Steve Jobs warnt vor Patentklagen gegen Open-Source-Codecs

3. Mai 2010, 12:45
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Patentpool gegen Theora und Co. werde aufgebaut - Verblüffte und verärgerte Reaktionen

Auf die Wahl zum Sympathieträger 2010 scheint es Steve Jobs nicht sonderlich abgesehen zu haben, all zu forsch hatte er in den letzten Wochen die Konkurrenz - und selbst langjährige Partner wie Adobe - vor den Kopf gestoßen. Dazu passt die zunehmend aggressiver werdende Patentpolitik des von ihm geleiteten Unternehmens, so hatte man ja erst vor kurzem eine umfassende Klage gegen HTC eingereicht - kaum verklausuliert steht hier Googles Android im Mittelpunkt der Kontroverse.

Patente

Mit einem aktuellen Mail sorgt Jobs nun erneut für Aufregung in der Internet-Community, in einer Antwort auf ein Schreiben des Free Software Foundation Europe-Aktivisten Hugo Roy findet er recht unmissverständliche Worte zu freien Codecs. Dem Vorschlag Ogg Theora als Videocodec für HTML5 zu unterstützen, begegnet der Apple-Boss mit dem Hinweis darauf, dass ein Codec nur weil es Open Source ist, noch lange nicht frei von Patentansprüchen sei.

Wiederholung

Ein Position, die eigentlich nicht sonderlich neu ist, immerhin hatte sich Apple genau mit dieser Argumentation - und dem Hinweis auf befürchtete, unbekannte "U-Boot-Patente" - schon gegen die Wahl von Theora als Default-Format für HTML5-Video gestemmt, dies übrigens gemeinsam mit Nokia. Was allerdings sehr wohl eine neue Qualität darstellt, ist die Offenheit mit der Jobs ein Szenario kommender Klagen zeichnet: Derzeit werde gerade ein Patentpool erstellt, in dem Ansprüche gegen Theora - und andere freie Codecs - gesammelt werden sollen, um in Folge dann gegen diese vorzugehen. Wer diesen Pool erstellt, und ob Apple daran beteiligt ist, wird in der Kürze des Mails nicht ausgeführt.

Reaktionen

Eine Aussage, die auch bei Monty Montgomery für unüberhörbare Verärgerung sorgt: "Sollte das Mail von Jobs echt sein, wäre dies ein öffentlicher Fauxpas", so der Chef von Xiph, jenes Unternehmens unter dessen Federführung Theora entwickelt wird. Schon vor zehn Jahren habe Thomson Multimedia mit Klagen gegen das Audio-Codec Ogg Vorbis gedroht - ohne dass jemals etwas daraus geworden ist. Insofern sei er gespannt, ob dieses Mal reale Schritte folgen, bisher sei man jedenfalls noch nicht einmal kontaktiert worden, was in so einem Fall wohl recht früh passieren müsste.

Monopol

Montgomery wirft Apple in diesem Zusammenhang auch vor, dass das Unternehmen so tue, als hätte es ein Monopol auf Videocodecs - und zwar in Form des vom Unternehmen favorisierten, proprietären H.264. Offenbar glaube man zunehmend, dass es an sich illegal sei, mit Apple in Konkurrenz zu treten.

Update, 15:00

Wie einige LeserInnen im Kommentarbereich richtig herausgestrichen haben, lässt sich aus dem Kommentar von Jobs nicht eindeutig herauslesen, wer den erwähnten Patentpool zusammenstellt und schlussendlich "durchsetzen" soll. Im ursprünglichen Artikel wurde insofern fälschlicherweise behauptet, dass Apple selbst entsprechende Klagen plane, die Redaktion entschuldigt sich für diese Fehlinterpretation und hat Artikel und Überschrift zwischenzeitlich entsprechend angepasst. (apo, derStandard.at, 03.05.10)

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