Re-Naturierung einer Insel

2. Mai 2010, 17:28
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Cousin wurde von einer Kokos-Plantage in einen Lebensraum für viele Spezies umgewandelt

Victoria/Norwich - Bis vor wenigen Jahren war sie noch eine Kokos-Plantage, jetzt nimmt sie allmählich wieder ihr natürliches Gesicht an:  Die 29 Hektar kleine Seychellen-Insel Cousin wurde von der Organisation Nature Seychelles  in mühevoller Kleinarbeit re-naturiert, ehemals dort heimische Tier- und Pflanzenarten wurden wieder auf Cousin angesiedelt. "Cousin ist ein perfektes Beispiel für ein erfolgreiches Naturschutzgebiet geworden", meint der Molekularökologe David Richardson von der University of East Anglia in Norwich. Die Re-Naturierung der Insel hat für Flora und Fauna ausschließlich Vorteile gebracht: Große Kolonien von Seevögeln nisten hier, im Inselinneren tummeln sich Geckos, Echsen und Riesenschildkröten sowie seltene Rote Landkrabben und Einsiedlerkrebse.

"Um allerdings das Naturparadies zu schaffen, mussten alle Kokospalmen gerodet und durch heimische Flora ersetzt werden", erklärt Nirmal Shah, Geschäftsführer von Nature Seychelles. "Heute sind die meisten Pflanzen auf Cousin endemisch. Damit ist die Insel die einzige der Seychellen, die großteils frei von artfremder Flora ist. Doch für den Erfolg muss permanent gekämpft werden", fügt er hinzu, denn Samen von Papayas oder anderen Pflanzen treiben in dem günstigen Klima schnell aus.

Keine Bioinvasoren

Zumindest eine günstige Voraussetzung für die Re-Naturierung war gegeben, die bei weitem nicht alle Inseln haben: Cousin ist niemals von Mäusen, Ratten und Katzen besiedelt worden. Das war die Rettung für die zahlreichen Vogelarten, aber auch für die Reptilien, da es auf sehr vielen indo-pazifischen Inseln keine heimischen Landsäugetiere gibt. Trotz der Kokos-Plantage blieben auch die endemischen Arten von Grasmücken, einer Vogelgattung, die Richardson seit längerem erforscht, erhalten. "Mitte der 60er-Jahre gab es nur etwa 25 bis 30 Individuen. Heute sind es rund 320 erwachsene Vögel, die es auf der Insel gibt", freut sich der Ökologe.

"Cousin ist zudem der wichtigste Nistplatz der Karettschildkröten im westlichen Indischen Ozean geworden", so Shah. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der nistenden Meeresschildkröten verachtfacht. "Cousin wird heute nur von Wildhütern bewohnt. Doch steht auch Touristen ein Besuch der Insel mit dem Boot von Nature Seychelles offen. Gegen eine Gebühr darf man mit den Wildhütern die Insel besuchen", erklärt Richardson. Dass Tourismus eine wesentliche Rolle für den Erfolg ist, bestreitet Shah nicht. Doch müsse sichergestellt werden, dass damit keine Bedrohung für die Flora und Fauna einhergeht. "So ist es verboten, Muscheln oder Schnecken am Strand zu sammeln", erklärt Shah. Ein gutes Management sei jedenfalls der Schlüssel für den Erfolg, meint Richardson

Folgeprojekte möglich

Nature Seychelles will nun das erfolgreiche Modell auch auf andere Inseln übertragen. "Um jedoch erfolgreich zu sein, müssen zunächst Katzen und Ratten vernichtet werden", so Shah. "Anschließend pflanzen wir Wälder und bringen die Vögel zurück. So haben wir in den vergangenen zehn Jahren fünf Inseln re-naturiert", erklärt der Experte. (pte/red)

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