Hellas-Banken am Tropf von IWF und EZB

2. Mai 2010, 18:47
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Eigener Hilfstopf - Notenbank sitzt auf hohem Bestand von Staatsanleihen - Herabstufung verschärft Lage

Für die Europäische Zentralbank wird die angespannte Lage in Griechenland immer heikler. Sorgen bereitet den in Frankfurt sitzenden Währungshütern nicht nur die Staatsschuldenkrise, sondern zudem die heikle Lage der Banken des Landes. Der Sektor refinanziert sich zu einem guten Teil über die Notenbank, indem er Staatsanleihen als Sicherheit für Liquidität hinterlegt.

Diverse Analystenberichte schätzen das Volumen der von der EZB angenommenen griechischen Staatsanleihen auf 17 Mrd. Euro. Seit der Eskalation der Krise sind die Banken des Landes fast zur Gänze auf Notenbankgelder angewiesen, da ihnen andere Kreditinstitute kein Geld mehr leihen. Die Zentralbank refinanziert laut einer Schätzung der Ratingagentur Moody's bereits 15 Prozent aller Verbindlichkeiten des Sektors. Der Zugang zu weiteren EZB-Mitteln sei "nicht unbegrenzt", warnt die Agentur.

Sicherheiten mit weniger Wert

Zudem werden mit der Herabstufung Griechenlands als Schuldner die Sicherheiten in Form von Staatsanleihen immer weniger wert. Die EZB sei gezwungen, aufgrund der Einbußen höhere Unterlegungen ("margin calls") zu verlangen, meint Citigroup-Ökonom Willem Buiter. Offenbar will die Notenbank den Sektor aber weiterhin über diesen Umweg unterstützen und akzeptiert daher bis einschließlich 2011 griechische Papiere als Pfand. Allerdings will die Zentralbank eine stärkere Abstufung nach Bonität der hinterlegten Papiere vornehmen. Einzelheiten dazu will die Notenbank im Juli veröffentlichen. Insgesamt sitzt der griechische Bankenapparat auf 42 Milliarden Euro an Staatsanleihen, womit die Veranlagung die Höhe des Eigenkapitals bei weitem übersteigt. Moody's hat neuen Banken des Landes herabgestuft. Die Agentur verweist auf das raue wirtschaftliche Umfeld. In anderen Worten: Der Schuldenabbau Griechenlands ist zwar gut für den Staat, aber schlecht für die Institute, weil die Kreditrückzahlung durch steigende Arbeitslosigkeit und höhere Steuern beeinträchtigt wird. Der Internationale Währungsfonds will nun im Rahmen des Hilfspakets einen mit 20 Milliarden Euro dotierten Fonds auflegen, der die Banken stützt.

Für die EZB ist Griechenland freilich nicht das einzige Problem. Auch Banken anderer Länder hinterlegen vermehrt Anleihen unsicherer Staaten zur Refinanzierung. Der Bestand der Notenbank hat sich laut einer Untersuchung des französischen Credit Agricole im Vergleich zum Vorjahr von 66 auf 226 Milliarden Euro erhöht. Ein Großteil des Anstiegs entfalle auf Anleihen aus Randstaaten der Eurozone, so die Analysten. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2010)

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