Da ist die Luft heraußen

Guido Gluschitsch, 2. Mai 2010, 17:18
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    foto: werk

Martin schaufelt Luft in die Reifen jenes Fahrrads, das Doris den Winter über verwildern lassen hat. Er bemüht sich, geizt am Ende aber doch ein wenig mit der Luft

Im hinteren Eck des Innenhofes stehen zwei junge Damen und ziehen an ihren Zigaretten, vorne steht Doris und zieht ihre Augenbrauen hoch, um besser sehen zu können, wie Martin zieht und drückt. Im Oktober hat Doris ihr Fahrrad nur halbherzig an den Ständer gekettet, weil sie es eh bei nächster Gelegenheit wieder benutzen wird – und diese Gelegenheit ist gerade eben. Nur dem Fahrrad kommt Doris‘ Wunsch nicht gelegen heut. Aus den Reifen ist komplett die Luft heraußen. Deswegen reißt es den Martin neben dem Hinterrad auf und ab. Der müht sich an einer Pumpe ab, um wieder Luft in die Reifen zu bekommen. Doris gibt sich dem Schauspiel der Muskeln hin, wie die Damen im Hintergrund ihren Lungenpatschen-Stechern – mit einem gewissen Genuss.

Ein kleiner Schweißtropfen hängt an Martins Nase, die Stirn glänzt in der Sonne, und das feine Hemd pickt schon ein wenig am Rücken, als er sich aufrichtet und Doris fragt: "Greif einmal, ob es passt." Die Doris reißt es kurz – anscheinend war sie in Gedanken jetzt nicht ganz bei der Sache – und zwickt dann in den Reifen, indem sie auf die eine Flanke den Zeigefinger legt, auf die andere den Daumen und zusammendrückt. Doris richtet sich auf, zieht die rechte Augenbraue hoch und kneift das linke Auge zusammen: "Ein bisserl noch, hm?"

Die Nagelprobe
Martin pumpt also weiter. Die zweite Luftdruckprobe macht er selbst, indem er mit dem Daumen den Reifen in Richtung Felge drückt. "So, jetzt muss es passen", meint er und stöpselt seinen Handkompressor am Vorderrad an. Die Schweißtropfen, die sich nicht mehr auf der Nase halten können, zielen knapp an der Pumpe vorbei zu Boden. Martin atmet mit der Pumpe um die Wette, bis er auch befindet, dass der Vorderreifen ausreichend mit Luft gefüllt ist. Wieder nimmt er den rechten Daumen als Manometer-Ersatz, drückt auf den Reifen und nickt. Er packt die Pumpe zusammen und geht zwischen den beiden rauchenden Damen ab.

Doris fährt nur schnell zur Apotheke. Den Luftdruck überprüft sie nicht weiter. Hat sie auch noch nie. Und dass sie eher mit zu wenig als zu viel Luft im Reifen fährt, sieht man an den Flanken. Die sind gesprungen, als wäre der Reifen schon viele Jahre alt. Aber das ist er vermutlich auch. Das Rad von Doris hat nicht den ersten Winter im Freien verbracht, und die Reifen waren anscheinend jedes Mal mit dabei.

Der richtige Luftdruck
Doris fährt eh nur maximal einen Bezirk weit – dann stellt sie ihr Rad wieder ab. Und es stört sie auch nicht, wenn der Rollwiderstand durch den geringen Luftdruck höher ist, dafür radelt sie ein wenig komfortabler durch die Stadt. Weniger Luftdruck heißt aber auch mehr Grip. Bei Mountainbikes kann das im Gelände einen gravierenden Unterschied machen – deswegen, und wegen der breiten Reifen, fahren die Offroader mit eher wenig Luftdruck und pumpen nur drei bis vier bar in die Pneus. Je schmäler der Reifen, desto höher der richtige Luftdruck. Bei Straßenrädern sind rund vier bar die komfortable, sechs bar die sportliche Grenze. Die ganz Sportlichen fahren ihre Rennräder oder auch manche Fixies mit bis zu neun bar. Bis zu dreizehn bar pumpen laut Wikipedia Bahnradfahrer in die Reifen. Da bleibert nicht nur dem Martin mit seiner Handpumpe die Luft weg, sondern auch der Pumpe und den rauchenden Damen.

Übrigens: Die Temperatur hat auch eine Auswirkung auf den Druck. Wer in der Früh, in der kühlen Radl-Garage, die Reifenluft für einen Sommerausflug am vor Hitze schimmernden Donauinselradweg richtet, sollte das bedenken. Und das Gewicht des Fahrers wirkt sich ebenfalls auf den Reifendruck aus – aber auch darauf, wie stark der Reifen komprimiert wird. Deshalb sollten schwerere Radler eher mit mehr Luft fahren. Aber so gesehen macht es wieder nichts, wenn die Doris mit so wenig Luftdruck fährt.

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Posting 1 bis 25 von 67
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silverbridge
00
19.7.2010, 12:40
Das mit dem Luftdruck stimmt so nicht.

Im Reifen von RR kommen zwischen 7 bis 9 bar und bei MTB zwischen 2,1 bis 2,9 bar fürs Gelände und bis 4 bar auf der Strasse. Aber Achtung es gibt MTB Mäntel die dürfen max. 3,5 bar aufgeblasen werden. Schlaulose Reifen vertragen nur etwa 75% des Drucks von gleichgroßen Schlauchreifen. Also vorher mal auf den Mantel schauen, das steht meist drauf. Faustregel: Je breiter der Reifen desto geringer der Luftdruck. Mehr dazu auf www.schalbe.com

Zu schwach aufgepumpte Reifen haben auf der Strasse ein hohes Unfallrisiko, vor allem in den Kurven.

Brahmstein B
00

peppig gschriebn, macht spaß

Neuer Nick neues Glück
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Die Überschrift passt leider auch hervorragend zur Kolumne.

Juxta Poz
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Hallo Guido, alte Staubmaus.

Ein Fahrradartikel jagt den anderen.

Miss Deutung
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Wie sind die Bewertungen für das KTM Life Sport?

gonzalo guerrero
00
a late opinion on this subject:

es hängt natürlich immer davon ab, was einem wichtiger ist. das ktm life sport würde ich nur dann kaufen, wenn meine präferenz ein voll ausgestattetes alltagsverkehrsmittel mit sehr geringem gewicht wäre. willst du dafür aber tatsächlich das völlige fehlen von federungselementen in kauf nehmen? ein gutes licht ist fein für nachtfahrer, aber auch billigere modelle sind durchaus brauchbar. mit diesen bremsen erzielt man das gewichtsminimum, aber nicht unbedingt die allerbeste bremswirkung. wobei, auch hier die frage, was sind denn die anforderungen? letzten endes, eine menge "wenn-dann". tendentiell würde ich eher dazu raten, sich nach anderem umzuschauen, auch von wegen preis-leistungs-verhältnis und so.. und viel freude mit dem neuen radl!

Miss Deutung
00
13.5.2010, 19:29

Danke für die Rückmeldung.
Zu den einzelnen Punkten nach drei Jahren Besitz, zwei Jahren extensiver Nutzung (ja, ich schäme mich, aber der Heimweg ist immer so steil, s.u.):

* Federung geht mir nicht ab (innerstädtische Nutzung, fallweise überland Radwege);
* Licht ist in der Nacht sensationell (vor allem das Nachleuchten ist in der Stadt extrem praktisch);
* Bremsen sind tatsächlich schwach - am Weg in die Stadt sind es 100hm innerhalb von 1km, das ist kaum zu derbremsen (fahre ungern über 40km/h, siehe unten);
* Geradeauslauf ist eher schwach, freihändig fahren kann ich nach drei Jahren noch immer nicht (kein Vergleich mit dem Waffenrad davor).

Gibt's Tips für die Bremsenoptimierung?

ljack
00
24.5.2010, 07:49
Bremsen

Entweder weichere Bremsbeläge verwenden oder gleich eine bessere Bremse.
Sehr empfehlenswert weil wartungsfrei sind die Magura HS11 bzw. HS33. Ordentlich Bremspower (aber natürlich nicht auf Scheibenbremsniveau) und was besonders wichtig ist: die Kraft lässt sich perfekt dosieren, in dem Moment wo man ein bissl weniger Druck auf den Hebel ausübt, reagieren auch schon die Bremsgummis. Großartig bei schlechten Wetterverhältnissen! :-)

Miss Deutung
00
24.5.2010, 14:01

Danke!
Na, da werd ich gleich mit dem Radlschrauber des Vertrauens reden, ob er sowas verkauft.

01052004
00
ich empfehl dem armen martin ein bisserl mehr fitnesstraining

vom fahrradreifenaufpumpen so arg ins schwitzen kommen ist doch ein zeichen von absoluter untrainiertheit...wie gehts ihm denn beim v**eln??? zweimal und gut ists??? armer tropf...

ravenna
01
Der Autor des Artikels...

...braucht eine Gender-Nachhilfe. Der Artikel verstärkt ganz massiv die bereits bestehenden stumpfsinnig sexistischen Geschlechter-Stereotypen. :-)

gaisbock
02
der GLU

sollte besser den Auto- und Mopedfahrer/innen den Sinn des richtigen Reifendruckes begreiflich machen. Als Radfahrer mache ich fast täglich Autofahrer auf ihre fast platten Reifen aufmerksam. Einmal morgens ums Auto rumgehen ist der erste Schritt zur Besserung.

leitfaden
023
lieber standard: darf ich als abonnentin einen wunsch äußern?

ich wünsche in der rad-rubrik mir keine halbwitzigen klischee-artikelchen mit geringem informationswert mehr. und keine über mehr oder weniger skurriles zubehör (radsteifen zum mitnehmen...). oder nicht als einzigen inhalt.

ich wünsche mir stattdessen kompetente berichte über probegefahrene räder unterschiedlicher bauarten und hersteller. über lieferanten und händler. über preise und ausstattung und (vor allem!) gewicht der räder.

halt alles, was bei autos und motorrädern zum journalistischen standard gehörerte.

bloody-nine
 
04
vollinhaltliche zustimmung

und für den "radsteifen zum mitnehmen" (sic!) gibts einen extrapunkt

gonzalo guerrero
00
um der wahrheit die ehre zu geben

die inserateinnahmen kommen eben woanders her und diese artikel sind im grunde eine peinliche alibiaktion, die oberflächlich aber gut kaschiert ist. gö, glu.

Neuer Nick neues Glück
01

Dafür bräuchten wir einen Schreiberling, der auch Rad fahren kann...

Miss Deutung
00

Mir auch bitte - bin übrigens auch Abonnentin.

-Gruber-
05
Druck und Temperatur

Vom Keller auf den brüllend heißen Radlweg ändert den Druck grad mal so um 5-7%. Bei 5 Bar sind das so um die 0,3 bar, also nicht bedenken, sondern vergessen.

Zwetsch Genbaum
00
"...ändert den Druck grad mal so um 5-7%."

Wirklich?
Woher haben Sie die Zahlen? Selbst gemessen? Ich habe mich immer schon gefragt wieviel der Unterschied wohl ist.
Es wäre nett wenn Sie Genaueres schreiben könnten!

-Gruber-
00
Selbst gerechnet

Die Physik sagt: p/p0=T/T0, wobei die Temperatur in Kelvin, also absolut, zu nehmen ist. Umgeformt gibt das: p=p0*(T/T0).

p0 ist der Ausgangsdruck, sagen wir im Keller, mit den angenommenen 5 Bar.

T0 ist die Kellertemperatur mit 291°Kelvin (273°+18°)

T ist die Temperatur des brüllend heißen Radlweges mit 313°Kelvin - auch wenn der Weg selber heißer wird, der Reifen sicher nicht (Fahrtwind).

Somit p=5*(313/291)=5,38 Bar oder etwa 7,6%.

Wenn der Reifen in der Sonne steht und auf 60° Celsius erwärmt würde, wären es im Reifen grade mal 6 Bar Höchstdruck. Da passiert noch lange nichts.

Hope this helps!

LG

I*r*r*s*i*g*l*e*r i*s*t m*ü*d*e
00
Heisser Tip für blosses Routinenachpumpen: Luft

von der Tankstelle. Mit (winzigem) Adapter für jedes Ventil möglich.

Pumpe selbst seit Jahren nur mehr im Patschen-Notfall; mit der mitgeführten Minipumpe. Und auch da nur wenn keine CO2-Pumpe dabei.

Neuer Nick neues Glück
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Leider schaffen die Pumpen an den meisten Tankstellen meine 8,5 bar nicht.

Miss Deutung
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Können'S für die Co2-Pumpe eine Empfehlung abgeben?
Wo kriegt man sowas um wieviel?

Zwetsch Genbaum
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SKS war bis jetzt immer gut.

Ich hab den Rennkompressor von denen.
CO2-mäßig haben die z.B.:
http://www.sks-germany.com/sks.php?l... 1293200000
Wobei ich eine normale Pumpe besser finde. Die geht immer, auch ohne Patronen.

Neuer Nick neues Glück
00

Im Schnitt kriegst den Adapter plus eine Kartusche um 10 Euro. Höchstens.
Nimm kein tolles Gerät mit Pipapo, sondern einen ganz simplen Aufsatz - mehr brauchst du nicht.
Nachfüllkartuschen kosten 1-2 Euro das Stück.

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