Microsoft Pivot: Neue Aussichten auf die Datenberge im Netz

4. Mai 2010, 10:56
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Toll der Microsoft Live Labs veranschaulicht große Mengen von Fotos und Webseiten

Google Wave, Google Buzz, Google Goggles - wenn es um Innovationen im Web geht, blicken alle auf das Unternehmen im kalifornischen Mountain View. Dass es auch bei Microsoft noch kluge Software-Bastler gibt, scheint fast vergessen. Das könnte sich bald ändern - das Programm Pivot aus den "Microsoft Live Labs" hat das Potenzial, der verwöhnten Netzgemeinde ein "Wow" zu entlocken.

Dreh- und Angelpunkt

Bei "Pivot" - das französische Wort bedeutet so viel wie Dreh- und Angelpunkt - fällt einem Excel-Anwender die Pivot-Tabelle ein, die bestimmte Daten aus unterschiedlicher Perspektive darstellt. Ähnlich verhält sich die neue Pivot-Anwendung von Microsoft, die Fotos, Webseiten oder andere digitale Objekte so mit Metadaten verknüpft, dass sich ganz unterschiedliche Betrachtungsweisen ergeben. "Pivot ermöglicht es im Kern, große Mengen von visuellen Informationen gleichzeitig zu betrachten", erklärt Microsoft-Entwickler Mark Bramley in einem Einführungsvideo. Dabei könne man sehr schnell umschalten - von der Gesamtschau einer großen Anzahl zusammengehörender Informationen auf die Darstellung von Details zu einem bestimmten Element.

Eigener Browser

Wie das funktioniert, zeigt ein spezieller Pivot-Browser, den Microsoft zum Download anbietet. Dort finden sich eine Reihe von Beispiel-Kollektionen. Eine Bilddatenbank von Schauspielern zeigt eine Fülle von Fotos an, die blitzschnell neu gruppiert werden, wenn man die Schauspieler nach Geburtsdatum oder Anzahl ihrer Filme sortiert. In der Gesamtsicht zeigt der Pivot-Browser Hunderte winziger Bilder an. Sobald diese nach den in ihnen gespeicherten Metadaten gefiltert werden, wird nur noch die entsprechende Auswahl angezeigt. Klickt man schließlich auf ein einzelnes Foto, erscheint dieses formatfüllend zusammen mit den dafür gespeicherten Informationen, darunter auch weiterführende Internet-Links - geliefert von der Microsoft-Suchmaschine Bing.

Foto- und Website-Kollektionen

Nicht nur Fotos, auch Sammlungen von Webseiten können in eine solche Pivot-Kollektion eingehen. Der Pivot-Browser demonstriert dies etwa mit Wikipedia-Artikeln, die nach bestimmten Tags, also Stichwörtern, sortiert werden können. Hier eröffnet sich die Perspektive für eine ganz neue Art der Internet-Suche. Die Fülle von Informationen im Web könnte so auf eine Weise gefiltert werden, die dem menschlichen Hirn weit mehr entspricht als das bisher gewohnte Prüfen von Trefferlisten. Technische Grundlagen von Pivot sind der Datenstandard XML, die von Microsoft entwickelte Browser-Erweiterung Silverlight und die Digitalfoto-Technik der 2006 von Microsoft übernommenen Software-Firma Seadragon. Von Seadragon stammt auch die Technik "Deep Zoom", die unterschiedliche Auflösungen eines Fotos unterstützt.

Collection Tool

Den Pivot-Browser gibt es bisher nur für Windows, ebenso wie die Software für das Erstellen von Pivot-Kollektionen. Dafür gibt es eine Excel-Erweiterung, das "Pivot Collection Tool". Hiermit können in einem Schwung mehrere hundert Fotos importiert und mit ergänzenden Informationen versehen werden - etwa Aufnahmedatum und unterschiedliche Kategorien von Beschreibungen, die dann als Filterkriterien für die Darstellung der Sammlung dienen. In der soeben veröffentlichten Version 4 von Silverlight ist die Unterstützung von Pivot bereits angelegt. Im Sommer soll es dann möglich werden, die Pivot-Technik in jede Webseite einzubauen, um große Datenmengen oder Bilderberge auf neue Art zu veranschaulichen. Dafür wird dann ein Browser mit integriertem Silverlight-Plugin erforderlich sein, das es auch für Mac und Linux gibt.

Flash

Silverlight wird auf vielen Websites für Filme und Multimedia-Anwendungen genutzt, von einer flächendeckenden Verbreitung kann aber noch nicht gesprochen werden. Die Microsoft-Technik wurde als "Flash-Killer" etikettiert - inzwischen aber droht Flash größeres Ungemach von Apple, das der Multimedia-Technik die Unterstützung auf dem iPhone und dem iPad versagt. Auch Silverlight funktioniert bisher nicht direkt auf den mobilen Apple-Geräten. Über den Erfolg neuer Konzepte im Netz entscheidet nicht nur die Technik, sondern offenbar zunehmend auch die Firmenpolitik im Spannungsgeflecht zwischen Microsoft, Google und Apple. (apn)

 

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