Der Kick des Käfigs

2. Mai 2010, 17:43
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Die Wiener Käfige sind seit Jahrzehnten Hotspots des urbanen Straßensports. Nun findet die 2. "Käfig-WM" statt, die kulturelle Differenzen beseitigen will

Österreichs Jahrhundertkicker Herbert "Schneckerl" Prohaska hat hier begonnen. Auch der frühere Rapid-Mittelfeldstürmer Ümit Korkmaz sowie Jungtalent Marko Arnautović, heute bei Inter Mailand, haben in den Sport-Käfigen ihre Weltkarrieren gestartet. Hier haben sie trainiert und ihre ersten Kickertricks erprobt, wo auch heute die Jugend bei Fußball, Basketball oder Beachvolleyball zusammenkommt. Vom Gürtel über den Stadtpark bis hin zum Gemeindebau, die sogenannten Käfige sind aus dem Wiener Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Am Samstag, den 1. Mai, fiel der Startschuss für die zweite Wiener Käfig-Meisterschaft, die an den Erfolg im vergangenen Jahr anknüpfen will.

Orte gelebter Integration
Es gibt über 300 Käfige, die auf die 23 Wiener Gemeindebezirke verteilt sind. Die Käfige sind nicht nur Sportplätze - sie sind Hotspots der urbanen Kultur und ein Beispiel gelebter Integration. In ihrer Alltags- und Lebensnähe ist die Wiener Käfig-Meisterschaft einzigartig. Die "Käfigsportler" haben ihren eigenen Lifestyle, sie treffen sich nicht in Vereinen, sondern definieren sich als Straßensportler.

Barrieren überwinden
Ein wichtiger Aspekt für die beiden Turnier-Initiatoren Geronimo Hirschal und Peko Baxant war die Tatsache, dass man auf der Straße mit den Menschen ins Gespräch kommt - insbesondere mit Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Background. Das macht den Käfig zum idealen Ort, an dem kulturelle und soziale Barrieren aufgebrochen werden. "Wesentlich ist auch das Durchbrechen geschlechtlicher Barrieren, da Mädchen hier mit Burschen zusammenkommen. Im gemeinsamen Spiel wächst der Respekt für die gebrachte Leistung", betont Baxant den emanzipatorischen Anspruch des Events.

Vom Versuchsballon zum Bombenerfolg
Geronimo Hirschal, Chefredakteur des Magazins Nightline, hatte die Idee zur Käfig-WM. Gemeinsam mit Projektkoordinator Peko Baxant hat er "alle Kräfte und Ressourcen mobilisiert, um das Projekt 2009 als Versuchsballon auf die Beine zu stellen", so Baxant. "Und es hat eingeschlagen wie eine Bombe, da konnten wir auch die letzten Zweifler überzeugen", erklärt er und verweist auf über 300 SportlerInnnen und 80 Teams, die im vergangenen Jahr teilgenommen haben.

Selbstbewusstsein und Team-Gefühl
Peko Baxant erklärt eine weitere Botschaft, die die Käfig-WM transportieren soll: "Hier erfahren die jungen SportlerInnen, dass sie gleichberechtigte und wichtige Mitglieder der Gesellschaft sind. Es geht um die Stärkung ihres Selbstbewusstseins durch sportliche Anerkennung, das Transportieren von Fairness und das Herausbilden des Wir-Gefühls im Team." Die Jugendlichen können sich außerdem auf gewohntem Terrain beweisen. Die Aussage der Initiatoren an die Kids ist klar: "Wir holen euch nicht auf einen 'schicken' Sportplatz, wo ihr normalerweise nicht spielt. Wir kommen dorthin, wo ihr täglich gemeinsam trainiert, wo ihr gemeinsam lacht, weint, gewinnt und verliert."

Dass der Käfig einer der Orte ist, wo sich der Alltag der Jugendlichen abspielt, macht es zu einem authentischen Event. Und dieser Ansatz wird auch an die Zuseher weitergegeben. "Da jubelt dann der Herr Moser von der 3-er Stiege dem 16-jährigen Mehmet zu. Das verbindet!", so Baxant.

Flair überträgt sich auf Passanten
Langfristig ist es geplant, die Käfig WM zu einer Wiener Institution - wie das Donauinselinselfest oder die Wiener Festwochen - zu machen. Und das Potenzial ist ganz klar vorhanden. Die Atmosphäre ist nicht anders als auf einem Vereinsturnier: Jeder Teilnehmer ist mit Engagement, Ehrgeiz und Spaß dabei. Den "Kick" am Käfig-Sport liefert die Straßenatmosphäre. Anrainer, Touristen, Familien und Freizeitsportler können jederzeit Teil vom Spiel werden. Peko Baxant bringt es schließlich auf den Punkt: "In Wien werden die Menschen in Käfigen nicht eingesperrt - in Wien kommen die Menschen in Käfigen zusammen."

 

23 Bezirksturniere bis zur Finalrunde
Die zweite Wiener Käfigmeisterschaft startete am 1. Mai, dauert bis zum 19. Juni und findet jeden Samstag statt. Gespielt wird bis zum Finale auf dem Donauinselfest in bis zu drei Käfigen in unterschiedlichen Bezirken - und zwar Street Soccer (4 gegen 4), Streetball (Basketball: 3 gegen 3 auf einen Korb) und Beachvolleyball (2 gegen 2). Die Käfig-WM richtet sich an Burschen und Mädchen zwischen zehn und 25 Jahren. In jedem Bezirk wird ein Bezirksmeister ermittelt, die dann beim Finale auf der Donauinsel um den Meisterschaftstitel in den drei Kategorien gegen einander antreten. Bei der Teilnehmeranzahl gibt es keine Begrenzung: Anmeldungen werden bis zum Freitag vor den Turnier-Samstagen angenommen.

Link:

Käfig-Meisterschaft

 

  • Die zweite Wiener Käfigmeisterschaft startete am 1. Mai und  dauert bis zum 19. Juni. Die Gespielt wird jeden Samstag in ganz Wien.
    foto: eva zelechowski

    Die zweite Wiener Käfigmeisterschaft startete am 1. Mai und dauert bis zum 19. Juni. Die Gespielt wird jeden Samstag in ganz Wien.

  • Die Käfig-WM richtet sich an Burschen und Mädchen zwischen zehn und 25 Jahren
    foto: eva zelechowski

    Die Käfig-WM richtet sich an Burschen und Mädchen zwischen zehn und 25 Jahren

  • "Anrainer, Touristen, Familien und Freizeitsportler können jederzeit Teil vom Spiel werden."
    foto: eva zelechowski

    "Anrainer, Touristen, Familien und Freizeitsportler können jederzeit Teil vom Spiel werden."

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