LVS, Schaufel, Sonde und Airbag ein Muss

4. Mai 2010, 11:46
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Hohe Opferzahl bei Lawinenunglücken in dieser Saison - Schneearmer Winter für schlechten Schneedeckenaufbau verantwortlich

Gräfelfing/München/Wien - Bereits vor dem offiziellen Ende der aktuellen Wintersaison hat es in Österreich mit 35 Lawinentoten (Stand 5. April) mehr Opfer gegeben als in der gesamten Saison zuvor. Die hohe Opferzahl lässt sich dabei einerseits auf den schneearmen Winter zurückführen, wodurch der Schneedeckenaufbau katastrophal war.

Andererseits bemerkt Walter Würtl, Lawinen-Experte und Ausbildungsleiter beim OEAV - Österreichischer Alpenverein, einen besorgniserregenden Umstand. "Dieses Jahr fiel auf, wie schlecht die Lawinenopfer ausgerüstet waren. Entweder waren sie überhaupt ohne Notfallausrüstung unterwegs oder sie hatten das Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS) zwar bei sich, es aber nicht eingeschaltet," erzählt Würtl.

Opfer auch unter Ski-Profis

Auch sehr erfahrene Skitourengeher seien wieder unter den Opfern gewesen, was auf traurige Art und Weise bestätige, dass in den Bergen einfach immer ein Restrisiko besteht - egal wie gut man ausgebildet ist oder wie exzellent man das Gebiet, in dem man unterwegs ist, kennt. Es könne immer und jedem passieren, die weiße Gefahr falsch einzuschätzen.

"Außerdem sollte man als Skitourengeher oder Freerider auch wissen, dass ohne Notausrüstung kaum Chancen auf Überleben bestehen. Deswegen werde ich auch nicht müde zu sagen, dass LVS, Schaufel, Sonde und Lawinenairbag bei jeder Tour unbedingt mit dabei sein sollten", so der Lawinen-Experte.

Lawinenairbags boomen

Immer mehr Wintersportler greifen daher auch zu einem Lawinenairbag. Das nicht ganz billige, aber womöglich lebensrettende Equipment konnte schon viele Lawinenopfer vor dem Tod bewahren. Von 226 vom unabhängigen Schweizer Lawineninstitut (SLF) dokumentierten und bekannten Lawinenunfällen mit dem ABS Airbag haben 223 Personen überlebt, drei nicht.

"Der Lawinenairbag kann im Gegensatz zu all den anderen Notfallausrüstungen eine komplette Verschüttung verhindern, wodurch die Überlebenschancen beträchtlich steigen", so Würtl. Auch im vergangenen Winter sind zahlreiche Unfälle mit dem ABS Airbag passiert - in den meisten Fällen sind sie für den Träger des Lawinenrucksackes glimpflich verlaufen.

Lebensretter zum Preis von 700 Euro

Ein Airbag kostet derzeit zwischen 700 und 1.200 Euro. Erst vor wenigen Monaten wurde in Kooperation mit Forschern des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) ein Airbag mit Fernzündung entwickelt.

Mithilfe der Airbags soll die Verschüttung von Skifahrern beziehungsweise -tourengehern vermieden werden. Normalerweise werden die Lawinenairbags, die in Form eines Rucksacks am Rücken der Skifahrer angebracht sind, über einen Griff ausgelöst. Oft merken die in eine Lawine gekommenen Personen aber zu spät, dass sie in Gefahr sind. Mittels der Fernzündung können nun auch anwesende Kollegen den Airbag auslösen. (pte)

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