Hoher Besuch aus "neuer Achse des Bösen"

3. Mai 2010, 17:32
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Nordkoreas Diktator reist nach China, um sich Hilfe im Atomstreit mit USA zu holen

Pjöngjang sucht im Atomstreit mit den USA um Unterstützung Pekings nach. Dazu habe sich Nordkoreas Führer Kim Jong-il unmittelbar vor dem Beginn der internationalen Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags in New York (siehe Artikel oben) auf dem Weg in Chinas Hauptstadt gemacht, meldete Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap. Beobachter meldeten Montag früh, dass ein Sonderzug, mit dem Kim seit 2000 viermal Peking besuchte, den hermetisch abgeriegelten Bahnhof der Grenzstadt Dandong nach fünf Uhr früh passierte.

Kim soll, wie Hongkongs TV-Sender Phönix ergänzte, zu Mittag in der Hafenstadt Dalian eingetroffen sein, wo er Station machte. Dort habe ein Konvoi von 15 Limousinen auf den Zug gewartet. Dalian ist der wichtigste chinesische Hafen für Nordkoreas marode Wirtschaft, die immer abhängiger von Energie- und Getreidelieferungen aus China wird und im Gegenzug mit Rohstoffen und Erzen bezahlt. Nordkorea will mit Dalian eine Kooperation zum Ausbau seines Raijin-Ports und anderer Häfen vereinbaren.

Kim soll am Dienstag in Peking zum informellen Staatsbesuch eintreffen. Dabei wird von chinesischen Nordkoreaexperten erwartet, dass er sich zur erneuten Teilnahme seines Landes an den Sechs-Parteiengesprächen für die Atomwaffen-Abrüstung der koreanischen Halbinsel erklärt. Pjöngjang war 2008 aus den Verhandlungen ausgestiegen und hatte sich nach einem zweiten Atomtest zur neuen Atommacht ausgerufen. Es wird aber weltweit nicht als solche anerkannt.

Kims Besuch folgt nur drei Tage auf die Visite von Parlamentspräsident Kim Yong-nam, der offiziell Nummer zwei in der Machtelite der nordkoreanischen Führung ist. Der 82-Jährige reiste nach Schanghai, um dort den Expo-Pavillon Nordkoreas auf der Weltausstellung zu eröffnen. China hatte die Ausstellungshalle für Nordkorea direkt neben den Pavillon für den Iran gebaut, sodass Spötter über die "neue Achse des Bösen in Schanghai" flachsten.

Parlamentspräsident Kim traf zur Eröffnung der Expo mit Chinas Präsident Hu Jintao zusammen. Eine Stellungnahme chinesischer Behörden zum anstehenden Besuch des höchsten Führers Nordkoreas war am Montag nicht zu erhalten. Chinareisen des Diktators unterliegen höchster Geheimhaltung und wurden stets im Nachhinein bekanntgegeben. Am Sonntag traf eine große Operndelegation aus Pjöngjang in Peking ein. Die "große Show" sei eine Geste Kims an den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Verbündeten Nordkoreas, hieß es. (DER STANDARD, Printausgabe 4.5.2010)

  • Die Länder-Pavillons bei der Expo in Schanghai: Nord-korea (li.) neben dem Iran - für kritische Beobachter ein Grund zum Spötteln.
    foto: johnny erling

    Die Länder-Pavillons bei der Expo in Schanghai: Nord-korea (li.) neben dem Iran - für kritische Beobachter ein Grund zum Spötteln.

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