Führende Zeitungen geben Wahlempfehlung ab

2. Mai 2010, 17:13
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Labour-Premier Brown hat kaum noch Unterstützer

Ein neuerlicher Rückschlag für den Premier Gordon Brown: Die Wahlaufrufe der britischen Zeitungen spiegeln das Umfragetief für die regierende Labour-Partei wider. Während konservative Medien wie der Economist sowie das Traditionsblatt The Times zum ersten Mal seit 1992 wieder die Wahl der Tories befürworten, laufen traditionell der Labour Party nahestehende Medien wie der Guardian und der Observer zu den Liberaldemokraten über.

Linke für Liberaldemokraten

Der Leitartikel des linksliberalen Guardian spricht sogar von einer "enthusiastischen Wahl" für die bisher dritte Kraft der britischen Politik. Unter ihrem Chef Nick Clegg hätten die Liberaldemokraten eine glänzende Kampagne gefochten: "Sie stehen für grundlegende politische Reformen." Die von derselben Stiftung herausgegebene Sonntagszeitung The Observer schreibt von der "radikalen, positiven" Agenda Cleggs. Der Independent on Sunday ruft seine Leser zur taktischen Stimmabgabe auf. Das beste Resultat fürs Land, so die Leitartikler, wären ein parlamentarisches Patt und eine Koalition aus Labour und Liberaldemokraten. "Wir wollen die Labour Party nicht auf ein Rekordtief reduzieren."

Die Blätter des US-australischen Medienzars Rupert Murdoch, darunter das Qualitätsblatt The Times und die Boulevardblätter The Sun und News of the World, stehen geschlossen im konservativen Lager. Nach drei mehr oder weniger begeisterten Wahlaufrufen für Labour macht sich der renommierte Economist nun für David Camerons Konservative stark, allerdings mit großen Einschränkungen. "Wir können weder den EU-feindlichen Parteiflügel leiden noch die Polemiken über Großbritannien als ‚kaputte Gesellschaft‘." Cameron habe "die Wähler nicht überzeugt, dass er der richtige Mann für einen Neuanfang" sei. Er sei aber das geringste Übel. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 3.5.2010)

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