Tiere beim Sex filmen: Ein Gehört-sich-nicht?

02. Mai 2010 17:23

Filmexperte mahnt Recht auf Privatsphäre ein - Tiere zeigen, "dass sie im Moment lieber nicht beobachtet werden wollen"

Norwich/Zürich - Anstoß zu einer Diskussion, mit der nicht viele gerechnet haben dürften, gab nun ein britischer Filmanalytiker: Wie sieht es eigentlich mit dem Recht von Tieren auf Privatsphäre aus? Brett Mills von der School of Film and Television Studies der Universität East Anglia veröffentlichte einen Artikel in der Fachzeitschrift "Continuum. Journal of Media and Cultural Studies", in dem er die Ergebnisse seiner Studie über eine Naturfilmreihe der BBC präsentiert. Seine Bilanz in Kurzform: Naturfilmer verletzen häufig das - nirgendwo garantierte - tierische "Recht" auf Privatsphäre, besonders wenn intime Momente wie Paarungen oder Geburten gezeigt werden. Ethische Grenzen würden dabei überschritten.

Grundsätzlich gesteht Mills Tierdokumentationen durchaus hohen Wert zu: "Durch ihre Aufklärungsarbeit haben sie eine entscheidende Rolle für die Mobilisierung von Bürgern in Umweltdebatten." Aus dem Spiel bleiben dürfe dabei jedoch nicht die Ethik, für die laut Mills neben Menschenrechten auch die Rechte der Tiere und deren Wohlergehen entscheiden würden. "Klingt es auch verrückt, auf ein "Tierrecht auf Privatsphäre" zu pochen, so können wir nie wirklich wissen, ob Tiere ihr Einverständnis geben. Vielmehr geben sie oft zum Ausdruck, dass sie im Moment lieber nicht beobachtet werden wollen."

Kamera nicht willkommen

Als Beispiel führt der Filmanalytiker die auf BBC laufende Szene eines unter der arktischen Eisschicht gefilmten Narwals an, der vor der Kamera ganz offensichtlich zurückweicht. "Statt ihn alleine zu lassen, berichteten die Filmemacher, ihre neue Kameratechnik erlaube es, das Tier weiter zu verfolgen. Man fragt sich stets, wie Tiere gefilmt werden sollen - nicht jedoch, ob es überhaupt angebracht ist", so Mills. So wie Menschen sollte man auch der Tierwelt ein Recht auf Intimität zugestehen, besonders etwa bei der Paarung oder beim Gebären - Momente, in denen auch die meisten Menschen keine ständige Beobachtung wünschen.

Können und sollen

Es gehe hier nicht um den klassischen Tierschutz, erklärt der Züricher Tieranwalt Antoine F. Goetschel. "Dem Tier wird durch das Filmen der Intimität kein messbares Leid zugefügt. Allerdings ist es eine Frage des Umgangs mit dem Tier, da es durch solche Aufnahmen sehr wohl verdinglicht und ein Stück auch erniedrigt wird." Grundsätzlich sieht der Experte Tierfilme als "eindeutig bessere Alternative" zur Tierbeobachtung im Zoo oder im Zirkus, zudem hätten sie Großes für das Verständnis der Menschen über Tiere geleistet.

Empfehlungen zum richtigen Umgang gibt es schon länger. Bereits 1994 veröffentlichte das Europaparlament eine "Entschließung zum Wohlergehen und dem Status von Tieren in der Gemeinschaft". Dabei wird an die Filmwirtschaft appelliert, nicht unkritisch Szenen zu übertragen, die die Würde des Tieres verletzen. In der Schweiz ist die Würde des Tieres in der Bundesverfassung verankert. "Man sollte nicht alles technisch machbare auch durchführen. Vielmehr geht es hier darum, Mut zur Lücke zu zeigen anstatt alles bedenkenlos aufzunehmen, was vor die Kamera gerät", empfiehlt Goetschel.

Reaktion der BBC

Die Naturfilm-Abteilung der BBC rechtfertigt in einer Stellungnahme ihr Vorgehen. "Die Filmtechnik ist mittlerweile so fortgeschritten, dass Naturfilmer Tierverhalten mit der geringsten möglichen Störung des Tieres filmen können. Die Filmer arbeiten eng mit den Wissenschaftlern zusammen, die die Komplexität des Tierlebens untersuchen." Für Goetschel noch keine befriedigende Antwort, zumal die Frage der Tierwürde nicht behandelt wurde. "Die BBC hat sich bisher einen hervorragenden Namen mit Tierfilmen gemacht. Es wäre gut, wenn sie auch in diesem Gesichtspunkt eine Vorreiterrolle einnimmt." (pte/red)

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Dr. Schland
07.08.2010 14:56

Ziemlich absurd, nicht ernstnehmen.

Mim103
20.07.2010 13:58
"Allerdings ist es eine Frage des Umgangs mit dem Tier, da es durch solche Aufnahmen sehr wohl verdinglicht und ein Stück auch erniedrigt wird."

Beim Thema Erniedrigung und Verdinglichung von Tieren gibt es weit größere Übergriffe als durch Spannerei, z.B. lebenslange Einzelhaft, Massentierhaltung und Mord. Dies mehr in den Medien zu Thematisieren würde den Tieren mehr bringen.

beinstein
26.05.2010 08:14
EV. LIEGT DAS..

an der einseitigen verklemmten betrachtungsweise der menschen?
wenn sich die viecherl mitten unter ihren artgenossen paaren, dann sind sie da wohl viel unbelasteter als einige (viele), aus der so vernunftbegabten spezies homo sapiens, die jedoch viel weniger unbehagen haben, bei mord und totschlag gegen mensch und tier zuzusehen.

Tschortschy
20.05.2010 09:07
haben wir keine anderen probleme??

immer des gleiche mit diesen wichtigmachern

epep
12.05.2010 17:33
bin neugierig wann..

..der stephen spielberg in wissenschaftsmagazine veröffentlichen darf.

epep
12.05.2010 17:20
"Ein Gehört-sich-nicht?"

demnach, weil sie sich ja doch filmen lassen (auch wenn sich der filmemacher einbildet "das sie das zeigen"), sind die ganzen tiere lauter schweinderln und würden sich, wären sie menschen, dauernd mit langen mänteln (und sonst nix) in parks herumtreiben..

Mynnia
 
12.05.2010 15:17
Najaaa...

Ich bin mir bei technischen Geräten ned sicher, ob Tiere das mitkriegen. Bei Gesichtern würde mich eher das Gegenteil wundern - wir haben Augen mit riesigem Augenweiß, die müssen den meisten höheren Viechern sehr schräg vorkommen, also entweder starren wir angst- oder wutverzerrt, denn wann sieht man das Weiße im Auge sonst?. Und wenn wir dann noch lächeln...Zähne...uaaahhhh!
Es ist kein Wunder, dass einiges bei Kopfhindrehen wegrennt und -fliegt.

Aber ob technische Geräte wirklich als Beobachtung empfunden wird, das wäre interessant rauszufinden. Und dann erst kann man mal die Konsequenzen ziehen.

Zoolöwen erscheinen mir übrigens da als rechte Exhibitionisten, die scheinen lieber laut und schön sichtbar vor Leuten als alleine, äh, ja.

epep
12.05.2010 17:23
denk ich auch so..

..dazu müssten sie erstmal wissen was das technische gerät überhaupt ist, das es nämlich zur beobachtung dient. ich nehm an, es ist einfach ungewohnt und deswegen agieren sie aggressiver, aber nicht weil sie "beobachtet" werden.

Gefrierflügelverpacker
11.05.2010 14:59

Interessant! Ich muss zugeben, ich liebe Tierdokumentationen, auf der anderen Seite stehe ich der ganzen Wissenschaft dahinter, sehr kritisch gegenüber.

Worin liegt z.B. der Grund, einem Tiger oder anderen Tierarten ein Halsband anzulegen? Ich weiß schon, man kann somit deren Lebensraum und Gewohnheiten besser nachvollziehen, aber dann...was will man damit erreichen...jetzt mal abgesehen von dem menschlichen Kalkül, das dahinter steckt, ein Tier zu "kategorisieren"...dann sind halt im Lexikon nicht 10, sondern 100 Geheimnisse und Gewohnheiten entdeckt worden.

Das Problem ist, dass die Wissenschaft gierig ist und keine Grenzen kennt, und vor allem, dass sie sich nur durch den Vorgang selbst identifiziert.

epep
12.05.2010 17:22
ich glaub sie haben wissenschaft nicht so richtig verstanden..

und die wissenschaft zieht mehr grenzen, als die politik und wirtschaft gerne hätte.

zuerst denken und dann quatschen, wäre die nächste lebensweissheit, die ich für si eauf lager habe.

Gefrierflügelverpacker
18.05.2010 11:59

ihr 0815 gelaber hat mir kein bisschen mehr an lebensweisheit gebracht, davon abgesehen sind sie persönlich geworden, anstatt argumente vorzubringen.

davon abgesehen - bitte keine belehrungen und runter vom hohen ross!

konski
10.05.2010 13:30
madremia

sex ist höchstinteressant und unglaublich skurril. das unglaublichste video war eines über die paarung von nacktschnecken (ohneschmäh): gefunden auf http://scienceblogs.com/pharyngula/
einfach irre, das will ich sehen ohne von moralbiologen behelligt zu werden: http://www.youtube.com/watch?v=CKPBCXdR6yo

NotDarkYet
10.05.2010 12:50
Wenn sie nicht gefilmt werden wollen,

dann sollen sie sich gefälligst ein Zimmer nehmen!

epep
12.05.2010 17:24
und die vorhänge zu ziehen.

Busson2
10.05.2010 10:43

Und dass die Tiere immer nackt gefilmt werden, das fiel mir schon vor Langem auf.

Helge Remsgard Remsgard
09.05.2010 20:00

einfach nur

ROFL

Horst73
09.05.2010 12:38

Mein Hund bespringt vor Zuschauern so einiges....
Vielleicht sollte Ich einen Gang zum Tierpsychiater in Erwägung ziehen, da er es offensichtlich nicht in trauter Zweisamkeit bei einem Candlelightdinner macht

epep
12.05.2010 17:31
da müssen sie ihm aber ein schönbes beispiel abegeben haben..

..als er noch jung war!

:-P

Vorpotsky
08.05.2010 17:38
"Tiere beim Sex filmen: Ein Gehört-sich-nicht?"

... fragt der Standard und stellt demonstrativ ein Tiersexfoto in die Auslage. Danke für Ihre Meinungsäußerung ^^

Fine Tuning
08.05.2010 14:22
Empfinde solche Szenen

meist als fehl am Platz und voyeuristisch. Ein Grund weshalb ich mir diese Tierdokus oft nicht ansehe.

Finde außerdem, dass nicht unbedingt bis ins letzte Detail gezeigt werden muss wie ein Tier vom anderen erbeutet, getötet und verzehrt wird.

jaws
17.05.2010 14:45

Schräg, ich dachte immer, ich steh mit meinem diesbezüglichen Unbehagen allein auf der Welt da!

OGHaha
07.05.2010 19:28
Es sollte sich mal jemand über das Wohlergehen der Metalle Gedanken machen.

Auf tausende Grad erhitzt, mit Hämmern windelweich geklopft und Ende nie. Gerade wurden wieder 100 Tonnen im Meer versenkt, viele müssen im Weltall herumfliegen, einige haben sogar schon das Sonnensystem verlassen.
Als Gold in einer Krone war ja noch ein ruhiges kommodes Auskommen, aber heute am Hals von Hinz und Kunz...
Die UNO sollte dringend einen "Metallschutztag" ausrufen;-)

Olivio Tasso
07.05.2010 15:03
Geh bitte

unter dem "Deckmantel der Wissenschaft" geht alles

in der Tat
07.05.2010 13:58
Wer nicht beobachtet werden will soll absperren, Punkt.

Kopflos
07.05.2010 11:44

Da Tiere (zumindest die meisten) das Prinzip einer Kamera nicht nachvollziehen können und es für ihre Lebenswelt völlig blunzn ist, kann ich mir kaum vorstellen, daß das Filmen oder Fotografieren ihre Würde verletzt. Aus eigener Beobachtung weiß ich allerdings genau, daß unsere Pferde es überhaupt nicht mögen, wenn man über sie lacht, nach einem Hoppala etwa oder wenn man ihnen doofe Hüte aufsetzt oder ähnliches. Da sind sie regelrecht beleidigt und es dauert einige Zeit, bis sie wieder auf einen zugehen. In dieser Hinsicht haben sie also durchaus ein bestimmtes Konzept von Würde, das auch respektiert werden sollte.

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