Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit neuem Autobahn-Projekt - Minister soll zehn Millionen Euro veruntreut haben
Pristina - Die EULEX-Rechtsstaatsmission im Kosovo hat am Donnerstag
bestätigt, dass die am Mittwoch im kosovarischen Verkehrs- und
Telekommunikationsministerium sowie in Privatwohnungen von mit dem Ministerium
verbundenen Personen vorgenommenen Durchsuchungen mit mehreren Ausschreibungen
für den Straßenbau in der Zeitspanne 2008-09 stehen würden.
Die Durchsuchungen
seien vom Ermittlungsrichter des Kreisgerichts von Pristina genehmigt worden,
teilte die Mission mit. Kosovarische Medien berichteten zuvor, dass eine Hausdurchsuchung auch beim
Minister Fatmir Limaj selbst, dessen Bruder und bei Nexhat Krasniqi, dem Einkaufschef des Ministeriums, unternommen worden sei.
Dringlichkeitssitzung
Wie die serbische Nachrichtenagentur Tanjug meldet, trafen wegen der
EULEX-Aktion am Mittwochabend der kosovarische Premier Hashim Thaci, EULEX-Chef
Yves de Kermabon sowie die Botschafter der fünf westlichen Mitglieder der
Kosovo-Kontaktgruppe - USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien
- zusammen. Der Dringlichkeitssitzung wohnte auch der Ex-UCK-Kämpfer Limaj bei.
Informationen des britischen Geheimdienstes zufolge soll ein kosovarischer Minister
mindestens zehn Millionen Euro veruntreut haben. Wie einheimische Medien
berichteten, sei Premier Thaci bereits vor geraumer Zeit ein entsprechendes
Geheimdienstdossier zugestellt worden. Der Chef der internationalen
Zivilverwaltung im Kosovo, Pieter Feith, forderte den Regierungschef daraufhin
auf, einen Minister zu entlassen, weil er in Korruption verwickelt sei. Offenbar
handelt es sich dabei um Limaj.
Das Verkehrsministerium hat vor wenigen Tagen den Auftrag für den Bau der ersten Autobahn im Kosovo an das US-türkische Baukonsortium Bechtel & Enka vergeben. Auch gegen Premier Thaci selbst wurden kürzlich Korruptionsvorwürfe erhoben. der Regierungschef baut laut "Süddeutscher Zeitung" derzeit am Rande Pristinas eine riesige Villa, die er kaum mit seinem Gehalt von ca. 1500 Euro finanzieren kann. (red/APA)