Aufführung wurde abgesagt

4. Mai 2010, 13:10
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Die Proteste gegen Einsparungen der Regierung nehmen an Schärfe zu

Rom - Die Belegschaft der Mailänder Scala ist am Dienstag unangemeldet in den Streik getreten, um gegen die Einsparungen der Regierung Berlusconi im Kulturbereich zu protestieren. Am Dienstag um 18 Uhr ist eine Demonstration der Belegschaft vor dem Mailänder Opernhaus vorgesehen. Die geplante Aufführung der Verdi-Oper "Simon Boccanegra" mit dem Startenor Placido Domingo wurde abgesagt. Die Belegschaft hatte bereits für den 13. Mai einen Streik ausgerufen. Damit fällt die Premiere von Wagners "Das Rheingold" unter der Leitung von Daniel Barenboim aus.

Der Streik wurde von den Gewerkschaften ausgerufen, um gegen das von der Regierung Berlusconi beschlossene Dekret zur Finanzierung der Opernhäuser zu protestieren. Außerdem fordern die Gewerkschaften die Verlängerung der Arbeitsverträge für die nächste Saison für 100 Scala-Arbeitnehmer, die saisonal angestellt wurden. Die finanziellen Kürzungen der Regierung würden die Zukunft der Scala gefährden, warnten die Gewerkschaften. Sie forderten eine Reform des Systems der italienischen Opernhäuser und Garantien, dass sie weiterhin öffentliche Gelder erhalten werden.

Schon am Montagabend hatten die Scala-Mitarbeiter mit einem Sarg vor dem Theater demonstriert, um gegen den "Tod der Kultur" in Italien zu protestieren. Weitere Protestaktionen sind in den Opernhäusern in Rom, Turin, Genua, Bologna, Florenz, Neapel und Venedig geplant.

Auch Scala-Intendant Lissner kritisierte das Dekret der Regierung. "Die Scala ist ein Theater, das Gewinne schreibt. Das Personal, das zur Produktivität des Opernhauses beiträgt, muss bleiben", meinte Lissner. Die Regierung Berlusconi erwiderte, dass Einsparungen bei den Opernhäusern notwendig seien. Die Gehälter für 5.695 Mitarbeiter in den italienischen Theatern würden 340 Millionen Euro pro Jahr kosten, der Staat könne maximal 240 Millionen Euro garantieren, der Verkauf der Tickets decke nur 19,88 Prozent der Ausgaben.

Gegen die Streikwelle hat Kulturminister Sandro Bondi für den kommenden Freitag ein Treffen mit den Gewerkschaften einberufen. Das Regierungsdekret könne in seiner Grundstruktur nicht geändert werden, man könne jedoch für seine Besserung arbeiten, betonte der Minister. (APA)

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