"Peppermint Frieden" am 8. Mai

4. Mai 2010, 14:38
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Feministische Filmreihe im Zeichen der Beendigung des 2. Weltkrieges: Marianne S.W. Rosenbaum erzählt durch die Augen eines Kindes

Das feministische Filmkollektiv "kinovi[sie]on" präsentiert am 8. Mai - anlässlich der Beendigung des 2. Weltkrieges vor 65 Jahren - den mehrfach ausgezeichneten Spielfilm "Peppermint Frieden" (BRD 1982/1983) von Marianne S. W. Rosenbaum.

Aus dem Inhalt:

Kriegsende, 1945: Die fünfjährige Marianne flüchtet mit ihrer Mutter aus dem Sudetenland in ein Dorf an der bayrisch-tschechischen Grenze. Ihr Vater wird aus der Gefangenschaft entlassen und beginnt im Dorf als Lehrer zu arbeiten. Der Friede ist für die Kinder ein amerikanischer GI und verteilt Kaugummis, riecht nach Pfefferminz und klingt wie neuartige Musik. Nach Bombennächten, Flucht und Hunger kehrt langsam so etwas wie Normalität zurück. Im Mikrokosmos Dorf richten sich die Erwachsenen wieder ein, arbeiten an der Verdrängung des verlorenen Krieges und sprechen schon vom nächsten. Die Kinder werden mit ihren Wünschen und Enttäuschungen, Fragen und Ängsten sich selbst überlassen. „Wo war Gott im Krieg", will Marianne vom Pfarrer wissen. Er weiß es nicht, aber in der Schule wettert er gegen Unkeuschheit und Lust, gegen Kaugummis und den Kommunismus.

Autobiographisch motiviert

Marianne Rosenbaums (1940-1999) Filmdebüt "Peppermint Frieden" ist autobiographisch motiviert. Die Regisseurin wurde 1940 in Leitermitz in der Nähe von Theresienstadt geboren. Ihre Familie zog zunächst nach Dresden und 1945 nach Bayern. "Nach der Geburt meiner Tochter Nurith [...] habe ich mich an sehr viel erinnert" (M. Rosenbaum). "Erinnerungsbilder und Träume von Zerstörung, Menschenverachtung, Friedenssehnsucht und beginnendem Kalten Krieg vereinigen sich zu einer erstaunlich subjektiven, oft surrealistischen Filmkomposition", schreibt epd Film.

Der Film wurde 1983 in Cannes uraufgeführt. Nicht zuletzt durch die Besetzung - die beeindruckende Saskia Tyroller als Marianne, Peter Fonda als Mr. Frieden und Konstantin Wecker, der auch die Filmmusik schrieb, in einer Nebenrolle - konnte Rosenbaums Debüt bei Kritik und Publikum punkten und erhielte zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Max Ophüls-Preis.

Ungefähr 25 Jahre nach seiner Fertigstellung bietet "Peppermint Frieden" noch immer eine berührende Sicht auf die Zeitgeschichte und die Geschlechterverhältnisse - wahrgenommen mit den Augen eines Kindes.

"kinovi[sie]on" am 8. Mai

Einführende Worte: Alexandra Weiss (Politologin, freie Wissenschafterin, Universitätslektorin, Koordinatorin im Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck)

Beginn: 18.45 Uhr
Veranstaltungsort: LEOKINO, Anichstraße 36,
Innsbruck
Ticketreservierung: 0512/ 560470 (red)

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