Aktion

Ein Zusatz-Felsbrocken für den Dachstein

30. April 2010 15:21

Konzeptkünstler Ai Weiwei schickte seinen Beitrag zur "regionale" per Schiff auf die Reise

Graz - Einen großen Brocken bringt der chinesische Konzeptkünstler und entschiedene Regimekritiker Ai Weiwei (geb. 1957 in Peking) im Rahmen des steirischen Kulturfestivals "regionale" im Juni in die Obersteiermark: Er lässt ein vier Tonnen schweres Felsstück, das sich beim Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan im Mai 2008 gelöst hatte, auf den Gipfel des Dachstein transferieren. Dieser Tage wurde der Stein in China auf die mehrwöchige Reise geschickt.

Die Arbeit "Hoher Dachstein" markiert den höchsten geografischen Punkt der Steiermark - und des Festivals, das vom 2. Juni bis 14. August im obersteirischen Bezirk Liezen stattfinden wird. Die Aufstockung des 2.995 Meter hohen Berges an der steirisch-oberösterreichischen Grenze auf rund 3.000 Meter liegt dennoch nicht in seiner Intention. "Es geht vielmehr um die Sichtbarmachung der Kraft der Natur, aber auch der des Menschen", so "regionale"-Intendant und Projektverantwortlicher Dietmar Seiler.

Die Aussage

Ein Zusammenhang mit den Opfern des schweren Erdbeben in der südwestlichen Provinz Sichuan, bei der auch mehrere tausend Schüler in ihren wie Pappkartons zusammengefallenen Schulen getötet wurden, sei zwar gegeben, stehe aber nicht im Zentrum der Land-Art-Arbeit, so Seiler. Ai hat sich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder für die Klärung des Schicksals hinter dem Tod der Kinder eingesetzt. Mehr als 5.000 Namen von toten Kindern hat Ai Weiwei schon dokumentiert, damit sie nicht in Anonymität vergessen werden. In der aktuellen Arbeit für die Steiermark gehe um die Wechselwirkungen zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen sowie "der Kraft des Menschen, der es unter anderem schafft, einen vier Tonnen schweren Stein aus China auf die Spitze eines Berges in Österreich zu hieven - und der Gewalt der Natur, die sich beispielsweise bei einem Erdbeben verdeutlicht", interpretierte Seiler.

Der Aufwand, den Felsbrocken auf den Dachstein zu bringen, ist tatsächlich enorm: Dieser Tage wurde er in Peking verladen, mittlerweile "schwimmt" er dem Hafen von Rotterdam entgegen, wo er in rund vier Wochen eintreffen soll und dann mit einem Lkw-Transport in die obersteirische Ramsau transportiert wird. Von dort wird er dann mit einem Schweizer Hubschrauber - in Österreich steht kaum ein entsprechendes Fluggerät für solche schweren Lasten zur Verfügung - auf den Gipfel geflogen.

Das Festival wird am 2. Juni im obersteirischen Trieben eröffnet und dann an unterschiedlichen Schauplätzen im gesamten Bezirk Liezen stattfinden. Geht der Transport wie geplant über die Bühne, sollte die "Einweihung" des Dachstein-Projektes sollt dann am 11. Juni stattfinden. (APA)


"regionale10", Kulturfestival im Bezirk Liezen, 2. Juni bis 14. August. Ai Weiweis Arbeit kann im Rahmen einer vier- bis fünfstündigen geführten Bergtour besichtigt werden.

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25 Postings
prof. hans wurst
10.05.2010 09:09
Politische Dissidenten

aus kommunistischen Ländern werden im Westen oft überschätzt. Man erinnere sich nur an viele DDR-Dissidenten, die im Westen während des kalten Krieges hoch gehandelt wurden und nach der Wende ganz schnell in der Versenkung verschwanden.

Als gesellschaftspolitisches Projekt mag es in China neu und mutig sein, an die toten Schulkinder erinnern - aber als Kunst ist weder das noch die Aufstellung des Felsbrockens neu und innovativ.
Betroffenheitskunst ist nicht automatisch gut.

Wittgenstein
02.05.2010 14:45
Oh meimei

plant als Gegenstück dazu 20 000 Liter Wasser aus China in den Attersee zu schütten.

werwolfi
01.05.2010 22:40

"Die Aufstockung des 2.995 Meter hohen Berges an der steirisch-oberösterreichischen Grenze auf rund 3.000 Meter liegt dennoch nicht in seiner Intention."

das wird mit einem "nur" 4 tonnen schweren brocken auch schwierig, das wäre mehr eine säule ;o)

roland h
01.05.2010 22:27
Kommentare im Kulturteil waren...

...auch schon einmal niveauvoller!
Sehr originell ist die Geschichte nun wirklich nicht. Da hat der Göpf (Gottfried Bechtold) schon 2002 zwei tonnenschwere Felsbrocken aus Afrika in die Silvretta schleppen lassen - ein Mords Trara! Und? Es funktioniert nicht! Die beiden Dinger liegen herum, lächerlich in ihrer Dimension gegenüber der gewaltigen Natur. Das Ergebnis: viel Aufwand, wenig Effekt...

hulkjr
05.05.2010 08:26
minus delta t

haben in den 80ern einen fels um die welt transportiert. zumindest noch selbst am LKW. eiweiwei was 'ne kinderei.

Wollkönigin
01.05.2010 18:30
Wohl einer der am meisten überschätzten Künstler derzeit.


Franz Klug
01.05.2010 22:38
Nein: einer der spannendesten Künstler

Er schafft spannende Objekte, macht sehr gute Aktionskunst:-) ist eine feine Überschreitung von Beuys und Warhol. Wenn Sie "so sorry" im Münchner Haus der Kunst gesehen hätten, würden Sie nicht so falsch urteilen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern ist er auch ein völlig uneitler Mensch, lässt zu, dass man in seiner Ausstellung alles fotografieren darf und ist dazu noch politisch klug tätig.

hulkjr
05.05.2010 08:25
das hört man über viele pseudokünstler

ein "netter typ". die kunst macht das auch nicht besser.

landderdenker
02.05.2010 13:53
Dieser Künstler macht große Sachen

das war´s.

Nach dem Motto "Sice does Matter" da ist er eben ganz Amerikaner und da die Chinesen jeden Unsinn in Potenz zu den USA betreiben macht er es nun eben von China aus.

Die Aktion ist absoluter Schwachsinn, das einzige was daran Kunst sein kann ist der Diskurs der hier und an anderer Stelle statt findet.

Es reicht also wenn es bei der Meldung bleibt, darüber diskutiert wird und man die Sache nie realisiert.

Wenn dem Mann an den Opfern gelegen ist, soll er das Geld den Familien zukommen lassen und nicht einen Stein auf den Stein legen lassen -


Wenn er selbst einen Stein hinaufträgt und am Gipfel ablegt o.k. aber angesichts der konkreten Probleme in der Welt ist das pure Verhöhnung der Opfer und damit Menschenverachtend.

hulkjr
12.05.2010 10:46
mehrere meter groß sogar !

Franz Klug
03.05.2010 22:49
Dieser Künstler macht auch feine kleine Sachen und Sie haben ja überhaupt keine Ahnung vom Künstler und Werk:

Die ganze Münchner Ausstellung "so sorry" war eine große Erinnerung und Hommage an die verunglückten Kinder. Ai Weiwei fuhr auch nach dem Unglück in die Region und hat versucht die Namen dieser verunglückten Kinder festzuhalten. Dann hat er auch noch Probleme mit der Polizie gekriegt, war gut auf einem Videobeitrag auf "so sorry" zu sehen. Und Sie behaupten hier völlig daneben, Ai Weiwei würde die Opfer verhöhnen!
Ai Weiwei macht nur großes ist auch völlig falsch:z. B. zwei feine kleine Aktionen mit Han Vasen/Urnen (2000) Jahre alt - auf einer schrieb er Coca Cola, die andere ließ er im Rahmen einer Videoaktion auf dem Boden zerschellen.
Wie wärs mit das Werk genau anschauen und dann posten? Ihr Nick wäre ehrlicher landdervorurteile!

hulkjr
04.05.2010 16:54
diesen vasenwitz

ein klassischer one liner, sieht man ja leider seit jahren als sein signature piece allenortens. ist so platt dass es platter nicht geht.

Franz Klug
04.05.2010 18:43
Für die Postmoderne ist

eine Kritikplatte zu beobachten, die platter nicht mehr geht!
Man kann in der Gegenwartskunst bei vielen platt daher kommen.
Ich sehe das anders. Die Aktion, eine 2000 Jahre alte Han Vase, ich weiß nicht wieviel die auf Aktionen bringt, zu zerschmettern, als Signal: jetzt müssen wir neu anfangen, nicht erneuern, radikal neu, "Neuerung" schön beschrieben bei Scharang "Komödie des Alterns" , ist eine feine Geste, die ich nicht missen möchte.
Aber, ich seh schon, sie haben da eben eine andere Welt/Kunstanschauung!

Wollkönigin
02.05.2010 13:13

Die Ausstellung in München habe ich tatsächlich nicht gesehen, in Erinnerung ist mir noch die eher peinliche Ausstattung der Documenta mit chinesischen Stühlen.

Franz Klug
03.05.2010 23:00
Ich habe die Documenta, wie immer, genossen und fand das letzte mal auch

schön das die Wilhelmshöhe, Schloß und Garten dabei waren. War mir vorher noch nie aufgefallen, dass das zerstöre Kassel so eine schöne Gartenanlage plus Schloss hat. Das Konzept von Ai Weiwei`Stühle habe ich zwar auch nicht durchschaut, aber peinlich fand ich sie nicht. Gut fand ich seine Aktion fairy tailes. Die Einladung von 1000 Alltagsmenschen, die mit Kunst nichts am Hut haben, zur weltgrößten Gegenwartskunstschau, fand ich sehr gut!
Es gibt jetzt im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr im Duisburger DKM Museum eine schöne Ai Weiwei Retroperspektive. Da kann man auf jedenfall hinfahren, da es im Rahmen der Kulturhautptstadt, wie bereits in Graz und Linz, immer sehr gute Kulturangebote gibt!
Von "so sorry", gibt es auch einen guten Kat.!

Franz Klug
01.05.2010 22:23
Nein: einer

Herzerzog Johann
01.05.2010 13:08
Ich bin dafür!


Er darf noch mehr bringen. Wir Steirer wollen endlich einen echten Dreitausender haben!

downhillschrott
01.05.2010 11:32
Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit

Sollen die den Brocken da oben hinlegen. Aber mich wundert wo. Auf den Gipel direkt wärs blöd: Da müßte man das Kreuz demontieren sonst wirds sehr eng und dagegen hat bekanntermaßen die Effen was. ;~)
irgendwo daneben? Hm.. dann ist die Wirkung fraglich. Aber ich bin gespannt.

Was mich stört: Die Schweizer haben einen Hubschi der das packt und wir nicht? Sofort anschaffen! ;~)

a grünes stricherl
 
30.04.2010 22:50
wtf

denaturierts mir den berg nicht noch weiter ..

Brandy Ortner
30.04.2010 17:30
nur dumm

das denunziert Kultur -

es ist gewalttätig, brutal, rücksichtslos, faschistoid, totalitär, menschenverachtend, inkohärent, stumpfsinnig,...

genau so wie der chinesische Staat



un Gustl
30.04.2010 15:53
lasst den Gipfel in Ruhe

es reicht schon, dass die Gondeltouristen einen gemütlichen 2Stunden Ausflug auf den Gipfel machen. Man kommt sich vor wie auf Hollywood drive im Sommer, wenn man auf den Gipfel steigt(bis 1000 Personen pro Tag & mehr).
Da braucht der Dachstein nicht noch mehr Werbung für "Psoydo Alpinisten".
Die schönste und ruhigste Zeit dort ist, wenn die Seilbahn nicht fährt.

downhillschrott
01.05.2010 11:33
Dann steig halt

im Winter rauf, da bist du oft alleine. Nix für ungut, aber wenn dus nur im Sommer packst bist du um nix besser als die Gondeltouristen auf die du schimpfst.

Darius
01.05.2010 07:20

die fährt doch das ganze jahr.

un Gustl
02.05.2010 07:34
nicht ganz

Nach der Wintersaison fährt die Gondel nur in der Früh einmal rauf (für Touren Geher usw.) und am Mai fährt die Gondel ca. 3 Wochen gar nicht, da Revisionsarbeiten stattfinden (heuer kommt auch ein neues Tragseil). Das ist dann die schönste Zeit am Dachstein. Über die Hunnerscharte oder Johann rauf ist eine einsame und absolut feine Tour.

hulkjr
30.04.2010 15:35
die hauptleistung liegt somit nicht beim

künstler sondern beim helikopter.

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