US-Behörden fahnden nach dem Video-Mann

3. Mai 2010, 21:17
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Eine Kamera hat einen hektischen Weißen am Ort des gescheiterten Anschlags von New York aufgenommen

Obwohl sich Islamisten mehrfach zu dem Attentatsplan bekannten, ermittelt die Polizei in alle Richtungen.

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New York - Nach dem vereitelten Autobombenanschlag auf dem New Yorker Times Square am Samstagabend haben die Ermittler am Montag unter Hochdruck nach den Tätern gesucht, allerdings vorerst ohne Ergebnis. "Es hat noch keine Festnahme gegeben" , sagte eine Sprecherin der New Yorker Polizei zum Standard. Man suche allerdings weiter nach einem weißen Mann in den Vierzigern, der in der Nähe des Tatorts aufgefallen war.

Ein Video einer Sicherheitskamera zeigt ihn, wie er an dem warmen Tag auf dem Gehsteig in der Nähe des geparkten Nissan sein Hemd auszieht, in eine Tasche stopft und sich beim Weggehen mehrmals umblickt. Ein weiteres Video, dass ein Tourist aufgenommen hat, werde vorerst nicht veröffentlicht, sagte die Sprecherin. "Es sind dort keine nützlichen Hinweise zu sehen." Eine weitere Ermittlungsschiene ist die Herkunft des Wagens und seiner Nummernschilder, die beide von Schrottplätzen stammen sollen.

Die Behörden vermieden es allerdings zunächst, den Mann aus dem Video zum Verdächtigen zu erklären. Er könnte auch ein Zeuge sein, sagte Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano. Ihr Ministerium stufte den Zwischenfall als "potenziellen Terroranschlag" ein. Ein islamistischer Hintergrund wurde trotz eines entsprechenden Bekennerschreibens aber nicht vermutet. Auf einer von Islamisten genutzten Webseite erklärten die pakistanischen Taliban, das Attentat sei als Vergeltung für den Tod irakischer Taliban-Führer im April geplant gewesen.

Der totgeglaubte Anführer der Taliban in Pakistan, Hakimullah Mehsud, drohte den USA indes mit Selbstmordattentaten. Anschläge seiner Mitstreiter in US-Großstädten stünden bevor, kündigte er in einem Video an, das ihm zufolge am 4. April entstanden ist. Die Aufzeichnung erschien im Internet kurz nach dem ersten Bekennerschreiben. Bisher wurde angenommen, dass Mehsud im Jänner bei einem Drohnen-Angriff der CIA in Pakistan gestorben war.

Nach bisherigen Ermittlungen war die Bombe allerdings amateurhaft gebaut. Der Fernsehsender CNN berichtet, es seien drei Propangasflaschen gefunden worden, an einer waren etwa fünf Zentimeter große Feuerwerkskracher befestigt, von denen einige explodiert sind. Weitere gut 20 dieser Kracher fanden sich in einer Kiste zwischen zwei Benzinkanistern auf dem Rücksitz, zwei Uhren waren mittels Drähten mit dieser Kiste verbunden. Auch Säcke mit Düngemittel wurden entdeckt. Der New Yorker Polizeichef Ray Kelly sagte auf die Frage nach den Folgen einer Detonation, es hätte "einen großen Feuerball" gegeben. (Reuters, moe, DER STANDARD, Printausgabe 4.5.2010)

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    Ein Kleiderwechsel, und man wird für die Polizei interessant. In New York sucht man nach dem Unbekannten vom Times Square.

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    Der pakistanische Taliban-Chef Hakimullah Mehsud drohte den USA mit unmittelbar bevorstehenden neuen Anschlägen. Die amerikanischen Behörden schenken dem allerdings wenig Glauben.

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