Was hinter dem kosmischen Pfotenabdruck steckt

3. Mai 2010, 15:30
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Neue VISTA-Aufnahme von NGC 6334 zeigt den gesamten Nebel auf einen Blick - und enthüllt bislang verborgene Details

Santiago - 5.500 Lichtjahre entfernt Richtung Milchstraßenzentrum liegt NGC 6334 im Sternbild des Skorpions. Dabei handelt es sich um einen etwa 50 Lichtjahre durchmessenden Emissionsnebel; also einen, der aus eigener Kraft leuchtet: Hunderte massereiche Sterne bilden sich in dieser aktiven Region neu heraus und bringen die Gas- und Staubwolken zum Leuchten. Entdeckt wurde NGC 6334 im Jahr 1837 und fiel wegen seiner ungewöhnlichen, tief orangeroten Strukturen, die an Pfotenabdrücke erinnern, auf. Der Name "Katzenpfotennebel" lag damit auf der Hand.

Zugleich blieb im sichtbaren Spektrumsbereich hinter diesen Strukturen viel vom Inneren des Nebels verborgen. Eine detailreiche neue Aufnahme des Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) der ESO am Paranal-Observatorium in Chile blickte nun im Infrarotlicht hinter die leuchtenden Gas- und Staubwolken. Dank VISTAs großem Gesichtsfeld lässt sich das gesamte Sternentstehungsgebiet mit einer einzigen Aufnahme mit bislang unerreichter Schärfe abdecken - so wurden viele der in den Pfotenabdrücken verborgenen jungen Sterne sichtbar gemacht. 

Günstiger Standort

VISTA ist das größte Teleskop der Welt, das speziell für Himmelsdurchmusterungen eingesetzt wird, und der jüngste Neuzugang am Paranal-Observatorium der ESO in der chilenischen Atacamawüste - also dort, wo auch das künftige "European Extremely Large Telescope" errichtet werden soll. VISTA arbeitet im Infrarotlicht und kann daher durch einen Großteil des Staubs einfach hindurchsehen. Während sichtbares Licht leicht von interstellarem Staub gestreut oder absorbiert wird, ist der Staub für infrarotes Licht fast völlig durchlässig. Damit lässt sich viel mehr darüber in Erfahrung bringen, wie sich die Sterne im Inneren des Nebels bilden und während der ersten paar Millionen Jahren ihres Lebens entwickeln.

Die ESO-Astronomen konnten so die "Geburtswehen" der massereichen jungen Sterne im Katzenpfotennebel direkt verfolgen, von denen einige mehr als die zehnfache Masse der Sonne besitzen. Im Infrarotbereich sieht der Nebel völlig anders aus als im sichtbaren Licht: Vor dem sternengesprenkelten Hintergrund der Milchstraße sieht man rankenähnliche Strukturen aus dunklem Staub, die hier zum ersten Mal vollständig sichtbar werden. Dort ist der Staub so dicht, dass selbst das nahe Infrarotlicht blockiert wird, für das VISTAs Kamera empfindlich ist. In vielen der staubreichen Bereiche, zum Beispiel in der Nähe der Bildmitte, sieht man orangefarbige Gebilde - ein Hinweis auf aktive junge Sterne mit sogenannten Jets, in denen Materie vom Stern weg strömt. Die Sterne selbst sind noch immer hinter dichtem Staub versteckt.

Weiter draußen haben einige etwas ältere Sterne sich bereits vom Staub befreit und sind im Infrarotlicht sichtbar, so dass man verfolgen kann, wie sie sich in den ersten paar Millionen Jahren ihres Lebens weiterentwickeln: vom Einsetzen der Kernfusion in ihrem Inneren über eine unruhige Phase als Protostern bis zu einem verhältnismäßig ruhigen Dasein als Hauptreihenstern ähnlich dem unserer Sonne. (red)

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    Zu Beginn des Jahres gemachte Aufnahme des Katzenpfotennebels

  • Aktuelles Infrarotbild des Nebels, aufgenommen mit VISTA
    foto: eso

    Aktuelles Infrarotbild des Nebels, aufgenommen mit VISTA

  • Vergleich von Aufnahmen des Katzenpfotennebels im infraroten und im sichtbaren Licht
    foto: eso

    Vergleich von Aufnahmen des Katzenpfotennebels im infraroten und im sichtbaren Licht

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