Der Geologe, der ein Desaster von BP abwenden soll

3. Mai 2010, 18:53
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Für Tony Hayward geht es nur noch um Schadensbegrenzung

In den wenigen stillen Momenten, die Tony Hayward in den letzten Tagen vergönnt waren, wird sich der 53-jährige Brite insgeheim gewünscht haben, BP wäre beyond petroleum - jenseits von Erdöl - geblieben. Diese Parole hatte Haywards Vorgänger an der Spitze des Ölkonzerns, Lord John Browne, im Jahr 2000 ausgegeben.

Beyond Petroleum statt British Petroleum, dazu ein neues Logo, das den griechischen Sonnengott Helios zeigt: Damit sollte das Kerngeschäft des Weltkonzerns mit schmutzigem Öl und Gas grün verbrämt werden. Dieses Unterfangen ist nun wohl endgültig gescheitert. Nach der Explosion der Ölplattform im Golf von Mexiko und dem dadurch angerichteten immensen Schaden für Flora und Fauna an den südlichen Gestaden der USA geht es für Brownes Nachfolger Hayward nur noch um Schadensbegrenzung. Der grüne Lack ist bei BP endgültig ab.

So grün, wie sich das Unternehmen nach außen gab, war Hayword innerlich nie. Erst im März diesen Jahres hat der an der Universität Edinburgh ausgebildete Geologe die Schließung einer Fabrik für Solarmodule im US-amerikanischen Maryland bekanntgegeben. Projekte im Bereich erneuerbarer Energien müssten ökonomisch Sinn machen, argumentierte Hayward.

Erfahrung mit Krisen aller Art hat der Vater zweier Kinder in seinem langen Leben für BP genug gemacht. 2005 etwa gab es in der größten Raffinerie des Ölkonzerns in Texas City ein Feuer. 15 Mitarbeiter starben, Rauchschwaden verpesteten wochenlang die Luft. Massive Öllecks an der Prudhoe-Pipeline in Alaska führten nur ein Jahr später zu katastrophalen Umweltschäden. Ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses kam in beiden Fällen zu dem Schluss, BP habe aus Gründen der Kostenersparnis fahrlässig gehandelt. Hayward war schon damals mit dabei - als einer der Kronprinzen von Browne. Die Explosion im Golf von Mexiko ist nun die erste große Herausforderung, die er als Konzernchef meistern muss. Die Dimension übersteigt alles bisher Dagewesene.

Hayward ist das älteste von sieben Kindern und stammt aus einfachen Verhältnissen. Er gilt als Vielarbeiter, der selbst gern zupackt. Bei seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender von BP hat Hayward gesagt, dass er sich "mit der Schärfe eines Lasers" den Sicherheitsproblemen im Unternehmen widmen werde. Nichts weniger als das muss man spätestens jetzt von ihm einfordern. (Günther Strobl/DER STANDARD-Printausgabe, 4.5.2010)

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    Der Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns BP, Tony Hayward.

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