Ein Knack-Po in Franks Welt

3. Mai 2010, 18:22
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Unter dem Motto" Prominente verraten ihre Fitness-Trick"s gestaltete sich das Wochenende reich wie selten an Genuss und Belehrung

Unter dem Motto Prominente verraten ihre Fitness-Tricks gestaltete sich das Wochenende reich wie selten an Genuss und Belehrung. Was würden Bürgerin und Bürger mit ihren Leben wohl anfangen, gäbe es in diesem Land nicht eine freie Presse? Körper und Geist kamen voll auf ihre Rechnung, und um mit dem Wichtigen, dem Körper, zu beginnen: Karl-Heinz Grasser und Fiona sind Fitness-Freaks. Für die perfekte Figur quälen und stählen sie fast täglich ihren Körper. Dabei hätten sie es gar nicht notwendig. Wer Grasser begegnet oder mit ihm spricht, erlebt stets einen Ex-Politiker in Freizeitlaune. Cool, locker, lächelnd. Der Stress hat keine sichtbaren Spuren am Sonnyboy hinterlassen. Im Gegenteil. Grasser wirkt jünger denn je. Kein Gramm Kummerspeck, keine Sorgenfalten - ein schönes Zeugnis für die segensreiche Wirkung der österreichischen Justiz: Wellness pur.

Wie im Amt als Finanzminister treibt ihn auch im Prater nichts anderes als superreines Pflichtgefühl. Schon bald startet die Sommersaison auf Capri, wo Fiona eine exklusive Villa inklusive Motorboot besitzt. Die perfekte Strandfigur ist auf der VIP-Insel natürlich Pflicht. Daher praktisch unvermeidlich: Die Früchte seines konsequenten Workouts sind sichtbar, nicht nur auf den Konten seines Trauzeugen Meischi und Konsorten: Waschbrettbauch, weniger Gewicht als in der Zeit als Politiker, dazu einen Knack-Po, der schon Wolfgang Schüssel bewogen haben muss, ihn zum besten Finanzminister aller Zeiten zu machen - andere mögliche Erklärungen sind bisher nicht aufgetaucht.

Für den Knack-Po gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung, tritt er doch regelmäßig in Kombination mit einem superreinen Gewissen auf. Damit hat besagter Po vorweg jene goldene Regel erfüllt, die darin besteht, die Ketten der Dominierung zu lösen. Aufgestellt hat diese Regel der neue Kolumnist, den Hans Dichand, der Menschenfischer, an Land gezogen hat, um die Scharten der Bundespräsidentenwahl auszuwetzen. Es handelt sich dabei um einen Beiträger, der nicht das Redaktionsstatut der "Krone" braucht, um derselben Meinung wie Cato zu sein: Frank Stronach schreibt seit dem letzten April-Sonntag wöchentlich in der "Krone bunt".

Die neue Akquisition hat viel mit dem Herausgeber gemeinsam. So, wenn Frank seine Betrachtungen über Franks Welt mit dem Aufruf einleitet: Betrachten wir mein eigenes Leben. Manches unterscheidet ihn aber auch vom Hans, zumindest verbal: Ich werde vor allem niemals behaupten, dass meine Ideen und Vorschläge die einzig richtigen Lösungen darstellen. Und mehr noch: Ich gebe meine persönliche Meinung wieder, immer in zivilisierter und konstruktiver Weise, da in unserer Gesellschaft niemand zum Sündenbock für entstandene Probleme gemacht werden darf. Was hat sich der Alte da nur ins Nest gesetzt?

Aber keine Angst, Frank will nur spielen. Wenn in Medienberichten über mich die "Goldene Regel" zitiert und mir so zugeschrieben wird, dass ich nur sagen würde: "Wer das Gold hat, macht die Regeln", dann ist das zwar nicht unwahr, aber leider sehr verkürzt, denn für ihn soll gelten: Ich, Frank Stronach, habe in meinem Leben einen gewissen Reichtum erworben. Ich möchte damit aber niemanden dominieren. Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Ich möchte aber auch von niemandem dominiert werden, sondern persönliche Freiheit und Unabhängigkeit genießen.

Wer wollte ihm das verargen? Schließlich hat er einen gewissen Reichtum erworben, und damit einen kleinen Vorsprung beim Nichtdominiertwerden. Was folgt daraus? Wir müssen jeden Tag darüber nachdenken, wie wir die Ketten der Dominierung auflösen können, ein Vorschlag, der auch abgebrühte Vertreter des Proletariats interessieren sollte, wäre da nicht die Einschränkung, aber durch eine Revolution des Denkens und nicht durch eine zerstörerische Revolution!

Für die Überwindung des Gegensatzes zwischen Denken und Zerstören ist ihm kein Aufwand zu groß. In zivilisierten Ländern gibt es Menschenrechtsverfassungen, die die Grundrechte sichern. Diese alleine sind jedoch zu wenig. Wir brauchen auch Wirtschaftsrechtsverfassungen, die einerseits klare Regeln für die Wirtschaft aufstellen, die aber die Wirtschaft nicht erdrosseln. Den Verdacht, dass die Regeln der Wirtschaft nicht immer klar genug sind, hat uns schon der Mann mit dem Knack-Po nahegebracht. Aber warum riecht Franks ökonomische Demokratie nur so sehr nach Ständestaat? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 4.5.2010)

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