Risiko-Verhalten in Pubertät nur schwer erklärbar

3. Mai 2010, 16:18
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Schwache kognitive Funktionen nicht allein verantwortlich

Vancouver/München - Einfache Erklärungen, warum Jugendliche zu risikoreichem Verhalten tendieren, gibt es nicht. Zu diesem Schluss kommen US-Forscher beim Jahrestreffen der Pediatric Academic Societies (PAS), das derzeit in Vancouver stattfindet. Bisher waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass ein Teil des Gehirns, in dem kognitive Fähigkeiten kontrolliert werden - und das auch die Impulsivität steuert - sich erst sehr spät entwickelt. Eine dieser Funktionen namens arbeitendes Erinnerungsvermögen ist erst in der dritten Lebensdekade fertig entwickelt.

Risikoreiches Verhalten untersucht

Ein Forscherteam unter der Leitung von Daniel Romer vom Annenberg Public Policy Center und Hallam Hurt vom Children Hospital in Philadelphia haben die Entwicklung von Risiko-Verhalten und kognitiven Fähigkeiten von 387 Jugendlichen verschiedener Herkunft im Großraum Philadelphia über vier Jahre hinweg untersucht. Die Probanden waren zu Beginn der Studie zwischen zehn und zwölf Jahre alt.

Jene Jugendlichen, die bereits in jüngeren Jahren zu größerer Impulsivität tendierten, zeigten später häufiger risikoreiches Verhalten. Nicht alle dieser Pubertierenden zeigten ein schwächeres arbeitendes Erinnerungsvermögen. Jene mit einem stärkeren Erinnerungsvermögen wiesen ein sensationsgieriges Verhalten auf, während jene mit schwächerem Erinnerungsvermögen eher auf "Action ohne Nachdenken" setzten.

Resultate widersprechen bisherigen Forschungsergebnissen

Die Resultate widersprechen der Vermutung, dass bei allen Pubertierenden risikoreiches Verhalten nur ein Ergebnis von schwachen kognitiven Fähigkeiten ist, so Romer. Das weise auch darauf hin, dass es verschiedene Arten von Interventionen geben müsse. "Unsere Studienergebnisse zeugen auch davon, dass es keine einfachen Erklärungen dafür gibt, warum Pubertierende Risiken eingehen."

Für den Soziologen Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut gibt es zudem einen geschlechtsspezifischen Unterschied. "Junge Burschen und Männer tendieren zu Mutproben, um damit einerseits zu imponieren, andererseits um sich selbst zu erproben", so Gaiser.

Natürliches Wachsen mit Herausforderungen

"Angst ist ein wichtiges Argument", meint Gaiser. "Zu dieser Lebensphase gehört es, den Mut aufzubringen, etwas Neues zu machen. Die Jugendlichen müssen sich verschiedenartigsten Herausforderungen stellen." Schwierig sei dabei häufig die Risikoabschätzung. "Wer sich von Eisenbahnbrücken abseilen will und dabei in den Stromkreis der Oberleitung gerät, hatte nicht vor, Selbstmord zu begehen." Das sei vielmehr eine unüberlegte Handlung.

Der Staat versuche, Jugendliche und Pubertierende zumindest vor einigen Gefahren zu warnen. "Dazu zählt etwa die Sexualaufklärung bereits in der Grundschule", erklärt Gaiser. Auch sollten andere Bereiche, wie etwa die Sicherheit im Straßenverkehr, stärker in den Vordergrund gerückt werden. Gaiser hält dabei für besonders wichtig, dass allfällige Aufklärungsaktionen realitätsgerecht nahe gebracht werden. "Für viele Gefahren geht jungen Menschen nämlich oft die Vorstellungskraft ab." (pte)

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