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Griechen-Bashing ist in, und die Hiebe sind nicht ganz unverdient. Lebenslange Waisenrenten unverheirateter oder geschiedener Beamtentöchter wurden zum Symbol sorgloser Prasserei von Phäaken auf Kosten tüchtiger und sparsamer Nord- und Mitteleuropäer. Wir bekämpfen umso erbitterter, was wir uns selbst schmerzlich versagen – oder weniger meisterhaft beherrschen: schamlos erfolgreich Schwindeln und „über die Verhältnisse leben.“
Doch „Griechen“ sind in uns und unter uns. Auch wir geben diesen Versuchungen tagtäglich nach: Kärnten ist Österreichs Griechenland und unser Pensionssystem (nicht nur in Kärnten) voll verführerisch „griechischer“ Praktiken – nicht nur für Militär, Polizei, Bahn, Bauern, Beamte, (National) Banker, Altpolitiker und Sozialbürokraten. Die Hypo-Alpe-Adria allein kostet uns mehr Steuereuros als Athen.
Eine Kärntner A-Beamtin bezieht 350.000 Euro mehr Pension als eine Bundesbeamtin und diese ebenso viel mehr als eine Akademikerin in der Privatwirtschaft – und wir Österreicher mit 525.000 bis 608.000 Dollar Lebenspensionssumme 39% mehr als Deutsche, 45% mehr als OECD- und 127% mehr als US-Bürger. Solche „Ruhegenüsse“ trotz Rekordfrühpensionen (90% vor 65) heißen bloß, dass trotz höchstem implizitem Beitragssatz (31%) an die PV-Kassen 30% der zugesicherten Pensionen nicht gedeckt sind; bei 24% Beitragslücke im Privat- und 49% im öffentlichen Sektor.
Doch während sich Frankreich alarmiert, 2050 könnte jede fünfte Pension nicht mehr aus Beiträgen gedeckt sein, bleiben wir bei jeder dritten 2010 ungedeckten Pension ultracool ungerührt. Ist das gelebter Stoizismus – oder doch bloß Blödheit, Todessehnsucht und Lust am Untergang, Funèbre mit Pomp&Trara?
Griechenland ist illiquid und insolvent. Ersteres wird durch Hilfspakete von IWF und EU vertagt und kritische Zeit gewonnen, Letzteres wohl nur durch Umschuldung aufzufangen sein. Strauss-Kahn’s Deflations-Szenario – Senken von Nominallöhnen und Preisen – wird bei weiterer Realitätsleugnung nicht funktionieren. Proteste gegen überlebensnötige Austerität erinnern an die Schrott-Airline Sabena: Piloten streikten noch am allerletzten „Werktag“ für höhere Gagen.
Was sonst ist aus der griechischen Tragödie zu lernen? Schwindeln geht leicht; aber nie dauerhaft. Billiges Geld konsumieren statt investieren ist sündteuer – es vernichtete in den USA seit 2000 Privatvermögensbildung von 20 Jahren. Zum Abbremsen der Schuldendynamik bräuchte Athen bis 2014 sechs Prozent Budgetüberschuss: Noch nie hat ein Staat so kurzfristig 20% Haushalt eingespart.
Mit Deflation droht anhaltende Wachstumsschwäche, wobei ein Prozent weniger Wachstum minus 20% Altersvorsorge oder zusätzliche fünf bis sechs Jahre länger arbeiten bedeutet. Auch außerhalb Griechenlands sind die alternsbedingten Ausgaben 20 Mal die Kosten von Finanzcrash und Weltwirtschaftskrise; also jedes Jahr bis 2030 die Kosten der Notpakete 2009. Ohne einheitliche EU-Wirtschaftspolitik wird sich der Euro längerfristig auflösen, und zwar von der „harten“ Nord-Euro-Währungszone her. Und der Süden könnte „Argentinien“ ab 2001 werden – hoffentlich ohne fünf Präsidenten in 13 Tagen und gewalttätige Cacerolazo mit zig Toten. (Bernd Marin, DER STANDARD; Printausgabe, 4.5.2010)
meines Wissens nach waren früher Pensionen wesentlich niedriger als Arbeitseinkommen - abgesehen von wesentlich weniger Pensionsbeziehern
und heute?
es gibt wesentlich mehr Pensionsbezieher die oftmals gleich oder mehr Geld/Pension beziehen, als Arbeiter/Angestellte verdienen!
Das das nicht gutgehen kann, ist wohl klar ?
Nein?
dann sind Sie Pensionistenvertreter oder Po litiker ! Volksschülern wird das wohl klar sein!
Der Kommentator übernimmt einfach unbesehen die Denkmuster der Finanzwelt und hinterfragt nicht einmal mit einem Halbsatz ob die Wirklichkeit auch so ist, wie sie uns diese Finanzer vordenken.
Dabei wäre Nachdenken angesagt. Dann sieht man schnell, daß in unserem System ein paar grundlegende Löcher drin sind, durch die bestimmte Kreise ihren Profit mit der Scheibtruhe heimführen und alle anderen übrig bleiben.
Es geht auch anders!
Besteuerung von Besitz und Erbe. Entlastung von Arbeit und Belastung von Gewinnen und Erträgen. Einrichtung eines stabilen Umlageverfahrens für die Alterssicherung, Einführung einer Grundsicherung, Mindest- und Höchstlöhne, Verstaatlichung aller Banken u.v.m.
Damit hätten Politiker etwas fürs Volk tun können.
Das mit der steuerhinterziehung/Nichtbezahlung hat er Marin weggelassen. Vielleicht meint er aber, man sollte auf die Pensionen verzichten und mit den nicht bezahlten Gewinnsteuern seine Pension finanzieren.
woraus folgt: österreich ist kärnten - denn DAS hat Marin gesagt.
da werden sich aber jetzt alle kärntenbasher freuen! dahin kommt man halt, wenn man blindwütig drauflos berserkert.
oder trifft dieses zu: menschen gegen menschen ist wie menschen, nur ohne hirn?
sollte man auch einfach der wahrheit ins auge schauen - unser wirtschaftssystem basiert auf durch schulden erzeugter nachfrage
also weiter schulden machen - aber direkt bei der ezb
so reguliert, dass eine stabile inflation von 2-3% erreicht wird
dass die ganzen geldvermögen real eigentlich eh wertlos sind ist auch kein geheimnis
hier ein etwas ausführlicher artikel zur "griechenlandkrise":
http://www.heise.de/tp/r4/art... 551/1.html
Das glauben nach der doch erst unlängst veröffentlichten Umfrage ohnehin schon rund 80% der Jungen. Ein "Pensionsstop" ist mehr als überfällig:
Umgehendes Aus für "Haklerpensionen" (die zumeist ohenhin nicht von schwer arbeitenden Menschen in Anspruch genommen wird).
Schnelle Angleichung des Regelpensionsalters der Frauen an das der Männer (wozu zig Jahre Übergang?)
Einfrieren hoher Beamtenpensionen
Sofortige Anpassung aller Landesbeamten auf Bundesrecht
Streichung des Häuplschen Urlaubsgeschenks an ältere Beamte (Frechheit sondergleich)
Deckelung der Summe staatlicher Pensionsleistungen an Einzelpersonen
Und da gäbe es sicher noch viel mehr...
Bei mir im Betrieb gehen im Sommer 2 Mitarbeiter "in Pension". Die Kollegen haben schon genug Jahre, da zahlt sich arbeiten nicht mehr aus. De fakto werden wir sie einvernehmlich kündigen, weil die Alternative ist quasi Arbeitsverweigerung. Solche Fälle hatten wir nämlich schon. Daher kündigen wir, obwohl wir die Mitarbeiter noch brauchen würden. Die beziehen dann eine abschlagsfreie Arbeitslose bis zur Pensionierung. Sozialwunderland Österreich.
Mir ist nicht bekannt, dass es eine derartige "aktuelle Logik" gibt.
Aber mich würde interessieren, was Sie den glauben, wo das Geld für den Aufenthalt der beiden hergekommen ist. Eigenes Vermögen? Legale Arbeit? Illegale Arbeit? Kriminalität? Geschenke?
doch - noch etwas : zieht die politiker/innen endlich STRAFRECHTLICHEN verantwortung. es kann doch nicht sein, dass wir von einer krise in die andere taumeln und unsere politiker/innen stehen wie gelähmt abseits. diese leute werden dafür bezahlt (und bekommen nicht wenig dafür), dass derartiges nicht passiert. der mensch ist das mass aller dinge - nicht "die wirtschaft"!
maastrichts sollte auf nationler ebene noch verschärft werden.
die verfassung sollte einen "nachhaltigkeitszusatz" bekommen, wo drin steht, dass in konjukturzeiten keine budgetdefizite existieren dürfen.
ansonsten fahren wir auf die selbe wand wie die griechen zu, nur etwas langsamer.
rechnet man verbindlichkeiten aus pensionen und gesundheitssystem zum defizit (die bei gegebener demographischer entwicklung mit versicherungstechnischer wahrscheinlichkeit zutreffen werden) wären alle industrieländer bei etwa 300% schulden/bip.
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