Roboter und Sportangler

3. Mai 2010, 18:30
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Warum das ausgetretene Öl im Meer so gefährlich und weswegen es so schwierig zu stoppen ist

Der STANDARD versucht einige Antworten zur Katastrophe im Golf von Mexiko zu geben.

Frage: Was geschieht eigentlich mit dem Öl, wenn es an die Wasseroberfläche kommt, und warum ist es für die Natur so gefährlich?

Antwort: Das Rohöl ist leichter als Wasser und steigt daher nach oben. Dort bildet sich ein Film, aus dem ein Drittel bis die Hälfte des Öls verdunstet. Bis zu zehn Prozent lösen sich im Salzwasser auf, Bakterien bauen ebenfalls einen Teil ab. Das Problem: Da vor allem die leicht abbaubaren Stoffe verschwinden, wird das Öl immer zähflüssiger, bis es schließlich zu Teer wird. Und diese klebrige und giftige Masse tötet direkt oder indirekt - etwa über verklebte Federn - Tiere und Pflanzen.

Frage: Was sind die wirtschaftlichen Folgen für die Menschen in dem Gebiet?

Antwort: Fischerei und Tourismus befürchten Milliardenschäden. Alleine der Fang und die Ernte von Meeresfrüchten bringt einen Umsatz von umgerechnet 1,82 Milliarden Euro. Selbst nicht betroffene Gebiete könnten am Imageschaden einer ölverseuchten Küste leiden. Ein weiteres Beispiel: Hochseesportangler sorgen für fast 8000 Arbeitsplätze und fast 574 Millionen Euro Umsatz.

Frage: Wie versucht man nun also, das Öl zu stoppen um diese Folgen zu verhindern?

Antwort: BP verfolgt mehrere Strategien. Derzeit versuchen ferngesteuerte Roboter in gut zwei Kilometer Tiefe den sogenannten Blow-out-Preventor auszulösen. Der soll im Notfall die Ölquelle abdichten, funktioniert aber nicht. Weiters wird überlegt, eine Betonkuppel über die Quelle zu stülpen, aus dem das Öl abgepumpt werden kann. Eine dritte Option ist, die Quelle anzubohren und am neuen Ausgang das Öl abzupumpen. Im Wasser und an der Oberfläche versucht man weiter, den Ölfilm mit Chemikalien aufzulösen, was aufgrund des schweren Seeganges nicht wirklich gelingt.

Frage: Wie lange wird das dauern?

Antwort: Das kann derzeit niemand sagen. Sollte tatsächlich eine Notbohrung notwendig sein, kann das Monate dauern

Frage: Welche Auswirkung hat das Leck auf die Ölförderung in den USA?

Antwort: Keine dramatische. Derzeit treten rund 5000 Barrel pro Tag aus. Die Vereinigten Staaten produzieren täglich über 6,7 Millionen Barrel. Allerdings: An den Ölbörsen schließen Analysten und Händler nicht aus, dass es zu Schwierigkeiten kommen könnte - wenn der Ölteppich Transportrouten oder andere Förderanlagen beeinträchtigt. (moe/DER STANDARD-Printausgabe, 4.5.2010)

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