Leiharbeit wird wieder kräftig ansteigen

3. Mai 2010, 12:59
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Deutliche Benachteiligung gegenüber Fix-Angestellten

Wien - Leiharbeiter waren von der Krise besonders betroffen. Nach dem Höchststand von 80.000 bis 90.000 im Jahr 2008 brach die Beschäftigung deutlich ein. Mehr als 50 Prozent verloren ihren Job. Derzeit ist die Zahl der Leiharbeiter aber wieder auf 62.000 angestiegen. Die Gewerkschaft erwartet in den nächsten Jahren ein Plus von 30 bis 40 Prozent. Damit würde der Anteil der Leiharbeiter an der Beschäftigung in Österreich auf rund 5 Prozent steigen.

Leiharbeiter sind deutlich schlechter gestellt als ihre angestellten Kollegen. Dies ergab eine Studie, die am Montag von AK-Präsident Herbert Tumpel und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer präsentiert wurde. Die Unternehmen werden vor allem in der noch ungewissen Phase des Aufschwungs auf besonders flexible Arbeitskräfte setzen, gehen Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaft aus. Untersuchungen in Deutschland hätten gezeigt, dass dort bald jeder vierte Arbeitsplatz ein Leiharbeitsplatz sein könnte.

Die Situation ist dramatisch, so Tumpel. Ein großer Teil der Leiharbeiter sei einem kontinuierlichen Wechsel zwischen Arbeitsphasen und Arbeitslosigkeit ausgesetzt. Ein Drittel aller Leiharbeitszeitverhältnisse dauert nicht länger als ein Monat, rund 55 Prozent nicht länger als drei Monate. Bei den Arbeitern sind nur 22 Prozent länger als 12 Monate durchgehend beschäftigt, bei den Angestellten sind das mehr als 50 Prozent.

65 Prozent der in der aktuellen Studie Befragten wollen daher in eine normale Beschäftigung wechseln. Allerdings konnte zwischen 1997 und 2008 nur rund ein Fünftel ein Monat nach Beendigung der Leiharbeit in eine feste Anstellung wechseln.

Änderungen der Arbeitskultur

Leiharbeit habe zu massiven Änderungen der Arbeitskultur führt. Für die Betroffenen bedeute das unter anderem massive Probleme bei der Erwerbssituation, der Entlohnung und bei der Durchsetzung ihrer Rechte", so Tumpel. Leiharbeiter dürfen daher nicht länger Arbeitnehmer 2. Klasse sein. "Wir wollen nicht, dass Zeitarbeiter die Sklaven des 21. Jahrhundert" sind, so Wimmer.

In einem ersten Schritt müssen Leiharbeiter besser informiert werden. Mit der neuen Webseite (www.leiharbeiter.at) habe man einen wichtigen Schritt in diese Richtung gesetzt. Die Internet-Plattform bietet unter anderem Informationen über den Mindestlohn bei Einsätzen in verschiedensten Branchen, über alles, was bei einer Vertragsunterzeichnung beachtet werden sollte, über erste Schritte, wenn die Lohnabrechnung nicht korrekt ist.

Rund 85 Prozent der Leiharbeiter sind Arbeiter, nur 15 Prozent arbeiten im Angestelltenbereich. Jeweils 40 Prozent sind in der Industrie und im Gewerbe tätigt, der Rest entfällt auf sonstige Beschäftigte, darin enthalten sind auch Manager oder Banker usw. Die meisten Zeitarbeiter gibt es in der Metallbranche, wo der Anteil in einzelnen Bereichen auf über 10 Prozent angestiegen ist. (APA)

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