Mankell-Verfilmung "Der Chinese" im Waldviertel

4. Mai 2010, 13:14
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Pürbach bei Gmünd als Drehort für 19-fachen Mord

Gmünd - Das Waldviertel zeigt sich dieser Tage von seiner schwedischen Seite. Anlässlich der Dreharbeiten zur Verfilmung des Henning Mankell-Romans "Der Chinese" wurde in Pürbach bei Gmünd ein kleines schwedisches Dorf errichtet, das Schauplatz eines 19-fachen Mordes wird. Der Krimi mit politischer Schlagseite beginnt mit dieser Schreckenstat, die die Richterin Brigitta Roslin, dargestellt von Suzanne von Borsody, mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Regie führt Peter Keglevic.

Neben von Borsody stehen auch Claudia Michelsen, Franziska Weisz und Katja Weitzenböck für die zweiteilige TV-Adaption in Niederösterreich vor der Kamera. Die Stimmung am Set kann als zwiespältig bezeichnet werden. Einerseits herrscht aufgrund der sehr drastischen Morddarstellungen eine beklemmende Atmosphäre, andererseits scheint die Zusammenarbeit zwischen den Schauspielern sehr freundschaftlich abzulaufen. Dies bestätigte auch Weisz gestern, Montag, bei einem Set-Besuch im Gespräch mit der APA: "So grauslich der Film dann sein wird, so lustig haben wir es am Set, wenn die Kamera ausgeschaltet ist."

Von Borsody muss in ihrer Rolle den Tod ihrer Eltern hinnehmen, die ebenfalls Opfer des Massakers wurden. Daraufhin beginnt für sie ein gefährlicher Weg in die Vergangenheit ihrer Familie. Im Interview erklärte von Borsody, dass man den Roman bis zu einem gewissen Grad vergessen muss, um dessen Essenz herauszufiltern. Vorbereitet habe sie sich wie sonst auch mit "detektivisch, psychologischer Vorarbeit, um der Rolle und ihrem Motor auf die Spur zu kommen".

Regisseur Keglevic wies im Interview auf die Bedeutung einer glaubwürdigen Umgebung hin: "Ein Nachdreh muss immer authentischer sein als das Original." Das Szenenbild stammt von Christoph Kanter, der auch für die Kulissen bei Michael Hanekes mehrfach ausgezeichnetem Drama "Das weiße Band" verantwortlich war. Dass Szenen, die in Schweden spielen, in Österreich gedreht werden, hat mit der finanziellen Unterstützung des Fernsehfonds Austria zu tun, wie Produzent Oliver Schündler erläutert. Die Voraussetzungen für eine Buchverfilmung sind laut Keglevic wie in der Bildhauerei: "Man steht vor einem riesigen Block und muss wahnsinnig viel wegschlagen, um zum Kern zu kommen. Und dann hofft man, dass eine identifizierbare Skulptur übrig bleibt." Das sei den Drehbuchautoren Léonie-Claire und Fred Breinersdorfer seiner Ansicht nach auch sehr gut gelungen.

Etwas drastischer beschrieb Michelsen die Herausforderung einer Literaturverfilmung, die ihrer Ansicht nach "immer auch eine Art der Kastration" darstellt. Die Dreharbeiten an den Schauplätzen in Österreich - neben Pürbach auch St. Pölten, Wien und Wöllersdorf - für die Koproduktion von ORF, ARD, Yellow Bird Pictures und Lotus Film werden noch bis zum 4. Juni dauern. Die Aufnahmen, die das Team noch nach Schweden und Taiwan führen werden, sollen bis voraussichtlich 27. Juli abgeschlossen sein. Obwohl ein Ausstrahlungstermin noch nicht mitgeteilt werden konnte, kommen Fans von Mankell auch derzeit auf ihre Kosten: der letzte Wallander-Krimi "Der Feind im Schatten" ist seit 30. April im Handel erhältlich. (APA)

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