Innovative Sozialarbeit vor den Vorhang

3. Mai 2010, 14:40
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Theaterstück "Kein Kies zum Kurven Kratzen" als beste soziale Innovation des Jahres - SexarbeiterInnen-Stelle "Sophie" und "Libida-Sexualbegleitung" ebenfalls ausgezeichnet

Wien  - Das Theaterstück "Kein Kies zum Kurven Kratzen" aus Graz ist mit der SozialMarie 2010 ausgezeichnet worden. Der erste Platz des zum sechsten Mal verliehenen Preises ist mit 15.000 Euro dotiert. Seit 2005 wird von der Unruhe Privatstiftung in Wien die SozialMarie zur Würdigung nachhaltig angelegter Sozialinitiativen ausgelobt. Ziel ist es, innovative soziale Ideen bekanntzumachen und zur Nachahmung zu motivieren. Aus 206 eingereichten Projekten wählte eine Fachjury die 15 Preisträgerprojekte aus. Insgesamt wurde ein Preisgeld von 42.000 Euro vergeben.

Das prämierte Stück setzt sich mit dem Thema "neue Armut" auseinander: Auf Basis des Forumtheaters wird seit 2007 von armutserfahrenen Menschen aus der ganzen Steiermark unter professioneller Anleitung gearbeitet.

 Zweiter Preis für Werkstätte LebensDESIGN

Mit dem zweiten Preis und 10.000 Euro wurde das Projekt "LebensDESIGN" der Lebenshilfe Salzburg prämiert. Rund 70 Menschen mit geistiger oder Mehrfachbehinderung fertigen in den Werkstätten der Lebenshilfe Salzburg Möbel, Lampen, Accessoires und Spiele aus Holz, Ton, Wachs und Textil. Die Erzeugnisse werden im Studienlehrgang Design und Produktentwicklung der Fachhochschule Salzburg entwickelt und von Porsche-Design vermarktet.

Dritter Platz für "Balu und Du"

An das Wiener Projekt "Balu und Du" ging der mit 5.000 Euro dotierte dritte Platz: Schülerinnen und Schüler der Ganztagsvolksschule Europaschule werden von Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Strebersdorf unterstützt. Sie treffen sich einmal pro Woche und in den Ferien, gehen ins Museum, zu Veranstaltungen, betreiben Sport, kochen, werken, reden - "Balus" stehen den "Moglis" als Bezugsperson zur Verfügung.

Weitere Auszeichnungen

Unter den PreisträgerInnen befand sich auch "SOPHIE BildungsRaum für Prostituierte". Als frauenspezifische Einrichtung der Volkshilfe Wien wendet sich "Sophie" an Frauen, die in der Prostitution tätig sind oder waren. Die Arbeit der Einrichtung ist geprägt von einem akzeptierenden Ansatz gegenüber den Lebenssituationen der Frauen. Die Sexarbeiterinnen erhalten - vielfach in ihrer Muttersprache - Unterstützung bei Fragen zu Versicherung, Steuern, Registrierung, Polizeistrafen, Schulden, Wohnen, Schwangerschaft, Ausstieg und Gewalt. Bei Bedarf begleitet "Sophie" zu Terminen bei der Polizei, den Gerichten und Behörden.

Außerdem gewürdigt wurde die "LIBIDA-Sexualbegleitung" von alpha nova, einem Mitglied der Lebenshilfe Steiermark. In der Würdigung der Jury heißt es: "Zwei noch immer eher tabuisierte Bereiche, Sexualität und Behinderung, werden gemeinsam in die Öffentlichkeit getragen: Die erotisch-sexuelle Begegnung zwischen einem oder einer SexualbegleiterIn und einem Menschen mit Behinderung wird als eigene professionelle Dienstleistung angeboten. Sie kann gekauft und genossen werden. Einfach so. Einfach so wird gezeigt, dass Menschen mit Behinderungen, wie alle Menschen, sexuell-erotische Bedürfnisse haben, die sie befriedigen wollen. Die Steiermark übernahm eine Vorreiterrolle. Die Erweiterung in andere Bundesländer ist schon geplant."  (APA/red)

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