Darabos am Schleudersitz

3. Mai 2010, 17:48
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Nicht nur die Opposition rüttelt an Darabos' Sessel, der Kanzler sähe den Minister gerne in Parteifunktion

Wien - Einst wurde er unterschätzt, fast belächelt. Nun hätte ihn der Kanzler gerne als Parteimanager zurück. Statt im Verteidigungsministerium würde Werner Faymann den Burgenländer Norbert Darabos lieber in einer Schlüsselposition in der SPÖ sehen. Zur Wahl stehen die von Laura Rudas und Günther Kräuter zur allgemeinen Unzufriedenheit geführte Parteizentrale oder der Klubchef im Parlament. Der bisherige Obmann Josef Cap ist zwar ein blendender Rhetoriker, aber keiner aus dem Faymann-Zirkel.

Zum Hoffnungsträger machen Darabos drei historische Triumphe, für die er als Stratege mitverantwortlich war. Vor zehn Jahren pushte er in seiner Heimat den damaligen Nobody Hans Niessl trotz Bank Burgenland-Skandals zum Wahlsieg, vier Jahre später orchestrierte er Heinz Fischers erfolgreiche Kampagne bei der Präsidentenwahl - damals gegen ernsthafte Gegner. Mit Wahlkampfleiter Darabos eroberte die SPÖ 2006 schließlich den Kanzler zurück.

Als Verteidigungsminister hingegen erntet der Ex-Zivildiener kaum Applaus. Doch für einen Parteijob, der unter Faymann wenig Eigenleben verspricht, wolle Darabos ein Regierungsamt dann doch nicht sausen lassen, heißt es - zumal dieses das bessere Sprungbrett für die dritte und verlockendste Variante ist: Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl à la longue beerben. (jo, DER STANDARD, Printausgabe, 4.5.2010)

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