Journalisten als Zielscheibe

2. Mai 2010, 20:57
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Immer mehr Journalisten müssen vor Verfolgung fliehen - 136 Inhaftierungen seit Dezember - 2010 bereits 24 Journalisten getötet

Wien - Auf die dramatische Situation der Pressefreiheit weist der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) hin. Viele Journalisten müssten aus ihrem Land fliehen, um der Inhaftierung oder der Bedrohung gegen Leib und Leben zu entgehen, teilte der Verband anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit am 3. Mai mit. Heftige Kritik üben die internationalen Medienmacher an der Inhaftierung und Ermordung von Journalisten.

"Ungeachtet der in nationalen und internationalen Konventionen verankerten Rechte sehen sich Journalisten weiterhin häufig in Gefahr, nur weil sie ihrer Arbeit nachgehen und die Wahrheit berichten möchten - in der tiefen Überzeugung, dass die Berichterstattung über das, was sie beobachten, die Grundlage einer stabilen Demokratie ist", so Virginie Jouan vom Weltzeitungsverband. "Journalisten, die sich Schikanen, Todesdrohungen, Angriffen und Inhaftierungen ausgesetzt sehen, fürchten zu Recht um ihr Leben und sehen sich oft gezwungen, ins Exil zu gehen", so Jouan. "Dadurch wird ihnen oft die Grundlage entzogen, ihren Beruf als Journalist weiter auszuüben, und sie werden regelrecht mundtot gemacht."

Iran

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist etwa der iranische Fotojournalist Ehsan Maleki, der nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni 2009 trotz Verbots Bilder von einer Demonstration in Teheran aufgenommen hatte. Maleki wurde festgenommen, gab sich als Ingenieur aus, und wurde tags darauf wieder freigelassen. Bevor die Behörden erneut zuschlagen konnten, tauchte er unter und floh im August in den Irak. Seit November 2009 lebt Maleki in Frankreich im Exil. Seine Zukunftsaussichten schätzt er trist ein. "Der Arbeitsmarkt für Fotojournalisten hat sich weltweit verändert. Ich war ein guter Fotograf und wurde durch eine Agentur vertreten. Hier bin ich nur eine Nummer, bis ich eine Aufenthaltsgenehmigung erhalte. Ich darf nicht arbeiten, ich kann überhaupt nichts machen. Ich arbeite nur an meinen alten Storys", so Maleki in einem WAN-IFRA-Interview.

Am Journalismus zweifelt Maleki dennoch nicht. "Die Menschen, die nicht selbst vor Ort sein können, brauchen Informationen", begründet er seinen Einsatz. "Wir Journalisten haben die Aufgabe, diese Informationen bereitzustellen. Deshalb müssen wir auch die Freiheit haben, über das Geschehen zu berichten. Sonst mangelt es den Menschen an Informationen, und sie können nicht beurteilen, was wirklich passiert. Das gilt nicht nur für den Iran, das gilt überall."

Pakistan

Ein anderer Fall ist laut Weltzeitungsverband der pakistanische Journalist Mansoor Hassan Hashmi. Wegen seiner Recherchen über Ehrenmorde, hochgiftige Pestizide, Drogengangs und ungeklärte Morde wurde er zusammengeschlagen und war mehreren Mordversuchen ausgesetzt. "In dem Moment wurde mir klar, dass ich verschwinden musste." Heute lebt er mit seiner Familie in Großbritannien.

Dramatisch ist die Situation der Pressefreiheit laut WAN-IFRA aber auch im Hinblick auf Inhaftierungen und Ermordungen von Journalisten. Seit 1. Dezember 2009 wurden demnach weltweit 136 Journalisten inhaftiert, davon allein 24 in China, 23 im Iran und 22 in Kuba - oft unter katastrophalen Haftbedingungen und ohne jede Möglichkeit, mit ihrer Familie oder mit ihrem Anwalt sprechen zu können, so der Weltzeitungsverband.

Einer der prominentesten Häftlinge ist der iranische Journalist und Politikexperte Ahmad Zeidabadi, der unmittelbar nach der wegen Wahlbetrugs umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahl eingesperrt wurde. Zeidabadi wurde er von der iranischen Obrigkeit zu sechs Jahren Haft verurteilt und mit einem lebenslangen Berufsverbot als Journalist belegt. Zeidabadi wird vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien mit der Goldenen Feder der Freiheit 2010 ausgezeichnet.

Ermordet wurden im Vorjahr nicht weniger als 99 Journalisten, davon allein 37 auf den Philippinen. "Morde an Journalisten werden nur selten bis gar nicht aufgeklärt und bleiben vielfach ungesühnt", klagt der Weltzeitungsverband an. In den ersten Monaten 2010 verloren bereits 24 Journalisten in Ausübung ihres Berufes ihr Leben. Besonders dramatisch sei die Situation in der "Todeszone Irak". Laut Mitteilung des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) wurden seit dem US-Einmarsch mindestens 88 Morde nicht aufgeklärt. (APA)

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