Mit Gedankenkraft Geräte steuern

3. Mai 2010, 18:46
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Seit g.tec, ein Spin-off der Grazer Universität, vor knapp zehn Jahren an den Start ging, macht es mit seinen Entwicklungen Furore - sein Brain-Computer-Interface erhielt jetzt den Microsoft Innovation Award 2010

Wien - 45 Arbeiten wurden heuer für den mit insgesamt 14.000 Euro dotierten Preis eingereicht. Ins Finale schafften es Route4you (Solvion Information Management in Zusammenarbeit mit dem Institut für Navigation der TU Graz), eine Online-Routenplanung für Personen mit besonderen Bedürfnissen, Time Cockpit (Software Architects), eine semiautomatische Tätigkeits- und Zeiterfassung für kleine Dienstleistungsunternehmer und intendiX, ein Brain-Computer-Interface (g.tec medical engineering), das Gehirnströme analysieren kann, um externe Geräte anzusteuern.

Die Forschung befasst sich zwar schon rund 20 Jahre mit der BCI-Entwicklung (das sind direkte Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer, über die vollständig gelähmte Patienten - Locked-In-Syndrom - kommunizieren oder Geräte in ihrer Umgebung steuern können). Die einzelnen Patienten mussten aber bisher meist von Universitäten oder Forschungszentren betreut werden. Die Grazer Firma g.tec schaffte es, ein kleines, leistbares BCI-System zu entwickeln, mit dem Patienten ohne Betreuung durch Techniker auch zu Hause sich artikulieren können.

IntendiX ist ein EEG-basierendes BCI-System, mit dem der Patient Buchstaben und Zeichen auf einem Bildschirm auswählen kann und somit zum Beispiel Nachrichten schreiben kann oder ein bestimmtes TV-Programm ansteuern kann. Auf Wunsch liest das System die Nachricht laut vor, druckt sie aus oder kopiert sie in eine Mail. Musste vor zwei Jahren ein Benutzer dafür noch sechs bis zehn Stunden trainieren, werden den Angaben zufolge jetzt nur noch fünf Minuten benötigt. Die Microsoft-Jury kürte das Projekt mit dem ersten Platz.

Mit seinem im Vorjahr initiierten Innovation Award will Microsoft "versteckte heimische Innovations-Champions" sichtbarer machen, sagt Rolf Mistelbacher, Marketingmanager der Österreich-Niederlassung des Softwarekonzerns. Ganz selbstlos ist das Unternehmen dabei naturgemäß nicht, denn eingereicht werden können nur Projekte, die zumindest teilweise mit Microsoftkomponenten umgesetzt wurden. Auch die Projekte, die nicht ins Finale kamen, darunter ein Cocktail mischender Roboter, will das Unternehmen weiter fördern. (Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe, 4. 5. 2010)

  • Mit den Augen wählt der Locked-In-Patient beim BCI-System intendiX 
Zeichen um Zeichen aus, um so mit Außenwelt oder Geräten zu 
kommunizieren.
    foto: g.tec

    Mit den Augen wählt der Locked-In-Patient beim BCI-System intendiX Zeichen um Zeichen aus, um so mit Außenwelt oder Geräten zu kommunizieren.

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