Gabmann unter Beschuss

2. Mai 2010, 18:22
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Aufsichtsratschef Christoph Herbst verlangt Aufklärung und schließt – falls notwendig – personelle Konsequenzen nicht aus

Wien - Als hätte der Flughafen Wien mit dem Terminalprojekt Skylink nicht genug Probleme, sorgt jetzt ein offener Brief eines anonymen Absenders für helle Aufregung: In dem Schreiben, das dem Standard vorliegt, wird Flughafen-Vorstand Ernest Gabmann (bis vor einem Jahr Vizelandeshauptmann in NÖ, ÖVP) massiv beschuldigt.

Gabmann habe das bisherige Management in seinem Bereich "degradiert und mit Weisung alle Aufgaben entzogen". Ausschreibungen im Skylink, Einkauf, Buchhaltung und Personalausschreibungen seien jetzt unter Gabmanns direkter Kontrolle. Die bisherigen Manager hätten nichts mehr mitzureden. Wenn Manager aufmucken, kämen Klaus Schneeberger (Klubobmann der VP-NÖ) und Lukas Mandl (ÖAAB-Generalsekretär) "und schreien mit ihm gemeinsam das gesamte schwarze Management zusammen und rufen den heiligen Krieg gegen die SPÖ aus". Den Mitarbeitern werde zudem mitgeteilt, dass Aufsichtsratschef Christoph Herbst "nichts zu melden hat" und sie jeden rausschmeißen sollten, "der den noch einmal anruft".

Acht Fragen

Herbst, vom Standard mit dem Schreiben konfrontiert, sagte, er habe Gabmann am Wochenende schriftlich acht Fragen gestellt und ihm für die Beantwortung bis Montag Zeit gegeben. Herbst, Anwalt im Zivilberuf und ein enger Vertrauter von NÖ-Landeschef Erwin Pröll, schloss Konsequenzen für Gabmann nicht aus - und er dürfte von dem Ex-ÖVP-Politiker eine eidesstattliche Erklärung verlangen, dass die Vorwürfe allesamt unrichtig seien. Gabmann, der seit einem Jahr im Flughafen-Vorstand sitzt, bekam von Herbst bis allerspätestens Montagabend Zeit zu antworten. Nachgefragt wird auch, ob es stimmt, dass Gabmann eine Büroeinrichtung für 35.000 Euro kaufte, die nun, weil sie offenbar doch nicht gefiel, im Keller stehe.

Flughafen-Insider berichten, dass zwischen Gabmann und Herbst seit geraumer Zeit Eiszeit herrsche. Gabmann wollte, so ist zu hören, einen externen Personalberater engagieren, der die Personalauswahl für den Flughafen machen sollte. Herbst habe das allerdings untersagt.

An Rechnungshofpräsident Josef Moser (der RH prüft Skylink) appelliert der Flughafen-Insider, auch die privaten Geschäfte Gabmanns in Schrems und die Auftragsvergabe beim Skylink zu hinterfragen. "Gabmann arbeitet nur in die eigene Tasche." Der Standard distanziert sich ausdrücklich von den Anschuldigungen. Gabmann wies die Vorwürfe deutlich von sich.

SPÖ bleibt nicht verschont

Auch die SPÖ wird in dem Schreiben nicht verschont: Wiens Bürgermeister Michael Häupl habe Flughafensprecher Herbert Kaufmann "zur lebenden Leiche gemacht". Kaufmann lähme den gesamten Betrieb. Keine Entscheidung werde getroffen, "nicht einmal die kleinste". Wien und Niederösterreich sind mit zusammen 40 Prozent die Hauptaktionäre des börsennotierten Airports. Eine vorzeitige Ablöse Kaufmanns schien heuer schon auf Schiene, wurde allerdings aus Angst vor möglichen Auswirkungen auf die Wiener Wahl wieder abgeblasen. Kaufmanns Abgang wurde verschoben, wahrscheinlicher Take-off nun: das Jahresende. Weil die Vorstandsverträge erst 2009 um fünf Jahre verlängert wurden, würde Kaufmann die volle Laufzeit ausbezahlt bekommen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2010)

 

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    Bis vor einem Jahr noch ÖVP-Politiker und seither Vorstand des Flughafens: Ernest Gabmann ist für Skylink zuständig. Vorgeworfen wird ihm u. a., dass er eine Büroeinrichtung um 35.000 Euro erwarb, die nun im Keller stehe.

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