Read my Lipstick

2. Mai 2010, 17:19
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Dass der Mensch mit Höflichkeit besser lebt, gilt als Binsenweisheit. Ob sie auch zufriedener macht, muss bezweifelt werden

Dass der Mensch mit Höflichkeit besser lebt, gilt als Binsenweisheit. Ob sie auch zufriedener macht, darf hingegen, nein, muss bezweifelt werden. Denn auch Wut will verdaut werden, erst recht, wenn sie von der eigenen Bescheidenheit ausgeht.

Die Wut fing ich mir unlängst beim Einparken ein. Nicht, weil das Zwutschkerl von Stadtflitzer, wie die Herren Audi-Maxisten diverse Kleinwagen anpreisen, in die Frauen Kinder und Wochenendeinkauf hineinzwängen müssen, in die Parklücke nicht hineingefunden hätte. Auch nicht, weil das abgedroschene Vorurteil endlich einmal bestätigt worden wäre.

Nein, ich war ausnahmsweise höflich, wollte den Ausparker aus seinem Schrägparkplatz herauslassen und dabei die Nachkommenden nicht behindern. Also: Blinker links raus, in komfortablem Respektsabstand links ranfahren, damit sich die Meute ordnungsgemäß rechts vorbeischlängeln kann. Der Plan ging auf, zwei Limousinen passierten uns famos.

Zu famos, wie sich herausstellte. Denn als sich der Opa mit seinem garagengepflegten Noch-nicht-Oldtimer endlich aus dem Abstellplatz herausgeschält hat (wie lang der für die sichtlich zu selten geübten Manöver aus seiner Autohütte braucht, wollen wir gar nicht wissen!), setzt ein Schnösel zum Überholen an und drängt sich und seine auffrisierte Karre in meinen Parkplatz.

Den darauffolgenden Dialog ersparen wir Ihnen – auch aus ästhetischen Gründen – ebenso wie Details über die auf der Windschutzscheibe des Parkplatzräubers applizierten kreativen Botschaften. Dafür dürfen wir von Scheibenreinigung in mehreren Durchgängen berichten. Lippenstift auf der Scheibe ist nämlich ein Hund. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/30.4.2010)

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Ich schreib die Botschaften nicht mit Lippenstift, weil ich keinen hab.

Ich kombiniere Autoschlüssel und Motorhaube.
Geht auch nicht leich weg.

Siiiiie!

Ach, Siiie waren das!
Uuuunglaubliche Frechheit!

Siiiie!!!

Ah Siiiie woan des! A Frechheit - wenn's regnet, siech i de Schmirage imma nu! ;-)

ich finde aggression im straßenverkehr unnötig. höchstens dass ich vor mich selber ein bisschen rumschimpfe, aber jemanden anderen? zahlt sich garnicht aus. und in gegenden, wo ich um einen parkplatz kämpfen muss, fahr ich schonmal garnicht, wenn es sich ned vermeiden lässt. da park sogar ich ein paar ubahn stationen entfernt und fahr dann mim proloschlauch.

Blöd, wenn man in so einer Gegend wohnt.

Fight the Power

oder so ähnlich

Und was lernen wir daraus?

Den Unverschämten gehört die Welt! So wie "im richtigen Leben" halt auch...

Aber die Idee mit dem Lippenstift finde ich interessant! Bedauerlicherweise habe ich selten einen mit :-)

selten?

also manchmal doch.
aha.

1) Ich habe kein eigenes Auto, sondern leihe mir nur ab und an eines mittels Carsharing aus...

2) Wenn ich mit einer Beifahrerin unterwegs bin, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass sich ein derartiges Ding in ihrem "wohlfeilen Chaos" genannt Handtasche findet...

4)

Man braucht nur zu beobachten, wie Schüchterne für etwas Partei ergreifen, dann erkennt man, dass ihre Denkmethode der Krampf ist. Auf diesem Umweg lässt sich auch die zivilisierende Wirkung der Teetasse greifen, die man einem in die Hand gibt. Da gab es einen Fechtlehrer, der einen Schüler danach beurteilte, wie er seinen Kaffee umrührte. ;-)

3) selber,die Schüchternheit ist.Ich habe einen Menschen,der schüchtern war,einmal öffentlich über ein Problem der Grammatik diskutieren hören,sein Tonfall war der lebhaftesten Hasses.U da Leidenschaften ansteckender sind als Krankheiten,verwunderte

es mich gar nicht,das selbst harmloseste Meinungen so oft voll Wut geäußert werden,meist in daran nur eine Art Schrecken schuld,den der Klang der eignen Stimme u die vergeblich gegen sich selber unternommen Anstrengungen dann noch vermehren.U es ist durchaus möglich, das Fanatismus primär Unhöflichkeit ist,denn es bleibt einem nichts anderes,als auch das, was man unbeabsichtigt ausdrückt,schließlich zu empfinden.Danach wäre Fanatismus ein Produkt der Schüchternheit der Furcht nämlich,das,was man glaubt,nicht genügend zu verteidigen,das heißt aber (da Furcht unleidlich ist) der wachsenden Wut gegen sich selber u alle anderen, welche selbst unsichersten Meinungen eine fürchterliche Gewalt gibt.

2) die Kehle zugeschnürt ist u die Schultern verkrampft sind.Diese Schulterhaltung kann sogar aus einem Höflichkeitsakt eine Unhöflichkeit machen.Zuviel gespielte Selbstsicherheit u gestaute Kraft. Fechtlehrer pflegen zu sagen: zuviel Nachdruck,

tatsächlich ist Fechten eine Form der Höflichkeit,von der bequem Wege zur Höflichkeit überhaupt führen.Alles, was Gewaltsamkeit u Unbeherrschtheit verrät,ist unhöflich,das Zeichen genügt.Unhöflichkeit ist immer eine Form der Drohung.Die weibliche Anmut zieht sich in diesem Fall Schutzsuchend zurück.Was wird ein Mensch,der aus schlecht beherrschter Kraft zitiert erst sagen,wenn er in Zorn gerät u sich hinreißen läßt?Kraft schließt Höflichkeit keineswegs aus,im Gegenteil sogar,Höflichkeit ist sozusagen Kraft in der zweiten Potenz – Gewalt, die Gewalt hat über sich.
Ein unhöflicher Mensch ist auch dann noch unhöflich,wenn er allein ist,jede seiner Bewegung erfolgt mit zuviel Aufwand.Man spürt,die gestaute Leidenschaft u jene Furcht vor sich

Also Höflichkeit muss ebenso gelernt werden wie Tanzen. Die Schwierigkeit besteht darin, die Regeln zu kennen und sich ihnen entsprechend zu bewegen. Betrifft das Äußerliche der Sache, man sollte es dahin bringen, die Steifheit und Befangenheit zu verlieren, das heißt ohne Furcht zu tanzen. So bedeutet es nur wenig, die Regeln der Höflichkeit zu kennen, selbst wenn man sie befolgt, befindet man sich allenfalls auf der Schwelle. Die Bewegungen sollen genau sein und weich, die dürfen weder Anstrengung noch Unsicherheit verraten, denn die geringste Unsicherheit teilt sich sogleich mit. Was aber wäre eine Höflichkeit, welche beunruhigte?
Ich habe schon des öfteren festgestellt, dass es einen Tonfall gibt, der bereits als solcher erklären, dass

Hier passt noch a Konfuzius

"Beobachte, wie er handelt, betrachte seine Motive und untersuche, wann er seine Ruhe findet. Wie könnte er noch etwas verbergen."

an @ Parkschwein

Genial, Ihre Nickauswahl !


Der Hund is a NEID - der NEID is a Hund.

an @ Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.

Interessante Kommunikationsstrategie.

Sie sagen den Kollegen auch erst dann die Meinung, wenn sie bereits am Weg in die Kantine sind?

Üben Sie weiter!

Unhöflich ist, Foren mit seiner Meinung zu verstopfen.

Unhöflich sind auch Eigenheiten beim Tippen, die das Lesen erschweren.

Höflichkeit muss mMn nicht erlernt werden, solange man einem anderen Lebewesen mit Respekt gegenübertritt und fair behandelt sind alle beteiligten glücklich. Das hat nichts mit einstudierten Handgriffen oder Floskeln zu tun.

War das jetzt

ein Geständnis über eine Sachbeschädigung Fr. Ungeböck?

geh bitte, der Text ist doch frei erfunden. Als Pressefuzzi muss man sich in seinem Job ständig irgendwelche "interessanten" Geschichten aus dem Kreuz leiern die "zufällig" zum gewünschten Ressort passen.

Daß das Ganze ein Gschichtl ist, erkennt man sofort daran, daß der Opa von heute einen dieser potthäßlichen SUVs fährt.

kommt drauf an

wie alt die verfasserin des textes selbst ist. als ich 15 war, war jeder über 25 für mich ein opa. andererseits würde es mich wundern, wenn im stadtrand 15jährige regelmäßig schreiben dürften. obwohl, wenn ich genau überlege....

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