ÖBB fährt Eigenmittel weiter runter

3. Mai 2010, 18:32
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2010 erwartet ÖBB-Holding Finanzchef ein negatives Ergebnis vor Steuern, Bundesbahn erhöhte Finanzverbindlichkeiten auf 15,4 Milliarden Euro

Wien - Wenn der Kurs des ÖBB-Konzerns als "richtungsweisend" genommen werden kann, wie dem Titel des am Montag präsentierten ÖBB-Geschäftsberichts 2009 zu entnehmen, dann dürften bei ÖBB-Eigentümer Staat bald Alarmglocken läuten. Denn das Eigenkapital der Staatsbahn ist im Vorjahr mit 1,823 Milliarden Euro unter das Grundkapital von 1,9 Mrd. Euro gesunken - und wird heuer weiter reduziert.

2010 erwartet ÖBB-Holding Finanzchef Josef Halbmayr ein negatives Ergebnis vor Steuern (EBT) von 60 Millionen Euro (nach plus 120 heuer) und einen weiteren Rückgang des Eigenkapitals auf 1,763 Mrd. Euro. Der im Juli scheidende ÖBB-Holding-Chef Peter Klugar verwies bei Vorlage der Bilanz dennoch auf "ein sehr achtbares Ergebnis".

Das liegt an Altlasten und neuen Problemen, die großteils heuer saniert werden müssen. Während für die 33,8 Mio. Euro an zu viel kassierten Beihilfen für Gefahrenguttransport und Rollende Landstraße bereits heuer vorgesorgt wurde, stehen die Belastungen für die Restrukturierung der neu zu bildenden Produktion GmbH (Traktion, Verschub) bei der ÖBB-Güterverkehrssparte RCA erst ins Haus.

Ebenfalls heuer zu stemmen sein werden Rückstellungen für das "Speditionskartell", das die Bundeswettbewerbsbehörde im Februar beim Kartellgericht angezeigt hat. Das Strafmaß für die bis 2007 vermuteten Preisabsprachen ist zwar offen - und RCA ist überzeugt, die Vorwürfe entkräften zu können. Das Bußgeld kann bis zu zehn Prozent eines Konzern-Jahresumsatzes ausmachen.

Hinzu kommt, dass der von der Wirtschaftskrise ohnehin arg gebeutelte ÖBB-Güterverkehr (verlor 2009 unter Herausrechnung der Ende 2008 gekauften ungarischen Güterbahn Máv-Cargo rund 500 Mio. Euro Umsatz, hat aber nach eigenen Angabe rund 400 Mio. Euro an Kosten eingespart) für die von ihm (mit 51 Prozent) dominierte Produktion 70 Prozent des negativen Ergebnisses tragen muss.

Als millionenschwere Belastung empfindet die ÖBB-Führung darüber hinaus die von Staatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) vehement geforderte und von Verkehrsministerin Doris Bures verordnete Anhebung des durchschnittlichen Eisenbahner-Pensionsantrittsalters pro Jahr um "mindestens ein Jahr". Die Frage nach den konzernweiten Kosten ließ Halbmayr unbeantwortet. Einen Vorgeschmack gewährt aber die RCA: Für RCA und die von ihr dominierten Töchtern Produktion und Technische Services (TS; Werkstätten) wird diese Maßnahme auf 17,6 Mio. Euro an Mehrkosten taxiert, die 2011 auf 45 Mio. Euro steigen, 2012 auf 56 und bis 2015 auf knapp 61 Mio. Euro. 2009 wurden 1800 ÖBBler pensioniert.

Schwierig dürfte für den ÖBB-Personenverkehr das Umfahren von Tariferhöhungen werden, denn der Budgetsparkurs macht die Kürzung von Tarifzuschüssen fast unumgänglich.

Finanzielle Erleichterung ist am Markt nicht in Sicht: Wohl soll die Tonnage um bis zu 20 Prozent steigen, allerdings sind laut dem für den Absatzbereich zuständigen Holding-Vorstandsdirektor Franz Seiser die Frachtpreise "in Erosion", der Preisverfall gegenüber 2009 betrage vier Prozent.

Hilfe bekam die ÖBB (mit Postbus) 2009 immerhin vom Dieselpreis, der Aufwand ging um 31 auf 68,3 Mio. Euro zurück. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.5.2010)

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