1908 beteiligten sich bereits 45 US-Staaten. 1912 erhob ihn die Methodistische Kirche zum kirchlichen Feiertag, und 1914 erklärte der US-Kongress den Muttertag zum Staatsfeiertag.

In Deutschland setzte sich seit den 1920er Jahren der Blumenhandel für die Feier eines Muttertages ein, die Nationalsozialisten machten 1933 den zweiten Mai-Sonntag zum offiziellen Festtag. "Schon vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sind in Deutschland deutlich nationalistische Züge im Muttertags-Schrifttum auszumachen", schreibt der Brockhaus. Mit der Idealisierung der Mutterschaft als dem "natürlichen" Beruf der Frau wollten sie der Berufstätigkeit von Frauen und Emanzipationsbestrebungen entgegentreten. (APA)

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