Angriffe der Spekulanten: Die Krise ist ein Krieg

02. Mai 2010 19:46

Wer geglaubt hatte, die Finanzkrise sei vorüber und die Krise nur noch eine Frage der Zeit, hat sich getäuscht

Vor allem die am Beispiel Goldman Sachs demonstrierbare Auseinandersetzung zwischen einer von realer Ökonomie abgekoppelten Finanzwirtschaft und der Regierung Obama hat längst die Ebene eines Konflikts verlassen. Das ist Krieg, weil die an schnellem Profit orientierten Manager alle Strippen ziehen, um den US-Präsidenten öffentlich zu diskreditieren.

Nun hat ein Mann seine Stimme erhoben, der nicht in den Verdacht geraten kann, ein extremer Keynesianer zu sein oder gar ein Verfechter der Rückkehr zur Staatswirtschaft. Beim Munich Economic Summit hat der deutsche Bundespräsident Horst Köhler den modernen Finanzkapitalismus scharf angegriffen. Dieser steigere "seine Renditen ohne Rücksicht darauf, ob das dem Wohlergehen der Nationen nützt". Und er fügte hinzu: "Die Gewinne haben wenige gemacht, die Verluste muss die Allgemeinheit tragen." Diese Worte haben Gewicht, weil Köhler fachliche und genug internationale Erfahrung besitzt.

Die Adressaten von Köhlers massiver Kritik haben die bei der Einführung einer internationalen Transaktionssteuer und beim Verbot inakzeptabler Geschäftsarten zögerlichen Regierungen einfach ignoriert und ihre Praktiken weitergespielt. Wie Militärtaktiker, die auf Marktplätzen Volksredner sehen, aber keine Formierung von effizientem Widerstand.

Tatsächlich trägt ja auch die tragische Krise Griechenlands viele Charakteristika eines Kriegs. Niemand kann es wahrscheinlich beweisen: Aber Mutmaßungen, wonach Rating-Agenturen die griechischen Finanzen zum "Ramsch" heruntergestuft haben, weil ihre Hintermänner den Euro treffen wollen, kann man nicht von vornherein in den Bereich absurder Verschwörungstheorien verweisen. Hier wird nicht mit den Waffen herkömmlicher Arsenale gekämpft, sondern mit den Instrumenten von Heckenschützen und Killern.

Was Boulevardblätter mit Titeln wie "Wir schenken den Griechen Milliarden" in die Nähe der Fahrlässigkeit rückt, ist ein Medienverhalten, das die Situation noch verfinstert und den Spekulanten hilft. Einerseits sinkt in der EU-Bevölkerung die Zustimmung für die Finanzhilfen, andererseits ist der am Sonntag beschlossene Kreditrahmen von EU und Währungsfonds eine Rettungsaktion für den Euro. Nicht nur für die Griechen, deren angenehmes Leben vorbei ist.

Da die europäischen Regierungen sowohl bei der Bankensteuer als auch bei der Finanztransaktionssteuer immer von einem "international koordinierten Vorgehen" sprechen, greifen die Spekulanten zum Einsatz von Torpedos. Wir werden sehen, ob jetzt dann Portugal an der Reihe ist.

Aber genug der Bilder, zu denen man publizistisch Zuflucht nehmen muss, um die Dramatik der Lage zu illustrieren. Zu hoffen ist, dass die EU und die griechische Regierung selbst die Lage in den Griff bekommen. Damit sich die Vernünftigeren dem Kernproblem widmen können: Spekulanten das Handwerk zu legen.(Gerfried Sperl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2010)

 

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Dante Alighieri
07.05.2010 23:56

"Angriff der Schuldenmacher" wär eine deutlich ehrlichere Überschrift. Aber in der EU ist es halt grad in die Schuld stets anderen zu geben damit man ja nie die eigene Unfähigkeit zugeben muss.

Totaler Durchblicksstrudel
 
03.05.2010 17:40

Der Sperl scheint's hat den Durchblick auch etwas verloren. Wie sollten sich denn die Rating-Agenturen verhalten, wenn Deutschland sich fast einen Monat lang Zeit lässt (NRW-Wahlen, fraglich, aber nicht von der Hand zu weisen!) tatsächlich Nägel mit Köpfen machen zu wollen? Das Zaudern der Frau Merkel war übler als das Rating!
Den Köhler jetzt als Kronzeugen an zu führen ist wohl mehr als lächerlich. Der ist ja Opportunist, ärger geht's nicht mehr.
Und über Bild herzufallen, wenn man selbst nicht fähig ist ins Archiv zu schauen, setzt dem Ganzen ja die Krone auf!
Bezüglich der Berichterstattung zur Griechenland-Krise hat sich keine Zeitung hervor getan. Die besten Infos bekam man von woanders her; auch aus dem Forum des Standards!

3ch0
03.05.2010 16:49

Horst Köhler überdeckt mit seinen Worthülsen bloss das Handeln der Regierung.
Als 'extremen Keynesianer' würd ich ihn auch nicht bezeichnen, aber volkstreuer Kapitalistenjäger ist er beileibe auch nicht.
Immerhin hat er aus seinen pol. Spitzenpositionen und auch als IWF-Direktor stets dafür gesorgt dass seine Klientel (klar, die Hochfinanz) unter jeglichen Umständen bestens bedient wurde - deshalb ja nun auch die Präsidentschaft.
Als Mitglied der Trilateral Commision und "Ehrenpate jedes siebtgeborenen Kind einer Familie" hat er bestimmt auch noch seinen Zweck zu erfüllen...

Toxo Logic
 
03.05.2010 16:14

Wenn Spekulanten die Kurse nach oben treiben schießen die dann mit Viagra statt mit Torpedos? Wenn mit Fremdwährungskrediten und steigenden Aktienkursen (Tilgungsträger) verdient wird, sind sie dann die Guten und ihr Handwerk gehört gefördert, weil jeder mitschneiden will?
Spekulanten sind Verstärker von Tiefs und Hochs und nicht deren Ursache. Ohne Spekulation hätten wir die gleichen Krisen, vielleicht länger verschleppt aber dann in ihren Auswirkungen noch ärger.

wrrw
03.05.2010 14:57
Spekulanten?

Zu den Hauptrisiken an denen Griechenland leidet gehören ein ausuferndes Rüstungsbudget, ein der Bevölkerungsentwicklung nicht angemessenes Pensionssystem, eine schwächelnde Wirtschaft, schwindende Einnahmen durch Korruption und Steuerhinterziehung sowie nicht zuletzt eine Bevölkerung die Regierungen wählt denen diese Probleme relativ egal sind, ja die zum Aufstand mobil macht wenn Einsparungen notwendig werden.

Welche von diesen Faktoren kann man auf Spekulanten zurückführen?

4321
03.05.2010 17:26

spekulanten tragen nichst zu realer marktwirtschaft bei. es wird nicht in reales wachstum investiert, es wird gewettet. mit fatalen auswirkungen für die betroffenen länder wie man an ungarn, island, griechenland sehen konnte, an portugal, spanien, ... sehen wird. "der markt bewertet"? dann müssten die verschiedenen märkte sich ja unterschiedlich entwickeln - in wirklichkeit reagieren die aber alle gleich über einen 10 jahres zeitraum. weil alle "glücksspieler" darin aufgrund derselben "news" gleich reagieren! mit wirtschafts-zukunfts -real-investition hat das rein gar nichts zu tun, volkswirtschaftlich gehört das verboten!

Hans Müller1
 
03.05.2010 19:46
Was gehört verboten? Dass man Staaten Geld leiht?

4321
04.05.2010 15:47

das spekulieren gegen währungen - und ein absurdes wettsystenm.

fordern übrigens auch banker langsam öffentlich:
http://www.zeit.de/wirtschaf... and?page=4

volkswirte und ökonomen sowieso:
www.flassbeck.de (artikel linke Seite .pdf) - + div. youtube-links)

Wer Steuern zahlt, ist selber schuld!
 
03.05.2010 14:43
Die ach so bösen "Spekulanten" sind die Käufer der Staatsanleihen!

Und es ist logisch, dass sie höhere Zinsen verlangen.

Die Staaten v.a. in Europa haben jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt und einen Schuldenberg aufgetürmt, der angreifbar macht. Wer in die Verlegenheit kommt, um Geld betteln zu müssen, hat eben Pech. Schulden machen unfrei.

Aber ein bequemes Feindbild kommt den Politikern sehr gelegen, können sie doch die Schuld für jahrzehntelange Schlamperei dem Markt anhängen, wie sie es auch bei der Inflation schon immer tun.

her wig
03.05.2010 21:43
Illusionen sind teuer

Zinsen = Gewinnbeteiligung und der Kreditausfall ist die Verlustbeteiligung. Letzteres will aber keiner wahrhaben, auf die Zinsen will jedoch auch keiner verzichten. Daher muss man "retten", um die Illusion des risikolosen Profits aufrecht zu halten.

Hans Müller1
 
03.05.2010 13:52
Mei isses bequem einen Sündenbock zu haben der für alles

verantwortlich ist, da muss man sich nicht mit dem Versagen unserer Demokratien beschäftigen was verantwortungsvollen Umgang mit Schulden betrifft;
da müsste man sich am Ende noch Gedanken über sein eigenes Verhalten machen

01052004
03.05.2010 18:30
solange es en vogue ist,

weit über seine erhältnisse zu leben und von banken/institutionen dafür auch geld um geld in form vo kreidten reingestopft kriegt, wird sich nix ändern.

und es wird sich nix ändern, solange banken/spekulanten als berater der politischen verantwortlichen fungieren und diese pv's eben nicht für ihr tun (und lassen) gradestehen müssen.

in erster linie wird hier nicht "der euro" gerettet, sondern ein auf habgier und abzocke konzentriertes machtkartell...

mistvieh666
03.05.2010 13:48

liberalisierung:
der kapitalmarkt ist ein ziemlich perfekt liberalisierter markt.
wenn das das liberale paradies ist dann ist, dann sollten wir ueberall "mehr staat und weniger privat" fordern.
ansonsten schlagen sich die verlangerungen der gewinne von der realwirtschaft in die finanzwirtschaft seit 15 jahren auf mein persoenliches einkommen nieder, da gehts nicht um diese krise jetzt gerade.

fischkopp
03.05.2010 14:00

In GR hat "mehr Staat" direkt in die Pleite geführt, das kann´s also nicht sein !

asdf 1234
03.05.2010 18:50
Wenn derzeit jede/r, insbesondere die Ratingagenturen

S&P, Moody´s, Fitch auf Griechenland hinhauen, so ist das, wie wenn man/frau auf jemanden schlagen würde, der/die sich ohnehin nicht mehr wehren kann. Tolle Leistung das, anstelle schnell zu helfen, diskutiert man/frau, mind. ein Monat (ja Frau Merkel, es sind Sie gemeint!) warum, ob, wie man ev. hilft, bis erst vor kurzem gesagt wurde: "Ja, wir helfen!" Warum ging das nicht zwei Monate früher? Die Frage allerdings stellt sich, warum die drei Ratingagenturen nicht auf die horrende Staatsverschuldung der USA (107% des BIP) aufmerksam machen. Gleich viel wie Griechenland. Vielleicht gar deshalb, weil sich diese Herren in diesem Falle "in den eigenen Finger" schneiden würden?

Hans Müller1
 
03.05.2010 19:48
Weil es in den USA eine funktionierende Wirtschaft

und ein Steueraufkommen gibt

Sidlo
03.05.2010 13:05
Nicht das Spekulieren gegen den Staat ist das Problem,

sondern das Spekulieren auf staatliche Hilfe: Wenn Spekulanten zb. damit rechnen können, dass der Staaten im Notfall gigantische Summen aufwenden wird um ein Land wie Griechenland zu retten, dann werden sie diesem Land viel zu leicht Kredit gewähren und damit prächtig verdienen. Oder wenn Spekulanten damit rechnen, daß ihnen der Staat wegen Systemrelevanz im Notfall sicher zur Seite stehen wird, dann werden sie viel zu riskant inverstieren und damit Unsummen von Geld verdienen. Spekulation gegen den Staat wiederum hat in der Regel eine reinige Wirkung: Grundlegende Widersprüche im staatlichen Handeln werden so gnadenlos und frühzeitig aufgedeckt, was enormen Druck gegen ein weiteres Aufschieben des Problem erzeugt.

01052004
03.05.2010 18:37
frage:

was macht eine bank "systemrelvant"??? ich habs bis heute nicht kapiert...

größe kanns nicht sein (siehe lehmann: perdu und die usa gibts noch immer). kreditvolumen ebenfalls nicht (detto)...der einfluß auf politiker vielleicht??? oder muß man als bank eine gewisse menge an milliarden euros in zockereien investiert haben???

oder ist systemrelevant nur das, was die herren treichl, hampl, rohensteiner & co so gerne wären???

mistvieh666
03.05.2010 14:03
die spielregeln aendern das verhalten der spieler.

trivial, aber das ist auch der grunde, warum keynes ueberhaupt nicht mehr funktioniert.
das problem ist zb, dass einzelne spieler schneller reagieren koennen, als der staat spielregeln anpassen kann.
hat man komplizierte spielregeln (keynes) sind die viel leichter auszuhebeln, haben einfach mehr schwachstellen, als einfache (klassische oder monetaristische) spielregeln.
theorie dazu zb:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neue... %B6konomik

sebaestschn ...
03.05.2010 12:23
ich verstehe nicht, warum man da auf eine transaktionssteuer wartet

- die usa machen vermutlich nicht mit,
- was europa betrifft - die EU ist der stärkste Wirtschaftsraum der welt (nach BIP gemessen) - 3x mehr als China, mit ausreichend internen ausbaupotentialen - warum machen wir es nicht selbst?

- Steuer auf Börsentransaktionen für ALLE,
- Steuer auf "ausfuhr" und "einfuhr" von kapital ab Betrag EUR X (in der realwirtschaft nennt man es zölle btw),
- Die Banken müssen veröffentlichen an welchen Börsen wie viel Geld der Anleger steckt und wie viele steuern gezahlt wurden (das dürfte ausreichen um den "Spekulationscharakter" offenzulegen)
das wars - wenn man an der Wall Street spekulieren will - bitte sehr.
Börsen haben einen anderen Zweck als spekulation und so soll es auch bleiben.

Bastion der Vernunft
03.05.2010 17:21

Steuern auf EINFUHR von Kapital? Klingt wenig sinnvoll, sonst stimme ich Ihnen durchaus zu.

01052004
03.05.2010 18:38
natürlich

damit eine "einebnung" stattfindet und überall annähernd gleiche verhältnisse herrschen...

Geronimo 02
03.05.2010 12:22
hallo

solange es "lobbyisten" sooooo leicht mit politikern haben (dürfen) werden diese es immer und immer wieder versuchen, den einem oder anderen bis zum ruin zu treiben.
warum auch nicht?
niemand führt diese typInnen (politiker & spekulanten) zur verantwortung.
solange diese firmen, ja auch staaten und damit menschen bis in den ruinspekulieren können und dabei fette gewinne (na auch für's lobbying) einfahren, ohne je zur verantortung gezogen zu werden, wird es munter so weiter gehen.
schließlich was sind schon menschen wenn es um profite (und eigene gewinne geht) oder?
wer hat denn schon ramschfirmen wie s&p oder moodys und deren ramschmanager schon jemals hinterfragt oder gar zertifiziert?

Curd Hombre
03.05.2010 12:12
Und was macht man, um solche Spielchen künftig zu verhindern?

Nix - sogar das gegenteil - man füttert diesen Spekulationsmoloch anstatt dass man die Agentur Goldmann & Sachs, welche bei Griechenlands Betrügereien ordentlich mnitgeholfen hat, ordentlich mitbluten läßt (bis in den Ruin müßte man diese Agentur klagen)!

Also warten wir auf den nächsten Downgrade einer Bewertung; wetten auf Spanien und Portugal werden angenommen!

Toxo Logic
 
03.05.2010 11:43

Spekulanten sind nicht nur auf Short sondern auch auf Long, das vergisst der Herr Sperl.
Der Artikel ist vollkommen daneben und bewegt sich mit den Torpedo- und Heckenschützenvergleichen weit unter den Niveaus von Boulevardblättern.

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